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Regionen · Kapitel 7

Irlands Mitte & Osten

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RegionenKapitel 7: Irlands Mitte & Osten
Regionen · Kapitel 7

Irlands Mitte & Osten

Das Herz Irlands wird von den meisten Reisenden übersehen — ein Fehler, denn hier liegen einige der bedeutendsten historischen Stätten Europas. Von der 5.000 Jahre alten Grabkammer Newgrange über die mystische Klostersiedlung Glendalough bis zur mittelalterlichen Perle Kilkenny birgt Irlands Mitte und Osten Schätze, die in Ruhe und ohne Touristenmassen entdeckt werden wollen.

Wicklow Mountains — Dublins Vorgarten★★

Wicklow Mountains, Co. Wicklow

Die Wicklow Mountains liegen nur 30 Minuten südlich von Dublin — und sind dennoch eine der wildesten Landschaften Irlands. Die Berge (höchster Punkt: Lugnaquilla, 925 m) erheben sich überraschend schroff aus der Küstenebene und bieten Moore, Heideflächen, Gletschertäler und einsame Seen, die man so nah an einer Millionenstadt nicht erwartet.

Die Military Road (R115) durchquert die Wicklow Mountains von Norden nach Süden und bietet dramatische Ausblicke über die Moorlandschaft. Die Straße wurde von den Briten nach dem Aufstand von 1798 angelegt, um die Rebellen zu jagen, die sich in den Bergen versteckten — eine historische Ironie, denn heute nutzen die Dubliner sie als Ausflugsstraße.

Der Wicklow Way ist Irlands ältester und beliebtester Fernwanderweg: 127 km von Marlay Park in Dublin nach Clonegal in Carlow, durch Wälder, über Moorhügel und vorbei an Glendalough. Für eine Tageswanderung ist die Etappe von Enniskerry über den Djouce Mountain (8 km, 3 Stunden) empfehlenswert — mit Blick auf den Powerscourt Waterfall, Irlands höchsten Wasserfall (121 m).

Powerscourt Estate (Enniskerry, 14 €) ist eines der schönsten Anwesen Irlands — ein palladianisches Herrenhaus mit 47 Hektar Gärten, die zu den schönsten der Welt zählen. Die italienischen Gärten, der japanische Garten und der Blick auf den Sugar Loaf Mountain sind bezaubernd. Das Herrenhaus selbst brannte 1974 ab und wurde teilweise restauriert — es beherbergt heute Shops und ein Café.

Tipp

Die Wicklow Mountains sind ein perfekter Tagesausflug von Dublin — kombiniere Glendalough mit einer Fahrt über die Military Road und einem Stopp im Powerscourt Estate. Organisierte Touren ab Dublin (40–55 €) machen den Ausflug ohne Auto möglich. Bei eigenem Auto: Die Military Road ist schmal und bei Nebel herausfordernd.

Glendalough — Tal der zwei Seen★★★

Glendalough, Co. Wicklow
Besucherzentrum: täglich 9:30–17:00 (Sommer bis 18:00)
Klostergelände: kostenlos. Besucherzentrum: 5 €

Glendalough (Gleann Dá Loch, „Tal der zwei Seen") ist einer der magischsten Orte Irlands — eine frühchristliche Klostersiedlung in einem U-förmigen Gletschertal in den Wicklow Mountains, umgeben von steilen, bewaldeten Bergen und zwei dunklen Seen. Hier, in dieser Abgeschiedenheit, gründete der heilige Kevin im 6. Jahrhundert ein Kloster, das zu einem der bedeutendsten Lernzentren des frühen Christentums in Europa wurde.

Die Klosterruinen erstrecken sich über eine große Fläche und umfassen einen perfekt erhaltenen Rundturm (30 m hoch, 10. Jh.), eine Kathedrale, mehrere Kirchenruinen, ein steinernes Keltenkreuz und den romantischen Friedhof, auf dem uralte Grabsteine unter moosbewachsenen Bäumen stehen. Der Rundturm ist das Wahrzeichen und diente den Mönchen als Glockenturm, Wachturm und Fluchtburg vor Wikinger-Überfällen.

Die Wanderwege rund um die Seen sind herrlich: Der Upper Lake Walk (6 km, 2 Stunden) führt entlang des oberen Sees, vorbei an der Miners' Village und durch Eichenwälder. Der kürzere Green Road Walk zum unteren See bietet den klassischen Postkarten-Blick auf den Rundturm vor dem See und den Bergen. Das Besucherzentrum (5 €) liefert den historischen Kontext mit einer sehenswerten Ausstellung über das klösterliche Leben und die keltische Buchkunst.

Tipp

Komm früh morgens (vor 10 Uhr) oder am späten Nachmittag — dann liegt Nebel über den Seen und die Atmosphäre ist mystisch. Glendalough ist Dublins beliebtester Tagesausflug und kann an Wochenenden überlaufen sein. Die Wanderung zum Upper Lake ist weniger besucht als der Hauptbereich bei den Klosterruinen.

Kilkenny — Das mittelalterliche Juwel★★

Kilkenny, Co. Kilkenny

Kilkenny ist Irlands besterhaltene mittelalterliche Stadt — ein Labyrinth aus engen Gassen, historischen Kirchen und Steingebäuden am River Nore, gekrönt von einer normannischen Burg und durchdrungen von einer Atmosphäre, die dich ins Mittelalter zurückversetzt. Die Stadt (ca. 26.000 Einwohner) ist klein genug, um sie in einem halben Tag zu erkunden, und groß genug, um zwei, drei Tage hier glücklich zu sein.

Kilkenny Castle (8 €) dominiert die Stadt — eine normannische Festung aus dem 12. Jahrhundert, die 600 Jahre lang Sitz der mächtigen Butler-Familie war. Die Innenräume wurden aufwendig restauriert, besonders die viktorianische Long Gallery mit ihren bemalten Decken und den Porträts der Butler-Dynastie. Die Parkanlage um die Burg ist kostenlos und ein beliebter Picknickplatz.

Die Medieval Mile — die Strecke vom Kilkenny Castle zur St. Canice's Cathedral — ist das historische Herz der Stadt. Unterwegs passierst du das Rothe House (7,50 €, ein Tudor-Stadthaus mit Garten), die Shee Alms House und das Medieval Mile Museum (9 €, in der ehemaligen St. Mary's Church). Die St. Canice's Cathedral und ihr zugehöriger Rundturm (6 €, besteigbar — die engste Wendeltreppe, die du je erleben wirst!) bieten den besten Blick über die Stadt.

Kilkenny hat eine lebendige Craft-Beer- und Pub-Szene. Das Smithwick's Experience (16 €) erzählt die Geschichte von Irlands ältester Biermarke (seit 1710). Abends ist die John Street das Zentrum des Nightlife — das Kyteler's Inn (angeblich die älteste Kneipe Irlands, gegründet 1324 von der angeblichen Hexe Alice de Kyteler) ist atmosphärisch einzigartig.

Tipp

Kilkenny liegt ideal zwischen Dublin und Cork (jeweils ca. 1,5 Stunden) und ist ein perfekter Zwischenstopp. Im August verwandelt das Kilkenny Arts Festival die ganze Stadt in eine Bühne — Musik, Theater, Kunst an jeder Ecke. Für Hurling-Fans: Kilkenny ist DIE Hurling-Hochburg Irlands — ein Spiel im Nowlan Park ist ein unvergessliches Erlebnis.

Clonmacnoise — Kloster am Shannon★★

Clonmacnoise, Co. Offaly
Täglich 10:00–17:30 (Sommer bis 18:30)
8 € (Erwachsene), ermäßigt 4 €

Clonmacnoise war eines der wichtigsten Klöster des frühen christlichen Europas — gegründet 544 vom heiligen Ciarán am Ufer des River Shannon an der Kreuzung zweier alter Handelsrouten (Fluss und Esker Riada). Über sechs Jahrhunderte war es ein Zentrum des Lernens, der Kunst und der Buchherstellung, das Studenten und Gelehrte aus ganz Europa anzog.

Die Ruinen sind eindrucksvoll: Eine Kathedrale, sieben Kirchenruinen, zwei Rundtürme, über 200 Hochkreuze und Grabsteine und die Überreste einer Burg erstrecken sich über das weite, flache Gelände am Shannon. Die drei berühmten Hochkreuze — das Cross of the Scriptures (9. Jh.), das South Cross und das North Cross — gehören zu den schönsten keltischen Kreuzen Irlands, mit detaillierten biblischen Szenen in Stein gemeißelt. Die Originale stehen im Besucherzentrum (die Kreuze im Freien sind Repliken).

Das Besucherzentrum (8 €) bietet eine ausgezeichnete Ausstellung über das klösterliche Leben und die bedeutenden Manuskripte, die hier entstanden. Die Lage am Shannon ist atemberaubend — besonders bei Nebel, wenn die Ruinen wie Geister aus dem Dunst auftauchen. Rechne 1,5–2 Stunden für den Besuch.

Newgrange — Älter als die Pyramiden★★★

Brú na Bóinne Visitor Centre, Donore, Co. Meath
Täglich 9:30–17:00 (Sommer bis 18:30)
Newgrange: 8 €, Kombi Newgrange + Knowth: 13 €

Newgrange (Sí an Bhrú) ist eines der bedeutendsten archäologischen Monumente der Welt — eine 5.000 Jahre alte Ganggrabkammer (ca. 3200 v. Chr.), die älter ist als die Pyramiden von Gizeh und Stonehenge. Sie ist Teil des Brú na Bóinne UNESCO-Welterbes im Boyne Valley, zusammen mit den Schwester-Monumenten Knowth und Dowth.

Das Grab ist ein massiver Erdhügel von 85 Metern Durchmesser, eingefasst von 97 Randsteinen, die mit den berühmten Spiralmotiven verziert sind — die dreifache Spirale am Eingangsstein ist eines der Wahrzeichen der keltischen Kunst. Im Inneren führt ein 19 Meter langer Gang zu einer kreuzförmigen Kammer mit einem Kraggewölbe, das seit 5.000 Jahren ohne Mörtel dicht ist.

Das astronomische Meisterwerk: Am 21. Dezember (Wintersonnenwende) dringt ein Lichtstrahl durch eine schmale Öffnung über dem Eingang (die Roof Box) und erleuchtet für genau 17 Minuten die innere Grabkammer. Die Erbauer von Newgrange besaßen also vor 5.000 Jahren ein präzises Verständnis von Astronomie. Die Plätze für die echte Sonnenwende werden per Lotterie verlost (über 30.000 Bewerber für 50 Plätze!). Bei der regulären Tour wird eine Simulation des Lichtereignisses gezeigt — dennoch beeindruckend.

Zugang: Newgrange ist nur über das Brú na Bóinne Besucherzentrum zugänglich — Individualbesuche sind nicht möglich. Ein Shuttle bringt dich von dort zur Grabkammer. Buche Online-Tickets im Voraus, besonders im Sommer (Tickets sind oft Tage vorher ausverkauft). Die geführte Tour (auf Englisch) dauert ca. 90 Minuten und ist hervorragend.

Tipp

Buche die Kombi-Tour Newgrange + Knowth (13 €) — Knowth hat noch beeindruckendere Megalith-Kunst als Newgrange (über ein Drittel aller bekannten westeuropäischen Megalith-Kunst ist hier konzentriert!), wird aber von den meisten Besuchern übersehen. Newgrange liegt 50 km nördlich von Dublin und lässt sich gut als Halbtagesausflug einplanen.

Galway als Tor zum Westen★★

Galway City, Co. Galway

Galway liegt am Übergang zwischen Irlands Mitte und dem wilden Westen und wird in diesem Reiseführer ausführlich im Kapitel Wild Atlantic Way behandelt. Von Dublin aus ist Galway in 2,5 Stunden per Zug oder Bus erreichbar und der perfekte Ausgangspunkt für Connemara, die Aran Islands, den Burren und die Cliffs of Moher.

Für Reisende, die von Osten kommen, ist Galway der ideale Übergangsort: Nach den historischen Stätten des Boyne Valley, den Wicklow Mountains und Kilkenny taucht man in Galway in eine völlig andere Welt ein — bohemian, musikalisch, am Meer, und spürbar westirisch. Der Kontrast zwischen dem georgianischen Dublin und dem bunten, chaotischen Galway ist einer der reizvollsten Aspekte einer Irland-Rundreise.

Plane mindestens 2 Nächte in Galway — eine für die Stadt selbst (Pubs, Restaurants, Straßenmusik) und eine als Basis für Tagesausflüge (Cliffs of Moher, Burren, Aran Islands, Connemara).

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