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Regionen · Kapitel 5

Südirland

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RegionenKapitel 5: Südirland
Regionen · Kapitel 5

Südirland

Südirland ist das genussreiche, geschichtsträchtige Herz der Insel — von Corks lebendiger Food-Szene über den letzten Hafen der Titanic in Cobh bis zum mystischen Rock of Cashel und den smaragdgrünen Seen des Killarney-Nationalparks. Hier ist Irland sanfter, wärmer und kulinarisch auf Weltniveau — aber die dramatische Natur ist nie weit.

Cork — Die wahre Hauptstadt★★

Cork City, Co. Cork

Cork hält sich selbst für die „wahre Hauptstadt Irlands" — und die Corkonians meinen das nur halb im Scherz. Irlands zweitgrößte Stadt (ca. 210.000 Einwohner) hat einen eigenen Stolz, einen eigenen Akzent (den selbst Dubliner kaum verstehen) und eine Kulinarik-Szene, die Dublin den Rang abläuft. Die Stadt liegt auf einer Insel im River Lee und hat einen kompakten, hügeligen Stadtkern, der sich hervorragend zu Fuß erkunden lässt.

Das kulinarische Herz Corks ist der English Market — eine viktorianische Markthalle aus dem Jahr 1788, in der Metzger, Fischhändler, Käsemacher und Bäcker ihre Ware feilbieten. Hier kauft man Gubbeen Käse, Clonakilty Black Pudding, frische Austern aus Kenmare und das berühmte Spiced Beef, das in Cork zu Weihnachten Tradition ist. Im Obergeschoss serviert das Farmgate Café Gerichte aus den Markt-Zutaten — das beste Mittagessen der Stadt (Hauptgerichte 14–20 €).

Rund um Cork hat sich eine der lebendigsten Craft-Beer-Szenen Irlands entwickelt: Die Franciscan Well Brewery (North Mall) hat einen beliebten Biergarten und braut hervorragendes IPA, Rising Sons in der Cornmarket Street bietet Tastings, und die Eight Degrees Brewing bei Mitchelstown gehört zu Irlands besten Brauereien.

Kulturell bietet Cork das hervorragende Crawford Art Gallery (kostenlos), die St. Fin Barre's Cathedral (neogotisches Meisterwerk, 6 €) und das Cork City Gaol (Gefängnismuseum, 10 €) — Letzteres gibt einen bedrückenden Einblick in die Lebensbedingungen im 19. Jahrhundert. Die Shandon Bells in der St. Anne's Church (8 €) kannst du selbst läuten — ein klimperndes Highlight mit Panoramablick über die Stadt.

Tipp

Cork ist die perfekte Basis für Südirland: Blarney Castle (15 Min.), Cobh (25 Min.), Kinsale (30 Min.) und der Killarney-Nationalpark (1,5 Std.) sind alle bequem erreichbar. Die Stadt selbst braucht 1–2 Tage. Abends solltest du in die Oliver Plunkett Street — Corks Pub- und Live-Musik-Meile.

Cobh — Der letzte Hafen der Titanic★★

Cobh, Co. Cork

Cobh (gesprochen „Kow") ist ein malerisches Hafenstädtchen auf einer Insel in Cork Harbour — und ein Ort voller emotionaler Geschichte. Von hier aus verließen zwischen 1848 und 1950 über 2,5 Millionen Iren ihre Heimat in Richtung Amerika. Und von hier aus stach am 11. April 1912 die RMS Titanic zu ihrer letzten Fahrt in See.

Das Titanic Experience Cobh (in der ehemaligen White Star Line-Tickethalle, 11 €) ist hervorragend gestaltet: Du bekommst eine Boarding Card mit dem Namen eines echten Passagiers, durchlebst die Reise und erfährst am Ende, ob „dein" Passagier überlebt hat. Das Gebäude ist der Originalort, an dem die letzten 123 Passagiere an Bord gingen — die Atmosphäre ist greifbar.

Das Cobh Heritage Centre — The Queenstown Story (10 €) erzählt die umfassendere Geschichte der irischen Emigration — Hungersnot, Schiffspassagen unter unmenschlichen Bedingungen (die „Coffin Ships") und das verzweifelte Hoffen auf ein besseres Leben. Die Ausstellung ist emotional und informativ.

Cobhs Skyline wird dominiert von der St. Colman's Cathedral, einer neogotischen Kathedrale, die mit ihrem 100 Meter hohen Turm und dem 49-Glocken-Carillon über dem Hafen thront. Die Aussicht von der Kathedrale über den Hafen, in dem die Titanic vor Anker lag, ist ikonisch und eines der meistfotografierten Motive Irlands. Die bunten Reihenhaus-Terrassen (die berühmte „Deck of Cards") darunter sind Instagram-Gold.

Tipp

Cobh ist ein perfekter Halbtagesausflug von Cork (25 Min. per Zug, 6 € Retour, direkt vom Kent Station). Kombiniere Titanic Experience + Queenstown Story + Kathedrale + Fish & Chips am Hafen. Für Genealogie-Interessierte: Das Cobh Heritage Centre hilft bei der Suche nach ausgewanderten Vorfahren.

Blarney Castle & der Stein der Eloquenz★★

Blarney, Co. Cork
Täglich 9:00–18:00 (Sommer), 9:00–17:00 (Winter)
20 € (Erwachsene), Kinder 6–16: 9 €

Blarney Castle ist eine der touristischsten Attraktionen Irlands — und trotzdem lohnt sich der Besuch. Die mittelalterliche Burg aus dem 15. Jahrhundert, umgeben von 60 Hektar wunderschöner Gärten, beherbergt den berühmten Blarney Stone: Wer diesen Stein küsst (kopfüber, rückwärts über eine Brüstung gelehnt, festgehalten von einem Helfer), erhält angeblich die „Gabe der Eloquenz" — die Fähigkeit, jeden mit Worten zu bezaubern. Die Iren nennen das „Blarney" — geschicktes Reden, das an Schmeichelei grenzt.

Die Legende geht auf Cormac MacCarthy zurück, den Lord von Blarney, der Queen Elizabeth I. so lange mit ausweichenden Reden hinhielt, dass sie ausrief: „This is all Blarney — what he says he never means!" Die wahre Herkunft des Steins ist umstritten — manche behaupten, er sei ein Stück des Stone of Scone aus Schottland.

Abseits des Steins sind die Gärten das eigentliche Highlight: Der Poison Garden (Giftpflanzen hinter Gittern!), der Fern Garden, die Rock Close mit ihren mystischen Druidensteinen und der Wishing Steps — treppenförmige Steine, die man mit geschlossenen Augen rückwärts hinabsteigen muss, um einen Wunsch erfüllt zu bekommen. Die Burgruine selbst ist beeindruckend, mit engen Wendeltreppen und Ausblicken über das grüne Umland.

Tipp

Komm möglichst früh (zur Öffnung um 9 Uhr) oder spät (ab 16 Uhr) — die Warteschlange zum Blarney Stone kann mittags über eine Stunde betragen. Die Gärten allein sind den Eintritt wert und werden von vielen Besuchern übersehen. Direkt neben dem Castle liegt Blarney Woollen Mills — einer der besten Orte für irische Wollpullover und Souvenirs.

Killarney-Nationalpark★★★

Killarney National Park, Co. Kerry
Park: ganzjährig, 24/7. Muckross House: täglich 9:00–17:30
Park: kostenlos. Muckross House: 9,50 €

Der Killarney-Nationalpark ist Irlands ältester und schönster Nationalpark — 10.000 Hektar unberührte Natur mit drei Seen (Lough Leane, Muckross Lake, Upper Lake), uralten Eichenwäldern, Bergen und einer Tierwelt, die Irlands einzige freilebende Rotwild-Herde und den seltenen Weißschwanzadler umfasst. Der Park ist UNESCO-Biosphärenreservat und kostenlos zugänglich.

Das Herzstück des Parks ist Muckross House — ein viktorianisches Herrenhaus (1843) mit herrlichen Gärten, das einen Einblick in das Leben des irischen Landadels gibt (Führung 9,50 €). Die Muckross Traditional Farms nebenan zeigen das ländliche Irland der 1930er-Jahre mit arbeitenden Bauernhöfen — besonders für Kinder faszinierend.

Der Torc Waterfall (20 Minuten Spaziergang vom Parkplatz) ist einer der schönsten Wasserfälle Irlands — 18 Meter hoch, eingebettet in üppigen Eichenwald. Nach Regen (also fast immer!) ist der Wasserfall besonders eindrucksvoll. Von der Brücke am oberen Ende hat man einen wunderbaren Blick.

Die beliebteste Art, den Park zu erkunden, ist eine Jaunting Car-Fahrt — Pferdekutschen mit plaudernden Kutschern (Jarveys), die unterhaltsame Geschichten erzählen, während sie dich durch den Park fahren (ab 30 € pro Person für die Classic-Tour). Alternativ: Fahrrad leihen in Killarney Town (ab 15 €/Tag) und die Seen auf eigene Faust umrunden. Die Gap of Dunloe (eine dramatische Bergschlucht westlich des Parks) ist am besten zu Fuß oder per Fahrrad zu erleben — die Straße ist für Autos gesperrt und bietet spektakuläre Landschaft.

Tipp

Die Gap of Dunloe zu Fuß oder per Rad + anschließende Bootsfahrt über die drei Seen zurück nach Ross Castle ist das ultimative Killarney-Erlebnis. Die ganztägige Tour (ca. 6 Stunden) kann über lokale Anbieter gebucht werden (ab 45 € inkl. Boot). Am besten bei trockenem Wetter — der Bergpass ist bei Regen rutschig.

Kinsale — Irlands kulinarische Hauptstadt★★

Kinsale, Co. Cork

Kinsale ist das hübscheste Städtchen Südirlands und Irlands selbsternannte kulinarische Hauptstadt — ein Titel, den es verdient. Das malerische Hafenstädtchen 30 km südlich von Cork zieht Feinschmecker, Segler und Genießer an und hat eine Restaurantdichte, die für seine Größe (knapp 5.000 Einwohner) erstaunlich ist.

Die bunten Häuser am Hafen, die engen Gassen mit Boutiquen und Galerien, und die historischen Festungen machen Kinsale zu einem Ort, an dem man sich sofort wohlfühlt. Kulinarische Highlights: Fishy Fishy (das berühmteste Fischrestaurant der Gegend, Hauptgerichte 18–30 €), The Black Pig (Wine Bar mit exzellenten kleinen Gerichten) und Jim Edwards (traditionelle irische Küche auf hohem Niveau).

Geschichtlich ist Kinsale bedeutend: Hier fand 1601 die Battle of Kinsale statt — die entscheidende Niederlage der gälischen Fürsten gegen die Engländer, die das Ende der alten irischen Ordnung einläutete. Das Charles Fort (5 €), eine sternförmige Festung aus dem 17. Jahrhundert am Hafen, ist hervorragend erhalten und bietet einen fantastischen Blick über die Bucht.

Rock of Cashel★★★

Rock of Cashel, Co. Tipperary
Täglich 9:00–17:30 (Sommer bis 19:00)
8 € (Erwachsene), ermäßigt 4 €

Der Rock of Cashel (Carraig Phádraig) ist eine der dramatischsten historischen Stätten Irlands — eine mittelalterliche Festung auf einem 60 Meter hohen Kalksteinfelsen, der wie eine Faust aus der goldgrünen Ebene von Tipperary ragt. Die Silhouette aus Rundturm, Kathedrale, Kapelle und Hochkreuzen vor dem weiten Himmel ist ikonisch und wirkt wie das Bühnenbild für einen Historienfilm.

Der Felsen war über 1.000 Jahre lang Sitz der Könige von Munster, der mächtigsten Dynastie Südirlands. Der Legende nach war es hier, wo der heilige Patrick im 5. Jahrhundert den irischen König Aengus bekehrte — und dabei versehentlich seinen Bischofsstab durch den Fuß des Königs rammte. Aengus hielt still, weil er dachte, das gehöre zur Taufe dazu.

Die Cormac's Chapel (1127–1134) ist das älteste romanische Kirchengebäude Irlands und ein architektonisches Juwel mit aufwendigen Steinmetzarbeiten, einem Sarkophag und Resten mittelalterlicher Wandmalereien. Die angrenzende Kathedrale (13. Jh.) ist eine eindrucksvolle gotische Ruine, deren Kreuzgang und Turm begehbar sind. Der Rundturm (28 m) ist der älteste Teil der Anlage und stammt aus dem 11. oder 12. Jahrhundert.

Vom Felsen aus hat man einen weiten Blick über die Golden Vale, das fruchtbarste Farmland Irlands — ein Meer aus grünen Feldern, begrenzt von den Galtee Mountains. Am Fuß des Felsens steht die Ruine der Hore Abbey (kostenlos), einer zisterzianischen Abtei aus dem 13. Jahrhundert, die einen wunderbaren Blickwinkel auf den Rock bietet.

Tipp

Komm morgens oder am späten Nachmittag — mittags fallen die Reisebusse ein. Der Rock of Cashel liegt ideal an der Route Dublin–Cork (ca. 1,5 Stunden von beiden Städten) und lässt sich perfekt als Zwischenstopp einplanen. Vergiss nicht, zur Hore Abbey hinunterzugehen — der Blick von dort zurück auf den Rock ist der beste Fotospot.

Ring of Beara — Geheimtipp der Kenner★★

Beara Peninsula, Co. Cork/Kerry

Der Ring of Beara ist der unbekanntere, rauere und weniger touristisch erschlossene Bruder des Ring of Kerry — und genau deshalb lieben ihn Irland-Kenner. Die 137 Kilometer lange Küstenstraße umrundet die Beara-Halbinsel zwischen Kenmare und Glengarriff und bietet ähnlich dramatische Landschaften, aber ohne die Reisebusse und Menschenmassen.

Die Höhepunkte: Der Healy Pass ist eine der spektakulärsten Bergstraßen Irlands — eine schmale Straße, die sich über die Caha Mountains windet und Blicke bietet, die einem den Atem rauben. Allihies ist ein verschlafenes Dorf mit einem wunderbaren Sandstrand und den Ruinen historischer Kupferminen. Die Dursey Island am westlichsten Punkt der Halbinsel ist über Irlands einzige Kabinenseilbahn erreichbar — die teilt man sich gelegentlich mit Schafen und Vieh!

Die Stadt Glengarriff am östlichen Ende ist das Tor zur Garnish Island (Ilnacullin) — einem subtropischen Garten auf einer kleinen Insel in der Bantry Bay, erreichbar per Fährboot (15 € Retour). Der Garten ist ein botanisches Wunder, und die Überfahrt bietet Robbenbeobachtung inklusive.

Tipp

Der Ring of Beara ist perfekt für alle, die den Ring of Kerry zu überlaufen finden. Die gleiche dramatische Küstenlandschaft, aber ein Bruchteil der Touristen. Plane einen vollen Tag für die Fahrt — die Straßen sind noch schmaler als am Ring of Kerry, und die Fotostopps sind zahlreich.

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