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Regionen · Kapitel 6

Lanzarote

Kanarische Inseln Reiseführer

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RegionenKapitel 6: Lanzarote
Regionen · Kapitel 6

Lanzarote

Lanzarote ist die ungewöhnlichste der Kanarischen Inseln — und die, die man am wenigsten vergisst. Hier hat die Erde ihr Innerstes nach außen gekehrt: Über 300 Vulkankegel erheben sich aus einer Landschaft, die wie von einem anderen Planeten wirkt. Schwarze Lavafelder, feuerrot glühende Berge, smaragdgrüne Kraterseen — und mittendrin die visionäre Handschrift eines Mannes, der seine Insel vor dem Bausünden-Wahnsinn bewahrte: César Manrique. Dank seines Kampfes gibt es auf Lanzarote kein einziges Hochhaus, keine Lichtreklame und keine Bausünde, die höher ist als eine Palme. Die UNESCO erklärte die gesamte Insel 1993 zum Biosphärenreservat. Wer Lanzarote besucht, erlebt Natur und Kunst in einer Symbiose, die es nirgendwo sonst auf der Welt gibt.

Timanfaya Nationalpark — die Feuerberge★★★

Parque Nacional de Timanfaya, LZ-67, 35560 Tinajo
Täglich 9–17:45 Uhr (letzter Einlass 17 Uhr). Ganzjährig geöffnet.
Erwachsene 12 €, Kinder (7–12) 6,50 €, unter 7 frei. Bustour inklusive.

Timanfaya ist Lanzarotes absolutes Highlight und einer der beeindruckendsten Nationalparks Europas. Zwischen 1730 und 1736 — sechs Jahre lang — brachen dutzende Vulkane gleichzeitig aus und begruben ein Viertel der Insel unter Lava. Die Eruption war so gewaltig, dass sie im 300 km entfernten Teneriffa zu hören war. Ganze Dörfer verschwanden, die Bevölkerung floh. Was blieb, ist eine Mondlandschaft aus erstarrter Lava, Asche und Kratern, die sich bis heute kaum verändert hat — Vegetation gibt es hier fast keine.

Besuch der Montañas del Fuego

Der Kernbereich des Parks — die Feuerberge (Montañas del Fuego) — ist nur im Rahmen einer Bustour zugänglich. Vom Besucherzentrum Islote de Hilario fährt man ca. 40 Minuten auf einer von Manrique entworfenen Route durch die Lavalandschaft: vorbei an glühend roten und schwarzen Kratern, bizarren Lavaformationen und Schloten, aus denen noch heute heiße Gase aufsteigen.

Am Islote de Hilario demonstrieren Parkranger die geothermische Aktivität: Trockenes Ginstergestrüpp, in ein Erdloch gesteckt, entzündet sich von selbst. Wasser, in ein Rohr gegossen, schießt als Dampffontäne in die Höhe. Nur wenige Meter unter der Oberfläche herrschen Temperaturen von über 400°C. Das Restaurant „El Diablo" (von Manrique entworfen) grillt Fleisch und Fisch über der natürlichen Erdwärme — kein Witz, keine Show, echte Vulkanhitze als Kochquelle.

Wandern im Umfeld

Im Nationalpark selbst ist freies Wandern verboten, aber es gibt zwei geführte Routen (kostenlos, Anmeldung im Besucherzentrum Mancha Blanca):

  • Ruta del Litoral: Küstenwanderung durch Lavafelder zum Meer (3 km, 2 Std.).
  • Ruta de Tremesana: Durch das Herz der Lavafelder (2 km, 2,5 Std., anspruchsvoller).

Beide müssen Wochen im Voraus reserviert werden (Online-Reservierung über die Website des Cabildo de Lanzarote).

Kamelreiten (Dromedare)

Am Echadero de los Camellos, kurz vor dem Parkeingang, kann man auf Dromedaren einen kurzen Ritt über die Vulkanhänge machen (ca. 20 Min., 6 € pro Person). Touristisch? Ja. Aber die Dromedare gehören seit dem 19. Jahrhundert zu Lanzarotes Bild — sie wurden als Arbeitstiere eingeführt und sind heute das inoffizielle Maskottchen der Insel.

Tipp

Kommen Sie früh! Die Bustour startet am Islote de Hilario, und ab 11 Uhr bilden sich lange Schlangen (bis zu 1 Stunde Wartezeit). Idealerweise um 9:00 Uhr am Parkeingang sein. Alternativ nachmittags ab 15 Uhr, wenn die Busse wieder leer werden. Die Kombikarte „Centros de Arte, Cultura y Turismo" (6 Zentren für 35 €) enthält den Parkzugang NICHT — der kostet separat.

César Manrique — Kunst und Natur als Einheit★★★

César Manrique (1919–1992) ist Lanzarotes Schutzpatron, Visionär und Held in einer Person. Der Künstler, Architekt und Umweltschützer hat die Insel geprägt wie kein anderer Mensch — er verwandelte Lavahöhlen in Konzertsäle, Vulkankrater in Aussichtspunkte und Steinbrüche in Kunstwerke. Sein Grundprinzip: Kunst und Natur dürfen sich nie widersprechen, sondern müssen sich ergänzen. Ohne Manrique wäre Lanzarote heute vermutlich eine weitere zugebaute Kanareninsel. Stattdessen ist sie ein Gesamtkunstwerk.

Manriques Erbe lässt sich auf der Insel an zahlreichen Orten erleben. Die wichtigsten drei sind ein absolutes Muss:

Jameos del Agua★★★

LZ-204, Carretera de Órzola, 35520 Haría
Täglich 10–18:30 Uhr (letzter Einlass 17:45 Uhr). Konzertabende bis 23 Uhr.
Erwachsene 10 €, Kinder (7–12) 5 €. Kombikarte 6 Zentren: 35 €.

Manriques Meisterwerk und der Ort, der seine Vision am besten verkörpert. Die Jameos del Agua sind ein unterirdisches Höhlensystem, entstanden durch einen Lavastrom des Vulkans Monte Corona vor rund 3.000 Jahren. Manrique verwandelte die kollabierten Lavahöhlen (Jameos) in den 1960ern in ein atemberaubendes Kulturzentrum:

  • Der unterirdische See: In der ersten Höhle liegt ein natürlicher Salzwassersee, in dem die weltweit einzigartigen blinden Albinokrebse (Munidopsis polymorpha) leben — winzige, weiße Krebstiere, die nur hier und in keinem anderen Gewässer der Erde vorkommen. Der See ist smaragdgrün beleuchtet.
  • Der Garten und Pool: Im offenen Jameo (eingestürztes Höhlendach) legte Manrique einen tropischen Garten mit einem schneeweißen Schwimmbecken an, eingerahmt von schwarzer Lava und Palmen. Man darf leider nicht schwimmen, aber der Anblick ist ikonisch.
  • Der Konzertsaal: In der tiefsten Höhle befindet sich ein Auditorium mit 600 Plätzen und einer Akustik, die Musiker aus aller Welt anzieht. Regelmäßig Konzerte (Programm auf der Website).
  • Casa de los Volcanes: Interaktives Wissenschaftsmuseum über Vulkanismus im oberen Bereich.

Tipp

Dienstagabends (ca. 19–23 Uhr) finden in der Saison regelmäßig Live-Konzerte im Höhlenauditorium statt — Jazz, Klassik, Weltmusik. Die Kombination aus Musik und Lavahöhle ist ein einmaliges Erlebnis. Tickets ab 25 € (inkl. Eintritt), online vorbuchen.

Mirador del Río★★★

Carretera del Mirador del Río, 35520 Haría
Täglich 10–17:45 Uhr.
Erwachsene 5 €, Kinder (7–12) 2,50 €. Kombikarte 6 Zentren: 35 €.

Auf der Nordspitze Lanzarotes, 475 Meter über dem Meer, schuf Manrique 1973 diesen Aussichtspunkt in eine alte Artillerie-Stellung aus dem 19. Jahrhundert. Von außen ist der Mirador fast unsichtbar — er ist in den Felsen gebaut und mit Lavagestein getarnt. Erst wenn man eintritt, öffnet sich ein atemberaubendes Panorama: Durch die gewölbte Glasfront blickt man hinab auf die Meerenge El Río, die Isla Graciosa, die Salinas del Río und bei klarer Sicht bis zu den Inseln Montaña Clara und Alegranza.

Das Innere ist typisch Manrique: organische Formen, weiß verputzte Wände, die mit den Felswänden verschmelzen, ein Café in der Felskuppel. Alles wirkt, als wäre der Aussichtspunkt natürlich gewachsen statt gebaut.

Ehrliche Einschätzung: Der Eintritt (5 €) wird von manchen als überteuert kritisiert — zumal man 200 Meter weiter kostenlos vom Klippenrand denselben Blick hat. ABER: Das Architektur-Erlebnis, die Manrique-Ästhetik und das Café mit Panoramafenster sind es absolut wert. Wer nur den Blick will, kann auch zum kostenlosen Mirador de Guinate fahren (weniger spektakulär, aber frei).

Fundación César Manrique (Tahíche)★★★

Calle Jorge Luis Borges, 16, 35507 Tahíche
Mo–Sa 10–18 Uhr, So 10–15 Uhr. Juli–Okt. bis 19 Uhr.
Erwachsene 10 €, Studenten 5 €, Kinder (7–12) 1 €.

Manriques ehemaliges Wohnhaus in Tahíche ist seit seinem Tod (1992, Autounfall) eine Stiftung und Museum — und vielleicht der eindrücklichste Ort, um seinen Genius zu begreifen. Das Haus wurde auf und in einem Lavastrom errichtet: Die oberen Räume (weiß, lichtdurchflutet, mit Werken von Manrique, Picasso, Miró, Tàpies) gehen über in fünf unterirdische Blasen — natürliche Hohlräume im erstarrten Lavastrom, die Manrique zu Wohnräumen umfunktionierte.

Jede Lavablase hat ein eigenes Thema: eine ist ein Wohnzimmer mit Feigenbaum, der durch die offene Decke wächst; eine andere ein Schwimmbecken in schwarzer Lava; eine dritte eine Tanzfläche (ja, Manrique feierte gern). Der Übergang von der natürlichen Lavastruktur zum menschlichen Wohnraum ist fließend und verblüffend — man versteht sofort, warum Manrique als Genie gilt.

Im Obergeschoss: wechselnde Kunstausstellungen und der Skulpturengarten. Planen Sie mindestens 1,5 Stunden ein.

Tipp

Kommen Sie als Erstes hierher — das Verständnis für Manriques Vision macht alle anderen Sehenswürdigkeiten Lanzarotes noch eindrucksvoller. Die Stiftung ist NICHT in der CACT-Kombikarte enthalten — eigener Eintritt.

La Geria — Weinanbau in Vulkankratern★★★

La Geria, LZ-30, zwischen Uga und San Bartolomé

La Geria ist eines jener Bilder, die man nie vergisst: In einer pechschwarzen Vulkanlandschaft erstrecken sich tausende halbmondförmige Steinmauern (zocos), in deren Mitte je ein einzelner Weinstock wächst — geschützt vor dem Wind, genährt vom vulkanischen Boden, bewässert durch die Feuchtigkeit, die der Lapilli (Vulkanasche) aus der Luft zieht. Dieses weltweit einzigartige Anbausystem wurde nach den verheerenden Vulkanausbrüchen von 1730–1736 entwickelt und ist seit 2024 auf der Vorschlagsliste zum UNESCO-Weltkulturerbe.

Die Winzer graben Trichter von 2–4 Metern Tiefe in die Lapilli-Schicht, bis sie auf fruchtbare Erde stoßen. In die Mitte pflanzen sie den Rebstock. Die halbkreisförmige Mauer (zoco) schützt vor dem Passatwind. Das Ergebnis: Wein aus einer Mondlandschaft.

Die Weine Lanzarotes

Die Hauptrebsorte ist Malvasía Volcánica — ein trockener bis halbtrockener Weißwein mit Aromen von tropischen Früchten, Mineralik und einer charakteristischen vulkanischen Note. Daneben: Diego (weiß), Listán Negro (rot), Moscatel. Lanzarotes Weine sind selten außerhalb der Kanaren erhältlich — wer sie probieren will, muss auf die Insel kommen.

Bodegas in La Geria

  • Bodega La Geria: Die größte und bekannteste. Schönes Besucherzentrum, Weinprobe (3 Weine ab 6 €), Restaurant mit Terrasse und Blick über die Weinlandschaft. Guter Einstieg.
  • Bodega El Grifo: Die älteste Bodega der Kanaren (gegründet 1775!) und eine der ältesten Spaniens. Kleines Weinmuseum mit historischen Pressen und Fässern. Führung + Verkostung ab 8 €. Ihr Premium-Malvasía ist hervorragend.
  • Bodegas Rubicón: Familienbetrieb seit 1979. Exzellenter Malvasía Semi-Dulce (der perfekte Dessertwein). Führung + 4 Weine: 12 €.
  • Bodega Stratvs: Modernster Betrieb, architektonisch ansprechend. Biodynamischer Anbau. Weinprobe mit Käse und Oliven ab 15 €.

Preise im Überblick: Eine Flasche Malvasía Volcánica kostet in der Bodega ab 8–15 €, im Restaurant 15–30 €. Im Vergleich zum Festland-Spanien ist das teurer — aber die Produktion ist aufwändig und die Menge begrenzt.

Tipp

Fahren Sie die LZ-30 von Uga nach Mozaga — die Straße durchschneidet La Geria und bietet die ikonischsten Fotomotive. Am besten am späten Nachmittag, wenn die Sonne die schwarze Lava golden einfärbt. Wer nicht selbst fahren möchte: Mehrere Anbieter bieten Weintouren mit Bus ab 45 € pro Person (3–4 Bodegas, inkl. Verkostungen).

Playa de Papagayo★★★

Parkgebühr 3 € pro Auto. Strände kostenlos.

Die Playas de Papagayo im äußersten Süden Lanzarotes sind die schönsten Strände der Insel — und gehören zu den besten der gesamten Kanaren. Eine Reihe von sechs kleinen Buchten mit goldenem Sand, kristallklarem türkisem Wasser und eindrucksvollen Felsklippen bildet das Monumento Natural de los Ajaches, ein Naturschutzgebiet am Fuß des alten Ajaches-Vulkanmassivs.

Die Buchten von West nach Ost

  • Playa Mujeres: Die größte Bucht, relativ viel Platz. Guter Einstieg.
  • Playa del Pozo: Klein, geschützt, weniger besucht. Ideal zum Schnorcheln.
  • Playa de Papagayo: Die namensgebende Hauptbucht — perfekter Halbmond aus Sand, eingerahmt von hohen Klippen. DER Postkarten-Strand Lanzarotes. Es gibt ein einfaches Chiringuito (Getränke 3–5 €, Bocadillos 5–8 €).
  • Playa de la Cera: Schmaler, sehr geschützter Sandstreifen. Oft die ruhigste Bucht.
  • Playa del Congrio: Am weitesten östlich, etwas wilder. Schöne Felsformationen.
  • Caletón de San Marcial: Winzig, nur bei Ebbe zugänglich. Für Abenteurer.

Zugang: Von Playa Blanca führt eine unbefestigte Piste (3 km, jeder Mietwagen schafft das) zu einem Parkplatz. Von dort 5–15 Minuten zu Fuß je nach Bucht. Alternativ: Wassertaxi ab Playa Blanca (5 € Hin/Rück, April–Oktober). Zugangsgebühr: 3 € pro Auto (Schranke am Pisteneingang).

Tipp für den perfekten Tag: Früh kommen (vor 10 Uhr), Playa de Papagayo „sichern", Schnorchelausrüstung mitbringen. Das Wasser ist klar und fischreich. Zwischen den Buchten kann man auf dem Klippenpfad wandern — spektakuläre Ausblicke nach Afrika (bei klarer Sicht sieht man Fuerteventura und die marokkanische Küste).

Tipp

Wer das Auto meiden will: Von Playa Blanca führt ein Küstenwanderweg (ca. 45 Min.) zu den Papagayo-Stränden. Der Weg selbst ist wunderschön und man kommt an der alten Festung Castillo de las Coloradas vorbei (hübscher Fotospot). Sonnenschutz und ausreichend Wasser mitnehmen — es gibt keinen Schatten.

Arrecife — die übersehene Hauptstadt

Arrecife, 35500, Lanzarote

Arrecife ist Lanzarotes Hauptstadt und wirtschaftliches Zentrum — und wird von den meisten Touristen links liegengelassen. Das ist einerseits verständlich (die Konkurrenz auf der Insel ist groß), andererseits schade: Arrecife hat authentisches kanarisches Stadtleben, eine hübsche Uferpromenade, zwei Festungen und eine überraschend gute Restaurant-Szene.

Sehenswürdigkeiten

Charco de San Ginés: Das Herzstück der Stadt — eine natürliche Lagune, umgeben von weiß getünchten Fischerhäusern mit bunten Fensterläden. Abends, wenn sich die Laternen im stillen Wasser spiegeln, ist der Charco einer der stimmungsvollsten Orte Lanzarotes. Samstags findet hier ein kleiner Kunsthandwerkermarkt statt.

Castillo de San José: Von Manrique zum Museum für zeitgenössische Kunst (MIAC) umgestaltet, beherbergt die Festung aus dem 18. Jahrhundert Werke von Picasso, Miró, Tàpies und kanarischen Künstlern. Im Untergeschoss: das Restaurante Castillo de San José mit Glasfront zum Meer — hervorragende Küche in einzigartiger Atmosphäre (Hauptgerichte 15–25 €). Eintritt Museum: 4 €.

Castillo de San Gabriel: Kleine Festung auf einer vorgelagerten Insel, verbunden durch die Puente de las Bolas (Kugelbrücke). Hübsches archäologisches Museum (3 €), aber vor allem wegen des Spaziergangs über die Brücke sehenswert.

Strandpromenade & Playa del Reducto: Der Stadtstrand von Arrecife ist überraschend gut: 450 m feiner Sand, ruhiges Wasser, Promenade mit Cafés. Kein Vergleich mit Papagayo, aber für eine Erfrischung nach dem Stadtbummel völlig ausreichend.

Tipp

Arrecife lohnt sich besonders an einem Samstagvormittag: Markt am Charco de San Ginés, Bummel durch die Fußgängerzone Calle León y Castillo, Mittagessen im Castillo de San José. Plant 3–4 Stunden ein.

Teguise & der Sonntagsmarkt★★

Teguise, 35530, Lanzarote
Sonntagsmarkt: 9–14 Uhr. Castillo: täglich 10–16 Uhr.
Markt: kostenlos. Castillo de Santa Bárbara: 3 €.

Teguise war über 450 Jahre lang Lanzarotes Hauptstadt (1418–1852), bevor Arrecife diese Rolle übernahm. Das Städtchen im Inselinneren hat sein historisches Gesicht bewahrt: gepflasterte Gassen, herrschaftliche Häuser aus dem 16.–18. Jahrhundert, eine große Kirche (Iglesia de Nuestra Señora de Guadalupe) und eine Ruhe unter der Woche, die fast unwirklich wirkt.

Der Sonntagsmarkt

Jeden Sonntag von 9 bis 14 Uhr verwandelt sich Teguise in den größten Markt der Kanaren. Über 400 Stände füllen die Gassen und Plätze: kanarisches Kunsthandwerk, Keramik, Lederwaren, Aloe-Vera-Produkte, Käse, Mojo-Saucen, Schmuck, Vintage-Kleidung. Dazu Live-Musik auf mehreren Plätzen — von kanarischer Folklore (Timple-Gitarre!) bis zu Straßenkünstlern.

Ehrlich gesagt: Der Markt ist touristisch und kann an Spitzentagen (Dezember–Februar, Ostern) erschlagend voll werden. Trotzdem lohnt er sich, weil das Setting — der historische Ort, die Architektur, die Atmosphäre — einzigartig ist. Wer Souvenirs sucht, findet hier die größte Auswahl der Insel.

Tipps für den Marktbesuch:

  • Früh kommen (9–10 Uhr): Weniger Gedränge, bessere Stände-Auswahl, Parkplätze noch frei.
  • Die Seitenstraßen erkunden: Die Hauptachse ist am vollsten, die Nebenstraßen haben oft die interessanteren Stände.
  • Handeln ist akzeptiert, aber nicht bei Lebensmitteln.
  • Parken: Kostenlose Parkplätze am Ortsrand, ca. 10 Min. Fußweg. Innerorts: keine Chance.

Castillo de Santa Bárbara

Die Festung auf dem Vulkankegel Guanapay (452 m) oberhalb von Teguise beherbergt ein kleines Museum zur Piratengeschichte Lanzarotes. Wichtiger als das Museum ist die Aussicht: 360°-Panorama über die gesamte Insel. Eintritt: 3 €.

Tipp

Unter der Woche ist Teguise ein völlig anderer Ort — still, verlassen, atmosphärisch. Die Palacio del Marqués (heute Kulturzentrum, kostenlos) und die Iglesia de Guadalupe lassen sich dann in Ruhe besichtigen. Kombination mit dem nahen Jardín de Cactus (10 km) bietet sich an.

La Graciosa — die achte Insel★★★

Fähre Hin/Rück: 25 € (Erw.), 12 € (Kinder). Fahrrad: ab 10 €/Tag.

La Graciosa ist seit 2018 offiziell die achte bewohnte Kanareninsel — und die kleinste, mit nur 29 km² und rund 750 Einwohnern. Sie liegt nördlich von Lanzarote, getrennt durch die 1 km breite Meerenge El Río, und ist der Inbegriff von Entschleunigung: Es gibt keine asphaltierten Straßen, keine Hotels (nur Apartmentvermietung), keine Autos (außer ein paar Jeeps und Lieferwagen), keine Hektik. Sandpisten, Fischerboote, eine Handvoll Restaurants und die schönsten Strände der Kanaren — das ist La Graciosa.

Anreise

Die Fähre ab Órzola (Nordspitze Lanzarotes) fährt mehrmals täglich und braucht nur 25 Minuten. Betreiber: Líneas Romero. Hin/Rück: Erwachsene 25 €, Kinder (3–11) 12 €. In der Hochsaison und an Wochenenden unbedingt vorbuchen! Man kann auch Fahrräder mitnehmen (5 € Aufpreis) oder auf der Insel leihen (ab 10 €/Tag).

Caleta de Sebo

Der einzige „Ort" auf La Graciosa: ein Fischerdorf mit sandigen Straßen, ein paar Pensionen, Restaurants und Minimärkten. Hier landen die Fähren. Die Atmosphäre erinnert an ein Karibikinsel-Dorf — nur kälter und windiger. Vom Dorf aus starten alle Erkundungen.

Die Strände

  • Playa de las Conchas: DER Traumstrand. 600 m goldfarbener Sand, türkises Wasser, der Roque del Oeste (Felsinsel) als Kulisse. Liegt im Norden der Insel, ca. 1,5 Stunden zu Fuß von Caleta de Sebo (oder 30 Min. per Leihrad/Jeep-Taxi). Achtung: Starke Strömung — nur bei ruhigem Meer zum Baden geeignet!
  • Playa de la Cocina: Kleinere Bucht an der Westseite, geschützter, grünliches Wasser, von der Montaña Amarilla überragt. Besser zum Schwimmen als Las Conchas.
  • Playa Francesa: Direkt südlich von Caleta de Sebo, 15 Min. zu Fuß. Ruhiges Wasser, flach, familienfreundlich. Der bequemste Strand.
  • Playa del Salado: Noch näher am Ort, eher zum Sonnenbaden.

Aktivitäten

Fahrrad: Die beste Art, die Insel zu erkunden. Flat bis auf einige Sandpassagen. Leihräder in Caleta de Sebo: ab 10 €/Tag (normales Rad), 20 €/Tag (E-Bike).

Wandern: Zum Montaña Bermeja (157 m, höchster Punkt, tolle Aussicht, 2 Std. Hin/Rück) oder entlang der Küste nach Playa de las Conchas (3 Std. Rundweg).

Jeep-Taxi: Für Strandhopper — ab 8 € pro Person zu den entfernten Stränden.

Tipp

La Graciosa als Tagesausflug ist machbar (Fähre 9:00 ab Órzola, letzte Rückfahrt ca. 18:00), aber wer es richtig genießen will, bleibt eine Nacht. Die Sonnenuntergänge am Playa de la Cocina — mit Blick auf die Montaña Amarilla — gehören zu den schönsten der Kanaren. Apartments ab 50 €/Nacht, aber in der Hochsaison schnell ausgebucht.

Weitere Highlights

Lanzarote hat neben den großen Attraktionen noch einige Orte und Erlebnisse, die einen Abstecher verdienen — besonders wenn man mehr als eine Woche auf der Insel verbringt.

Jardín de Cactus★★

Calle de los Aljibes, s/n, 35542 Guatiza
Täglich 10–17:45 Uhr.
Erwachsene 6,50 €, Kinder (7–12) 3,25 €. Kombikarte 6 Zentren: 35 €.

César Manriques letztes großes Werk (vollendet 1990): ein Kakteengarten mit über 4.500 Exemplaren aus 450 Arten, angelegt in einem ehemaligen Steinbruch (Rofera). Die terrassenförmige Anlage, die alte Windmühle darüber und die sorgfältige Komposition aus Vulkangestein und Kakteen machen den Garten zu einem der fotogensten Orte der Insel. Klein, aber intensiv — 30–45 Minuten reichen. Das Café ist Manrique-typisch elegant.

Cueva de los Verdes★★

LZ-204, 35520 Haría
Täglich 10–17 Uhr (letzte Tour 16 Uhr).
Erwachsene 10 €, Kinder (7–12) 5 €. Kombikarte 6 Zentren: 35 €.

Ein unterirdischer Lavatunnel, der sich über 6 km vom Vulkan Monte Corona bis ins Meer erstreckt — einer der längsten der Welt. Der begehbare Abschnitt (ca. 1 km, 50 Min. geführte Tour) führt durch atemberaubende Höhlenformationen, die von Manrique subtil beleuchtet wurden. Am Ende wartet eine optische Überraschung, die hier nicht verraten wird — sie ist ein Manrique-typischer Geniestreich.

Die Cueva de los Verdes und die Jameos del Agua sind Teile desselben Lavatunnels — sie zu kombinieren zeigt den Kontrast zwischen „Natur pur" (Cueva) und „Manrique-Kunst" (Jameos).

El Golfo & der grüne See★★

An der Westküste, am Rande des Timanfaya-Gebiets, liegt das kleine Fischerdorf El Golfo — und unmittelbar südlich davon einer der fotogensten Orte Lanzarotes: der Lago Verde (Charco de los Clicos). Ein smaragdgrüner Kratersee, eingerahmt von einer halbversunkenen schwarzen Kraterwand und einem schwarzen Lavastrand. Die grüne Farbe stammt von einer Alge (Ruppia maritima), die in dem salzigen, isolierten Gewässer gedeiht.

Der See ist nicht zugänglich (Naturschutzgebiet), aber vom Aussichtspunkt oberhalb hat man den ikonischen Blick. Anschließend: Fisch essen im Dorf — die drei Restaurants am Meer (Casa Torano, El Bogavante, La Cocina de Colacho) servieren den frischesten Fisch der Insel (12–22 € pro Gericht).

Salinas de Janubio

Die größten Meersalzsalinen der Kanaren liegen an der Südwestküste und bieten besonders bei Nachmittagslicht ein faszinierendes Farbenspiel: Rosa, Weiß und Blau in geometrischen Becken vor schwarzer Lava. Die Salzproduktion geht auf das 19. Jahrhundert zurück und wird heute noch betrieben — das „Flor de Sal" (Salzblume) wird als Gourmetprodukt verkauft (ab 4 € pro Glas). Ein Aussichtspunkt an der LZ-703 bietet den besten Blick. Kein Eintritt.

Essen & Wein auf Lanzarote€€

Lanzarotes Küche verbindet kanarische Tradition mit vulkanischer Identität — die Insel hat eine eigene kulinarische Handschrift, die sie von den anderen Kanaren unterscheidet. Die Kombination aus einzigartigen Weinen, fangfrischem Fisch und Gerichten, die seit Jahrhunderten in derselben Form zubereitet werden, macht das Essen hier zu einem echten Erlebnis.

Spezialitäten Lanzarotes

  • Papas Arrugadas con Mojo: Wie auf allen Kanaren das Grundgericht — Runzelkartoffeln mit rotem (scharf) und grünem (mild) Mojo. Auf Lanzarote besonders beliebt: Mojo de queso (Käse-Mojo, eine cremige Variante mit Ziegenkäse).
  • Caldo de Millo: Maissuppe mit Gemüse und Speck — ein traditionelles Bauerngericht, das auf Lanzarote noch in vielen Dorfrestaurants serviert wird. Deftig und wärmend.
  • Pescado a la Lanzaroteña: Frischer Fisch (oft Vieja/Papageienfisch oder Cherne/Wrackbarsch) in einer Sauce aus Tomaten, Paprika, Zwiebeln und Weißwein. Simple Zubereitung, hervorragender Geschmack.
  • Pulpo frito: Gebratener Oktopus — knusprig außen, zart innen. In den Fischrestaurants von El Golfo und Órzola besonders gut.
  • Gofio-Desserts: Mousse de Gofio (geröstetes Mehl als süße Creme, oft mit Honig und Mandeln) ist die typische Nachspeise.

Wein-Empfehlungen

Die Malvasía Volcánica ist der Star, aber probieren Sie auch:

  • Malvasía Seco (trocken): Mineralisch, fruchtig, perfekt zu Fisch. Top-Produzenten: El Grifo, Bermejo, Stratvs.
  • Malvasía Semi-Dulce: Halbtrocken bis lieblich, ideal als Aperitif oder zu Desserts. Rubicón und La Geria machen hervorragende.
  • Listán Negro (Rotwein): Leicht, fruchtig, kaum Tannin — kein großer Rotwein, aber ein ehrlicher Begleiter zu Fleischgerichten. Am besten leicht gekühlt.
  • Diego (weiß): Seltene Rebsorte, grasig-frisch, nur wenige Bodegas produzieren sortenrein. Geheimtipp.

Preis-Orientierung: Glas Wein im Restaurant 3–5 €, Flasche 15–25 €. In der Bodega ab 8 € pro Flasche.

Restaurant-Empfehlungen

  • La Tegala (Mácher): Das Fine-Dining-Restaurant Lanzarotes. Kreative kanarische Küche, Degustationsmenü ab 65 €. Reservierung Pflicht.
  • El Risco (Famara): Direkt an der Steilküste von Famara, spektakuläre Lage. Fisch und Meeresfrüchte, 15–25 € pro Gericht.
  • Casa Torano (El Golfo): Fangfrischer Fisch mit Meerblick. Die Paella de Marisco (für 2 Pers., ca. 30 €) ist legendär.
  • Restaurante Castillo de San José (Arrecife): Manrique-Design trifft gehobene Küche. Glasfront zum Meer. 20–30 € Hauptgericht.
  • La Bodega de Santiago (Yaiza): Rustikale Bodega-Atmosphäre, gute Fleischgerichte, lokale Weine. 12–20 €.
  • Chiringuito am Playa de Famara: Für den entspannten Surfer-Lunch. Frischer Fisch, Papas Arrugadas, Bier. Ab 10 €.

Tipp

Die beste kulinarische Erfahrung auf Lanzarote: Kaufen Sie auf dem Sonntagsmarkt in Teguise eine Flasche Malvasía und Majorero-Käse, fahren Sie zu einem Aussichtspunkt (Mirador de Haría eignet sich perfekt) und picknicken Sie mit Blick über die Vulkanlandschaft. Einfacher, besser und günstiger als jedes Restaurant.

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