Mértola★★
Mértola ist die erstaunlichste Kleinstadt des Alentejo — und eine der am meisten unterschätzten Sehenswürdigkeiten Portugals überhaupt. Auf einem Felsvorsprung über dem Zusammenfluss von Rio Guadiana und Ribeira de Oeiras gelegen, ist Mértola ein lebendes Museum: Die gesamte Altstadt ist als archäologisches Freilichtmuseum (Vila Museu) klassifiziert, mit Ausgrabungsstätten, die von der Römerzeit über die islamische Periode bis ins Mittelalter reichen.
Das Herzstück ist die Igreja Matriz — eine Kirche, die eigentlich eine Moschee ist. Als einzige in Portugal noch erkennbare ehemalige Moschee (erbaut im 12. Jahrhundert) wurde sie nach der Reconquista in eine christliche Kirche umgewandelt, aber die islamische Architektur ist unübersehbar: der Mihrab (Gebetsnische) in der Wand, die Hufeisenbögen, der quadratische Grundriss. Ein faszinierendes Zeugnis der 500-jährigen islamischen Präsenz in Portugal.
Das Castelo aus dem 13. Jahrhundert thront über allem und bietet einen spektakulären Blick über den Guadiana, der sich silbern durch die grüne Landschaft schlängelt. Im Burginneren ein kleines archäologisches Museum mit römischen und islamischen Funden.
Mértola liegt im Parque Natural do Vale do Guadiana — einer der wildesten und am dünnsten besiedelten Regionen Portugals. Der Guadiana-Fluss schlängelt sich hier durch eine raue Schluchtlandschaft, die im Frühling (März–Mai) in einem Meer aus Wildblumen explodiert. Die Region ist einer der letzten Rückzugsorte des Iberischen Luchses in Portugal — seit 2015 werden hier im Rahmen eines Wiederansiedlungsprogramms Luchse ausgesetzt.
Praktischer Hinweis: Mértola liegt abgelegen — 130 km südöstlich von Évora, 80 km nördlich der Algarve. Es gibt keine Zugverbindung. Man braucht ein Auto und sollte mindestens einen halben Tag einplanen. Wer übernachtet (z.B. in der Casa de Mértola, ab 55€/Nacht), wird mit magischem Abendlicht über dem Guadiana belohnt.
💡 Tipp
Mértola veranstaltet alle zwei Jahre (ungerade Jahre) das Festival Islâmico — ein großes Festival, das die islamische Vergangenheit der Stadt feiert, mit Musik, Essen, Kunsthandwerk und arabischer Kalligraphie aus dem gesamten Mittelmeerraum. Etwa 30.000 Besucher kommen — für eine Stadt mit 7.000 Einwohnern bemerkenswert.