Religion & Aberglaube
Die Dominikanische Republik ist offiziell katholisch — etwa 60% der Bevölkerung bekennen sich zur römisch-katholischen Kirche. Evangelikale und pfingstliche Gemeinden wachsen jedoch rasant und machen inzwischen geschätzt 20–25% aus. Der Rest verteilt sich auf andere christliche Denominationen und Nichtreligiöse.
Unter der Oberfläche des Christentums existiert eine Schicht von volksreligiösen Praktiken, die auf afrikanische und Taíno-Wurzeln zurückgehen. Die dominikanische Variante heißt Vudú dominicano (nicht zu verwechseln mit dem haitianischen Voodoo, obwohl es Überschneidungen gibt) und zeigt sich in:
- Botanicas: Läden, die Kerzen, Kräuter, Heiligenfiguren, Amulette und „Limpias" (rituelle Reinigungen) verkaufen. In jeder Stadt zu finden
- Gagá: Afro-dominikanische Prozessionen zur Osterzeit (Semana Santa), besonders in den Bateyes (Zuckerrohr-Siedlungen). Trommeln, Tanz, Kostüme — eine Mischung aus Karneval und religiösem Ritual
- Los Misterios/21 Divisiones: Ein System von Geistern (Lwa), die katholischen Heiligen zugeordnet werden. Der Erzengel Michael, die Jungfrau von Altagracia und San Santiago sind besonders verehrt
- Mal de Ojo (böser Blick): Weitverbreiteter Glaube, dass Neid den Blick vergiften kann — besonders bei Babys. Blaue Perlen und Azabache-Armbänder schützen dagegen
Die Virgen de la Altagracia (Jungfrau der höchsten Gnade) ist die Schutzpatronin des Landes. Ihr Heiligtum in Higüey (nahe Punta Cana) ist der wichtigste Wallfahrtsort — am 21. Januar (Día de la Altagracia) pilgern Hunderttausende dorthin. Die moderne Basilika (1972) mit ihrer geschwungenen Betonform ist architektonisch bemerkenswert.