Côte d'Azur
Nizza (Nice)
Nizza ist die heimliche Hauptstadt der Côte d'Azur — und seit 2021 UNESCO-Welterbe als „Winterkurort der Riviera". Die fünftgrößte Stadt Frankreichs (340.000 Einwohner) vereint italienisches Flair, französische Grandeur und provenzalische Lässigkeit wie kein anderer Ort an der Küste. Hier verschmelzen die ockerfarbenen Fassaden der Altstadt mit den Belle-Époque-Hotels der Promenade, die Märkte mit den Museen, das Meer mit den Bergen.
Nizza wurde erst 1860 französisch — zuvor gehörte die Stadt zum Königreich Sardinien. Diese italienische Vergangenheit spürt man überall: in der Küche (Socca, Pissaladière, Salade Niçoise), in der Architektur, in der Sprache. Die Nizzarden sprechen noch immer ihren eigenen Dialekt, Nissart, eine Mischung aus Okzitanisch und Italienisch.
Plane mindestens 3 volle Tage für Nizza ein — einen für die Altstadt und den Schlossberg, einen für die Museen, einen für die Promenade und das Viertel Cimiez. Von Nizza aus erreichst du die gesamte Riviera bequem per Zug oder Bus.
Tipp
Der beste Nizza-Hack: Kaufe den French Riviera Pass (26€/24h, 38€/48h, 56€/72h). Er inkludiert über 30 Museen und Attraktionen, eine Stadtrundfahrt und den Flughafenbus. Lohnt sich ab 2 Museen pro Tag.
Vieux Nice (Altstadt)★★★
Die Altstadt von Nizza (Vieux Nice) ist ein Labyrinth aus engen Gassen, ockerfarbenen Barockfassaden, flatternder Wäsche und versteckten Plätzen. Zwischen dem Schlosshügel und dem Place Masséna gelegen, ist sie das pulsierende Herz der Stadt — hier wird gelebt, gekocht, gefeiert und gefeilscht.
Cours Saleya — der berühmteste Markt der Côte d'Azur. Dienstag bis Sonntag Blumenmarkt (seit 1897), montags Antiquitäten- und Trödelmarkt. Morgens um 7 Uhr aufbauen, bis 13:30 Uhr Hochbetrieb. Lavendelsäckchen (3€), Seife aus Grasse (5€), Oliven (8€/kg), frische Socca direkt vom Stand (3€ die Portion).
Cathédrale Sainte-Réparate — Nizzas barocke Kathedrale am Place Rossetti, nach einer christlichen Märtyrerin aus dem 3. Jahrhundert benannt. Prachtvolle Innenausstattung mit vergoldeten Stuckarbeiten und einem Glockenturm mit glasierten Ziegeln. Daneben das beste Eis der Stadt bei Fenocchio (72 Sorten, 2,50€ pro Kugel).
Place Garibaldi — der architektonisch einheitlichste Platz Nizzas im piemontesischen Stil (1773–1790). Benannt nach dem Freiheitskämpfer Giuseppe Garibaldi, der hier 1807 geboren wurde. Heute umgeben von Cafés und Restaurants — besonders abends atmosphärisch.
Schlossberg (Colline du Château) — der 93 m hohe Hügel östlich der Altstadt bietet den schönsten Panoramablick über Nizza, den Hafen, die Baie des Anges und bei klarer Sicht bis zum Cap d'Antibes. Die Burg wurde 1706 von Ludwig XIV. zerstört, aber der Park mit seinem künstlichen Wasserfall ist wunderschön. Aufstieg über 213 Stufen (15 Min.) oder per kostenlosem Aufzug am Tour Bellanda.
Park: frei, täglich 8–20 Uhr (Sommer bis 21 Uhr). Aufzug: frei, 9–19 Uhr (Sommer bis 20 Uhr).
Tipp
Iss Socca nur bei Chez Thérésa auf dem Cours Saleya (seit 1920) oder bei Chez Pipo in der Rue Bavastro. Socca ist ein knuspriger Kichererbsenfladen, frisch aus dem Holzofen — das Nationalgericht Nizzas. Immer direkt vom Blech essen, dazu ein Glas Rosé.
Promenade des Anglais★★★
Die Promenade des Anglais ist die berühmteste Flaniermeile der Welt — 7 km geschwungener Bürgersteig entlang der Baie des Anges, gesäumt von Palmen, Belle-Époque-Hotels und azurblauem Mittelmeer. 1822 von der englischen Kolonie finanziert (daher der Name), war sie der Winterspaziergang der europäischen Aristokratie.
Das Hôtel Negresco (1913) ist das Wahrzeichen der Promenade — ein Belle-Époque-Palast mit rosafarbener Kuppel, entworfen vom niederländischen Architekten Édouard-Jean Niermans. Die Lobby mit ihrem Baccarat-Kristallleuchter (16.309 Kristalle, 1860 für den Zaren gefertigt) ist frei zugänglich. Ein Drink in der Bar Le Relais kostet ab 14€ — teuer, aber für das Ambiente lohnenswert.
Der Strand der Promenade besteht aus Kieselsteinen, nicht Sand — bequeme Schuhe oder Badeschuhe sind empfehlenswert. Öffentliche Abschnitte sind kostenlos, private Strandclubs (Beau Rivage, Castel, Blue Beach) verlangen 22–35€ für Liege und Sonnenschirm, bieten dafür Matratzen, Service und Restaurants.
Die Promenade ist ideal zum Joggen, Radfahren oder Inlineskaten — der abgetrennte Radweg verläuft über die gesamte Länge. Fahrradverleih „Vélo Bleu" an zahlreichen Stationen (1€/30 Min.).
Tipp
Für das perfekte Foto: Stell dich bei Sonnenuntergang auf die Terrasse des Schlosshügels (Belvedere-Plattform). Von dort überblickst du die gesamte Promenade im goldenen Licht — mit den Alpen im Hintergrund. Kostenlos und atemberaubend.
Museen in Nizza
Musée Matisse
Im noblen Viertel Cimiez, in einer genuesischen Villa aus dem 17. Jahrhundert. Henri Matisse lebte von 1917 bis zu seinem Tod 1954 in Nizza — dieses Museum zeigt sein gesamtes Schaffen: von den frühen Stillleben über die Fauvismus-Periode bis zu den späten Scherenschnitten. 68 Gemälde, 236 Zeichnungen, 218 Drucke, 57 Skulpturen. Der Garten mit Blick auf die Ruinen der römischen Arena ist allein einen Besuch wert.
Frei (seit 2015 alle städtischen Museen Nizzas). Mi–Mo 10–18 Uhr, Di geschlossen. Bus 15, 17, 20, 25 bis Arènes/Musée Matisse.
Musée Marc Chagall
Das weltweit bedeutendste Museum für Marc Chagalls Werk — vom Künstler selbst 1973 eingeweiht. 17 monumentale Gemälde der „Biblischen Botschaft" in speziell dafür entworfenen Räumen. Die leuchtenden Farben und traumhaften Szenen entfalten im natürlichen Licht des Gebäudes ihre volle Wirkung. Im Konzertsaal drei Buntglasfenster über die Schöpfung.
8€ (ermäßigt 6€), unter 26 frei. Mi–Mo 10–18 Uhr (Nov–April bis 17 Uhr). Bus 15 bis Musée Chagall.
MAMAC (Museum für Moderne und Zeitgenössische Kunst)
Am Place Yves Klein: vier miteinander verbundene Türme zeigen Werke des Nouveau Réalisme (Yves Klein, Niki de Saint Phalle, César), Pop Art und zeitgenössische Installationen. Die Dachterrasse bietet einen spektakulären Blick über die Altstadt bis zum Meer.
Frei. Di–So 10–18 Uhr.
Musée Masséna
In einer prachtvollen Belle-Époque-Villa direkt an der Promenade: die Geschichte Nizzas und der Riviera von 1792 bis 1939. Napoleon-Memorabilien, historische Fotografien, Kostüme und das opulente Interieur einer Aristokratenvilla. Der Garten mit Palmen und Rosen ist frei zugänglich.
Frei. Mi–Mo 10–18 Uhr.
Tipp
Nizzas städtische Museen sind alle kostenlos — nutze das aus! An einem Regentag schaffst du Matisse, Chagall und MAMAC. Nur Chagall (Nationalmuseum) kostet 8€, aber selbst das ist ein Schnäppchen für eines der wichtigsten Museen Südfrankreichs.
Cannes & Filmfestival★★
Cannes (75.000 Einwohner) lebt vom Glamour — und liefert ihn zuverlässig. Die Croisette, Cannes' legendäre Strandpromenade, ist 2 km Luxus pur: Palmen, Designer-Boutiquen (Chanel, Dior, Louis Vuitton), Fünf-Sterne-Hotels (Carlton, Martinez, Majestic) und die teuersten Strandclubs der Riviera. Doch Cannes hat mehr zu bieten als rote Teppiche und Superyachten.
Das Festival de Cannes (Mai, 12 Tage) ist das prestigeträchtigste Filmfestival der Welt. Die Goldene Palme wurde an Filme wie „Pulp Fiction", „Das Piano" und „Parasite" vergeben. Während des Festivals ist die Stadt in Aufruhr — Premieren im Palais des Festivals, Stars auf der Croisette, Open-Air-Kino am Strand (Cinéma de la Plage, kostenlos). Hotels kosten dann das Dreifache, aber die Atmosphäre ist elektrisch.
Le Suquet — Cannes' malerische Altstadt auf dem Hügel über dem alten Hafen. Enge Gassen, provenzalische Restaurants, der Glockenturm der Kirche Notre-Dame d'Espérance (1648) und vom Turm des Musée de la Castre ein 360°-Panorama über die Bucht, die Lérins-Inseln und das Esterel-Massiv. Hier fühlt sich Cannes noch authentisch an.
Die Îles de Lérins — zwei Inseln, 15 Minuten per Fähre. Île Sainte-Marguerite: Pinienwälder, Wanderwege, kristallklares Wasser und das Fort Royal, in dem der „Mann mit der eisernen Maske" eingekerkert war. Île Saint-Honorat: ein funktionierendes Zisterzienserkloster aus dem 5. Jahrhundert, das heute eigenen Wein produziert (Verkostung 8€, 7 Weine). Ein perfekter Halbtagesausflug.
Fähre Îles de Lérins: Trans Côte d'Azur, Hin- und Rückfahrt 16€ (Ste-Marguerite) bzw. 17,50€ (St-Honorat). Abfahrt alle 30–60 Min. ab Quai Laubeuf.
Tipp
Cannes außerhalb des Festivals (Juni–September) ist überraschend entspannt und günstiger. Die öffentlichen Strände östlich der Croisette (Plage du Midi, Plage de la Bocca) sind kostenlos und weniger überlaufen als die privaten Abschnitte. Das beste Preis-Leistungs-Verhältnis zum Essen findest du im Marché Forville (Di–So 7–13 Uhr).
Monaco & Monte Carlo★★★
Monaco — der zweitkleinste Staat der Welt (2,02 km²) ist ein surreales Erlebnis. 39.000 Einwohner, davon nur 9.000 Monegassen, dafür die höchste Millionärsdichte der Welt. Hier parken Bugattis neben Ferraris, Superyachten reihen sich im Hafen auf, und das Casino de Monte-Carlo sieht aus wie ein Opernhaus — weil es vom selben Architekten (Charles Garnier) gebaut wurde.
Der Fürstenpalast auf dem Rocher (dem Felsen) thront 60 m über dem Meer. Jeden Tag um 11:55 Uhr findet die Wachablösung statt — pünktlich, feierlich und kostenlos. Die Staatsgemächer sind von April bis Oktober zugänglich (10€). Die Kathedrale nebenan beherbergt die Gräber von Fürst Rainier III. und Grace Kelly — stets mit frischen Blumen geschmückt.
Das Casino de Monte-Carlo (1863) ist das berühmteste Spielcasino der Welt. Der Eintritt in die Spielsäle (ab 14 Uhr) kostet 17€ — allein die Innenausstattung (Jugendstil-Glasfenster, vergoldete Decken, Onyx-Säulen) lohnt den Besuch. Spielen kann man ab 5€ am Automaten, Roulette ab 10€ Mindesteinsatz. Dresscode: keine Shorts, keine Flip-Flops, kein Tank-Top. Ausweis Pflicht, Mindestalter 18.
Das Ozeanographische Museum (1910) — von Fürst Albert I. gegründet, einem leidenschaftlichen Ozeanographen. Direkt in den Felsen gebaut, mit einem spektakulären Aquarium (6.000 Exemplare, 450 Arten), Haibecken und einer Dachterrasse mit Panoramablick. Jacques-Yves Cousteau leitete das Museum 30 Jahre lang.
Der Grand Prix von Monaco (letztes Maiwochenende) verwandelt die Straßen der Stadt in eine Formel-1-Rennstrecke — die engste und gefährlichste des Kalenders. Tribünentickets ab 130€, die meisten Streckenabschnitte sind aber von öffentlichen Stellen einsehbar. Außerhalb des Rennens kann man die Strecke zu Fuß ablaufen.
Tipp
Monaco ist ein teurer Tagesausflug, aber erstaunlich viel ist kostenlos: Wachablösung, Kathedrale, Japanischer Garten, Jardin Exotique (Aussichtspunkt), die Strecke des Grand Prix ablaufen. Iss vorher in Nizza oder Menton — ein Sandwich in Monaco kostet leicht 15€. Der Zug von Nizza nach Monaco-Monte Carlo dauert nur 20 Minuten (4,30€) und bietet spektakuläre Küstenblicke.
Saint-Tropez★★
Saint-Tropez war bis in die 1950er-Jahre ein verschlafenes Fischerdorf — dann kam Brigitte Bardot. Der Film „Und immer lockt das Weib" (1956) machte den Ort über Nacht zum Inbegriff von Jetset und Bohème. Heute ist „Saint-Trop'" eine bizarre Mischung aus provenzalischem Dorfcharme und absurdem Luxus: Fischerboote neben 50-Meter-Yachten, Boulespielende Rentner neben Instagram-Influencern.
Der Vieux Port (Alter Hafen) ist das Herz des Geschehens — die pastellfarbenen Häuser spiegeln sich im Wasser, in den Cafés am Quai Jean Jaurès kostet ein Espresso 5€ und das Sehen-und-Gesehen-Werden ist Programm. Morgens legen hier noch echte Fischer an und verkaufen ihren Fang direkt vom Boot.
Das Musée de l'Annonciade ist eine Überraschung: In einer ehemaligen Kapelle am Hafen hängen Werke von Signac, Bonnard, Matisse, Braque und Dufy — alle in Saint-Tropez gemalt. Paul Signac entdeckte den Ort 1892 und lud seine Künstlerfreunde ein. Die Sammlung ist klein, aber exquisit.
Die Citadelle (1602) auf dem Hügel über der Stadt beherbergt ein Marinmuseum und bietet den besten Blick über die Bucht, die Dächer von Saint-Tropez und das Massif des Maures. Der Garten mit Pfauen ist frei zugänglich.
Abseits des Trubels: der Sentier du Littoral — ein Küstenwanderweg, der von der Plage des Graniers bis zum Cap Camarat führt. Wilde Buchten, Pinienwälder, türkises Wasser — das ursprüngliche Saint-Tropez.
Musée de l'Annonciade: 8€. Di–So 10–13 Uhr und 14–18 Uhr. Citadelle: 4€, täglich 10–18:30 Uhr (Winter bis 17:30).
Tipp
Saint-Tropez hat keinen Bahnanschluss! Anreise per Bus von Toulon (ca. 2 Std., 3€ mit Zou!-Bus) oder per Fähre von Sainte-Maxime (15 Min., 8€ einfach, Bateaux Verts). Im Sommer (Juli/August) ist die Zufahrt über die einzige Straße oft verstopft — rechne mit 1–2 Stunden Stau. Am besten früh morgens oder per Boot anreisen.
Antibes & Cap d'Antibes★★
Antibes (75.000 Einwohner) ist das bestgehütete Geheimnis der Côte d'Azur — oder war es zumindest. Zwischen Cannes und Nizza gelegen, hat Antibes eine vollständig erhaltene Altstadt mit Festungsmauern aus dem 16. Jahrhundert, einen der größten Yachthäfen Europas (Port Vauban, 1.642 Plätze, Superyachten bis 165 m) und mit dem Cap d'Antibes eine der exklusivsten Halbinseln des Mittelmeerraums.
Das Musée Picasso im Château Grimaldi ist einzigartig: Pablo Picasso nutzte das Schloss 1946 als Atelier und hinterließ 23 Gemälde und 44 Zeichnungen als Dank. „La Joie de Vivre", „Ulysse et les Sirènes" und die fröhlichen Faune und Zentauren — hier spürt man die mediterrane Lebensfreude, die Picasso an der Riviera fand. Die Dachterrasse mit Blick über die Bucht ist magisch.
Der Marché Provençal (Cours Masséna) ist einer der schönsten Märkte der Region — überdacht, täglich außer Montag, 6–13 Uhr. Frisches Obst, Käse, Oliven, Tapenade, Lavendelseife, Socca. Weniger touristisch als der Cours Saleya in Nizza, bessere Preise.
Cap d'Antibes — die Halbinsel südlich der Altstadt ist ein Paradies für Spaziergänger. Der Sentier du Littoral (Küstenweg, ca. 2 Stunden, 3,7 km) führt um die gesamte Südspitze des Kaps: spektakuläre Klippen, Pinienwälder, versteckte Badebuchten und Blicke auf die Îles de Lérins. Am höchsten Punkt steht der Phare de la Garoupe (Leuchtturm) mit Panoramablick und einer Marienkapelle, an der Fischer seit Jahrhunderten Votivgaben hinterlassen.
Der Jardin Thuret — ein botanischer Garten auf dem Cap (1857 angelegt), 3,5 Hektar mit über 3.000 exotischen Pflanzen. Kostenlos und kaum besucht.
Musée Picasso: 8€ (ermäßigt 5€). Di–So 10–13 Uhr und 14–18 Uhr (Sommer durchgehend bis 18 Uhr). Jardin Thuret: frei, Mo–Fr 8–17:30 Uhr.
Tipp
Die Plage de la Garoupe auf dem Cap d'Antibes ist einer der schönsten Sandstrände der gesamten Côte d'Azur — feiner Sand, türkises Wasser, Pinienbäume. Der öffentliche Abschnitt ist kostenlos. Vom Stadtzentrum Antibes in 20 Min. zu Fuß oder per Shuttle-Bus (1,50€).
Èze & Corniche-Straßen★★★
Èze ist ein mittelalterliches Adlernest — ein winziges Dorf (2.500 Einwohner), das sich in 427 m Höhe an einen steilen Felsen klammert und einen atemraubenden Blick über die gesamte Riviera bietet. An klaren Tagen sieht man von hier bis Korsika. Die engen Gassen sind autofrei, die steinernen Häuser beherbergen Kunstgalerien, Parfümerien und kleine Hotels. Èze ist touristisch, aber zu Recht — die Atmosphäre ist einzigartig.
Der Jardin Exotique auf den Ruinen der mittelalterlichen Burg ist das Highlight: Kakteen und Sukkulenten aus aller Welt, arrangiert zwischen den Mauerresten, mit dem vielleicht spektakulärsten Panorama der gesamten Côte d'Azur. Friedrich Nietzsche soll den dritten Teil von „Also sprach Zarathustra" auf dem Weg nach Èze erdacht haben — der Wanderweg von Èze-sur-Mer hinauf heißt heute Sentier Nietzsche (ca. 45 Min., steil aber lohnend).
Die Parfümerie Fragonard in Èze bietet kostenlose Führungen durch die Produktion — von der Blüte zum Parfüm. Im Shop Düfte ab 25€, Seifen ab 5€. Gegründet 1926 in Grasse, ist Fragonard eines der letzten unabhängigen Parfümhäuser Frankreichs.
Die drei Corniches
Die berühmtesten Küstenstraßen Europas verbinden Nizza mit Monaco/Menton auf drei verschiedenen Höhen:
Grande Corniche (D2564) — die höchste Route (bis 520 m), von Napoleon auf der Trasse der alten Via Julia Augusta angelegt. Spektakuläre Ausblicke, wenig Verkehr. Hier wurde die Verfolgungsjagd in „Über den Dächern von Nizza" (1955, Hitchcock) gedreht. Grace Kelly starb 1982 tragisch auf dieser Straße.
Moyenne Corniche (D6007) — die mittlere Route führt durch Èze Village. Die ausgewogenste Mischung aus Panorama und Fahrkomfort.
Basse Corniche (D6098) — direkt am Meer entlang durch Villefranche-sur-Mer, Beaulieu-sur-Mer und Cap-Ferrat. Am schönsten für entspanntes Cruisen und Badestopps.
Jardin Exotique Èze: 7€ (Erwachsene), 3,50€ (Kinder). Täglich 9–18:30 Uhr (Sommer bis 19:30). Fragonard: frei, täglich 9–18 Uhr.
Tipp
Die perfekte Corniche-Tour: Fahre die Grande Corniche von Nizza nach La Turbie (Augustus-Trophäe besichtigen), dann hinunter nach Èze Village (Jardin Exotique, Mittagessen), weiter die Moyenne Corniche nach Monaco (Casino, Ozeanographisches Museum) und zurück die Basse Corniche mit Stopp in Villefranche-sur-Mer (schönster Hafen der Riviera). Gesamtdauer: ein voller Tag mit eigenem Auto oder Mietwagen.
Strände der Côte d'Azur: Das Ranking
Die Côte d'Azur hat über 300 Strände auf 115 km Küste — von winzigen Felsbuchten bis zu breiten Sandstränden. Hier unser Ranking der besten, sortiert nach Strandtyp und Atmosphäre.
Die 5 besten Sandstrände
1. Plage de Pampelonne, Ramatuelle — 5 km feiner weißer Sand bei Saint-Tropez. Der berühmteste Strand der Riviera, aufgeteilt in Dutzende Strandclubs (Club 55 ab 40€ Mindestverzehr, Nikki Beach ab 50€ für Liege) und kostenlose öffentliche Abschnitte. Warmes, flaches Wasser — ideal für Familien.
2. Plage de la Garoupe, Cap d'Antibes — feiner Sand, geschützte Bucht, türkises Wasser wie in der Karibik. Halb öffentlich (kostenlos), halb privat (Joseph-Plage, ab 25€). Von Pinienbäumen umgeben.
3. Plage de Paloma, Saint-Jean-Cap-Ferrat — versteckte Bucht auf der Halbinsel der Milliardäre. Kleiner Kies/Sand-Mix, kristallklares Wasser, ein einfaches Restaurant. Erreichbar über einen 15-minütigen Fußweg vom Parkplatz.
4. Plage de l'Escalet, Ramatuelle — wilder, naturbelassener Strand mit Pinienbäumen und Felsen. Weniger überlaufen als Pampelonne, keine Strandclubs, exzellentes Schnorcheln.
5. Plage de la Gravette, Antibes — Stadtstrand direkt an der Altstadt von Antibes, geschützt durch die Festungsmauern. Feiner Sand, ruhiges Wasser, Blick auf die Alpen. Kostenlos, mit Duschen.
Die 3 besten Felsbuchten (Calanques)
1. Calanque de Maubois, Èze — wilde Felsbucht unterhalb der Grande Corniche. Nur zu Fuß erreichbar (20 Min. Abstieg), dafür oft menschenleer. Fantastisches Schnorcheln.
2. Anse de la Fausse Monnaie, Marseille-Grenzgebiet — winzige Bucht mit Sprungfelsen und smaragdgrünem Wasser.
3. Plage Mala, Cap-d'Ail — eine der schönsten Buchten bei Monaco. Steiler Abstieg über 200 Stufen, aber unten erwartet dich ein Kiesstrand mit kristallklarem Wasser und zwei ausgezeichneten Strandrestaurants (Hauptgericht 18–30€).
FKK-Strände
Frankreich hat eine lange FKK-Tradition. Auf der Côte d'Azur sind folgende Strände offiziell FKK: Plage de l'Espiguette (bei Grau-du-Roi), ein Abschnitt der Plage de Pampelonne und die Île du Levant (Hyères, 90% der Insel ist Naturistengebiet).
Tipp
Viele Strände der Côte d'Azur sind Kiesstrände — Badeschuhe (Aquaschuhe) sind ein Muss! Kaufe sie vorab oder auf dem Marché Forville in Cannes (ab 8€). Für Sandstrände musst du gezielt Richtung Saint-Tropez oder Antibes fahren.
Essen & Nachtleben an der Côte d'Azur
Die Küche der Côte d'Azur ist provenzalisch-ligurisch — Olivenöl statt Butter, Fisch statt Fleisch, Kräuter statt schwerer Soßen. Die Region hat einige der besten Restaurants Frankreichs, aber auch eine fantastische Alltagsküche.
Typische Gerichte
Socca — der Kichererbsenfladen aus dem Holzofen, Nizzas Seele auf einem Blatt Papier. Heiß, knusprig, salzig. Ab 3€ auf dem Cours Saleya.
Salade Niçoise — das Original: Thunfisch (roh oder aus der Dose), Sardellen, hartgekochte Eier, grüne Bohnen, Oliven, Tomaten, Paprika. Niemals Kartoffeln, niemals gekochtes Gemüse! Jeder Koch in Nizza hat darüber eine feste Meinung.
Pissaladière — Zwiebelkuchen mit Sardellen und schwarzen Oliven auf Brotteig. Das Pendant zur Pizza, aber süßer und intensiver.
Ratatouille — geschmortes Gemüse (Aubergine, Zucchini, Paprika, Tomate) mit Kräutern der Provence. Jede Großmutter hat ihr eigenes Rezept.
Bouillabaisse — die legendäre Fischsuppe aus Marseille hat auch an der Riviera Tradition. Mindestens drei verschiedene Fische, Safran, Rouille (Knoblauch-Chili-Mayonnaise) und Croutons. In guten Restaurants ab 35€ pro Person.
Pan Bagnat — „gebadetes Brot": ein rundes Brötchen, getränkt in Olivenöl, gefüllt mit Salade-Niçoise-Zutaten. Nizzas perfektes Picknick-Essen. Ab 5€ in Bäckereien.
Restaurantempfehlungen
€ Budget (Hauptgericht unter 15€)
Chez Pipo, Nizza · Rue Bavastro 13 — Die beste Socca der Stadt, seit 1923. Dazu Petits Farcis (gefülltes Gemüse) und Vin de Bellet. Kein Schnickschnack, großartig.
8–14€ · Di–So 11:30–14:30 und 17:30–22:30
La Zucca Magica, Nizza · Quai Papacino 4bis — vegetarisches Restaurant am Hafen, geführt von einem südafrikanischen Koch. Festmenü (25€) mit 5 Gängen, alles mit Kürbis. Reservierung nötig.
25€ Menü · Di–Sa 12–14 und 19–22 Uhr
€€ Mittelklasse (15–35€)
Le Safari, Nizza · Cours Saleya 1 — Institution am Blumenmarkt seit 1961. Salade Niçoise (15€), gegrillter Wolfsbarsch (24€), Bouillabaisse (38€). Terrasse mit Blick auf den Markt.
15–38€ · Täglich 12–23 Uhr
L'Épicurieux, Antibes · Rue du Docteur Rostan 14 — Bistronomie in der Altstadt: kreative provenzalische Küche, täglich wechselnde Karte je nach Marktangebot. Mittagsmenü 22€ (2 Gänge), abends à la carte 25–35€.
22–35€ · Di–Sa 12–14 und 19–22 Uhr
€€€ Gehoben (ab 35€)
La Petite Maison, Nizza · Rue Saint-François de Paule 11 — eines der besten Restaurants der Riviera, berühmt für seine Petits Farcis Niçois und den gegrillten Loup de Mer. Kein Michelin-Stern, aber jeder lokale Koch isst hier. Reservierung Wochen im Voraus nötig.
45–80€ · Mo–Sa 12–14:30 und 19:30–22:30
Le Plongeoir, Nizza · 60 Boulevard Franck Pilatte — spektakuläre Lage auf einem ehemaligen Sprungturm über dem Meer, an den Klippen unter dem Schlosshügel. Mediterrane Küche mit Meerblick, der einem den Atem raubt. Cocktails ab 14€, Hauptgerichte 28–42€.
28–42€ · Täglich 12–23 Uhr (Sommer)
Nachtleben
Nizza — das Nachtleben konzentriert sich auf den Vieux Nice (Bars in der Rue de la Préfecture und Rue Benoît Bunico) und den Port (trendige Bars am Quai des Docks). Beliebte Adressen: Wayne's Bar (Rock-Pub, Rue de la Préfecture 15, Eintritt frei, Bier ab 6€), Le Shapko (Live-Musik, Rue Rossetti 5), High Club (Nizzas größter Nachtclub, Promenade des Anglais 45, Eintritt 15–20€ inkl. Getränk).
Cannes — mondäner: Le Baôli (Strandclub & Club, Port Pierre Canto, Eintritt ab 20€, die Promidichte der Riviera), Gotha Club (im Palais des Festivals, 30€ Eintritt).
Monaco — Dresscode überall: Jimmy'z (der legendäre Club im Sporting Monte-Carlo, Eintritt ab 30€, Cocktails ab 25€), Buddha Bar Monte-Carlo (im Hotel de Paris, Cocktails ab 20€).
Saint-Tropez — im Sommer: Les Caves du Roy (im Hôtel Byblos, der exklusivste Club der Riviera, keine feste Eintrittskarte — man muss „reinpassen", Champagner ab 350€ die Flasche), VIP Room (prominenteste Gästeliste, Eintritt ab 25€).
Tipp
Das beste Preis-Leistungs-Verhältnis beim Essen: Bestelle das „Formule Déjeuner" (Mittagsmenü). Selbst gehobene Restaurants bieten mittags 2–3 Gänge für 18–28€ — das gleiche Essen kostet abends 50–80€. Die Franzosen essen mittags zwischen 12 und 14 Uhr, danach schließen viele Küchen. Reserviere in gehobenen Restaurants immer vorab.
Villefranche-sur-Mer & Cap Ferrat★★
Villefranche-sur-Mer besitzt den schönsten natürlichen Hafen der Riviera — eine tiefe, geschützte Bucht, umgeben von bunten Häusern, die sich den Hang hinaufstapeln. Das Städtchen (5.500 Einwohner) liegt nur 6 km östlich von Nizza, wirkt aber wie eine eigene Welt: ruhiger, authentischer, weniger durchgestylt. Die Altstadt mit ihren überdachten Gassen (besonders die Rue Obscure aus dem 13. Jahrhundert, ein komplett überdachter Straßenzug) verströmt mittelalterlichen Charme.
Die Chapelle Saint-Pierre am Hafen wurde 1957 von Jean Cocteau mit pastellfarbenen Fresken ausgemalt — Szenen aus dem Leben des heiligen Petrus, der Fischer und der Sinti. Ein kleines Juwel. Eintritt 3€.
Der Plage des Marinières direkt am Hafen ist einer der schönsten Strände der Region: grober Sand, kristallklares Wasser, Blick auf Cap Ferrat. Kostenlos, mit Restaurants in Gehweite.
Cap Ferrat — die Halbinsel der Superreichen (hier besitzen David Niven, Charlie Chaplin und die Rothschilds Villen). Die Villa Ephrussi de Rothschild (1912) ist das Highlight: eine rosafarbene Belle-Époque-Villa mit 9 thematischen Gärten (französisch, spanisch, florentinisch, japanisch…) und einer Kunstsammlung mit Porzellan, Gemälden und Möbeln aus dem 18. Jahrhundert. Die Gärten bieten einen 360°-Blick über beide Buchten der Halbinsel.
Der Küstenwanderweg um das gesamte Cap Ferrat (ca. 2,5 Stunden, 11 km) führt an versteckten Buchten, üppiger Vegetation und spektakulären Klippen vorbei. Die Plage de Passable auf der Westseite ist ideal für eine Badepause.
Villa Ephrussi de Rothschild: 16€ (Erwachsene), 13€ (Kinder 7–17). Täglich 10–18 Uhr (Sommer bis 19 Uhr). Audioguide inkludiert.
Tipp
Nimm den Bus 81 von Nizza nach Villefranche (15 Min., 1,50€) und dann weiter nach Cap Ferrat. Alternativ: die Strecke Nizza–Villefranche zu Fuß am Meer entlang (ca. 45 Min., wunderschön). Von Villefranche wandere zum Cap Ferrat (Sentier du Littoral, ab dem Hafen beschildert). Rückfahrt per Bus.
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