Provence
Aix-en-Provence★★★
Aix-en-Provence — von den Einheimischen liebevoll „Aix" (sprich: „Äx") genannt — ist die eleganteste Stadt der Provence und ihr kulturelles Herz. Die ehemalige Hauptstadt der historischen Grafschaft Provence besticht durch breite Platanenboulevards, aristokratische Stadthäuser (Hôtels particuliers) aus dem 17. und 18. Jahrhundert, über 40 Brunnen und eine studentische Energie, die der Stadt eine jugendliche Lebendigkeit verleiht.
Der Cours Mirabeau, Aix' Prachtboulevard, teilt die Stadt in zwei Hälften: im Norden die mittelalterliche Altstadt (Vieil Aix) mit ihren verwinkelten Gassen, kleinen Plätzen und dem täglichen Blumen- und Gemüsemarkt auf der Place Richelme; im Süden das elegante Quartier Mazarin mit seinen Barockpalästen. Auf dem Cours Mirabeau selbst reihen sich Straßencafés unter mächtigen Platanen — das Les Deux Garçons (seit 1792) war Stammcafé von Cézanne und Zola.
Aix ist untrennbar mit Paul Cézanne verbunden. Der Maler wurde hier 1839 geboren und malte sein Leitmotiv, den Montagne Sainte-Victoire, obsessiv über 80 Mal. Sein Atelier (Atelier de Cézanne) steht noch genau so, wie er es 1906 hinterließ: die Staffelei, der Hut, die Äpfel — als wäre er gerade erst hinausgegangen. Das Atelier (7 €) und der Terrain des Peintres (Aussichtspunkt, von dem er die Sainte-Victoire malte) sind Pilgerorte für Kunstliebhaber. Das Musée Granet (Eintritt 8 €) zeigt neben Cézanne auch Picasso, Giacometti und zeitgenössische Werke.
Jeden Samstag verwandelt sich Aix in einen einzigen großen Markt: der Marché d'Aix erstreckt sich über mehrere Plätze und Straßen mit Provence-Lavendel, Olivenöl, Calissons (die berühmte Aixer Mandelkonfekt-Spezialität), frischem Ziegenkäse und Berge von Obst.
Tipp
Die Calissons d'Aix (mandelförmige Konfekte aus Mandelpaste und kandierten Melonen) sind DAS Souvenir. Die besten gibt es bei der Confiserie du Roy René (seit 1454). Und: Aix ist der perfekte Ausgangspunkt für Tagesausflüge in den Luberon, zur Sainte-Victoire (Wanderung, 3–4 Std.) und zu den Calanques von Cassis.
Avignon & Papstpalast★★★
Avignon, die „Stadt der Päpste", ist eine der geschichtsträchtigsten Städte Frankreichs. Zwischen 1309 und 1377 residierten sieben Päpste hier statt in Rom — das sogenannte „Babylonische Exil der Kirche" — und ihr Vermächtnis ist der Palais des Papes, der größte gotische Palast der Welt. Die vollständig erhaltene Stadtmauer (4,3 km, 14. Jh.) umschließt eine lebendige Altstadt mit Gassen, Plätzen und Straßencafés.
Der Papstpalast (UNESCO-Welterbe) ist ein Koloss aus weißem Kalkstein — von außen eine Festung, von innen ein Labyrinth aus Kapellen, Festsälen und päpstlichen Gemächern. Die Große Kapelle (Chapelle Clémentine) ist 52 Meter lang und 15 Meter hoch. Die Fresken von Matteo Giovannetti in der Chapelle Saint-Jean und der Chapelle Saint-Martial gehören zu den bedeutendsten Werken der internationalen Gotik. Ein Tablet mit Augmented-Reality-Führung (im Eintrittspreis enthalten) lässt die einst prachtvoll ausgestatteten, heute weitgehend leeren Räume in ihrem mittelalterlichen Glanz erstrahlen.
Die Pont Saint-Bénézet — besser bekannt als Pont d'Avignon aus dem berühmten Kinderlied („Sur le pont d'Avignon, l'on y danse…") — ist seit dem 17. Jahrhundert eine Ruine: Von den ursprünglich 22 Bogenspannen über die Rhône stehen nur noch vier. Man kann die verbliebenen Bögen begehen (5,50 € oder Kombi-Ticket mit Palast 17 €) und von der kleinen Kapelle Sankt Nikolaus auf der Brücke den Blick auf den Papstpalast genießen.
Jedes Jahr im Juli verwandelt sich Avignon in die Theaterwelthauptstadt: Das Festival d'Avignon (gegründet 1947 von Jean Vilar) und das parallele Festival OFF bringen über 1.500 Aufführungen in Kirchen, Keller, Höfe und auf die Straßen. Die Stadt platzt dann aus allen Nähten — Unterkunft Monate im Voraus buchen.
Tipp
Das Kombi-Ticket Papstpalast + Brücke (17 €) spart 2 € gegenüber Einzeltickets. Besteige den Turm des Palastes für den besten Blick über Avignon und das Rhône-Tal. Für den besten Blick auf die Brücke: Überquere die Rhône zum Île de la Barthelasse und schaue zurück.
Lavendelfelder (Valensole & Sénanque)★★★
Die Lavendelfelder der Provence sind eines der ikonischsten Naturschauspiele Europas — endlose Reihen von violettem Lavendel, die sich über sanfte Hügel bis zum Horizont erstrecken, durchzogen vom betörenden Duft der ätherischen Öle, überflogen von Bienen und Schmetterlingen. Die Blüte dauert von Mitte Juni bis Mitte August, wobei der Höhepunkt je nach Höhenlage und Sorte variiert.
Plateau de Valensole ★★★
Das Plateau de Valensole in den Alpes-de-Haute-Provence ist die Quintessenz des Lavendel-Erlebnisses: 800 km² Hochebene, bedeckt mit Lavendel und Sonnenblumen, unterbrochen nur von einzelnen Steinhäusern und Mandelbäumen. Die Straße D6 von Valensole nach Puimoisson bietet die fotogensten Panoramen. Das Dorf Valensole selbst hat einige Lavendel-Destillerien, in denen man den Destillationsprozess sehen und Lavendelöl, -seife und -honig kaufen kann (ab 8 €). Am schönsten in der Morgensonne (6–9 Uhr), wenn das Licht golden auf den violetten Reihen liegt und die Touristen noch schlafen.
Abbaye Notre-Dame de Sénanque ★★★
Das meistfotografierte Motiv der Provence: die romanische Zisterzienserabtei Sénanque (1148), eingebettet in ein Tal nördlich von Gordes, mit Lavendelreihen, die bis an die Klostermauern reichen. Die Mönche leben noch immer hier, bauen Lavendel an und destillieren Öl, das man im Klosterladen kaufen kann (Lavendelöl ab 12 €, Honig ab 10 €). Die Abtei kann besichtigt werden (Führung auf Französisch, 8,50 €), aber der magische Moment ist der Blick von oben auf Abtei und Lavendelfeld — am schönsten Ende Juni bis Mitte Juli.
Weitere Lavendel-Hotspots
Sault (Vaucluse, 780 m Höhe): Hier blüht der Lavendel später (Mitte Juli bis Mitte August) und intensiver. Der Fête de la Lavande (15. August) ist ein großes Volksfest. Banon: Weniger touristisch, dafür authentischer Lavendelanbau und der berühmte Banon-Ziegenkäse (in Kastanienblätter gewickelt). Die Route de la Lavande verbindet auf 250 km die schönsten Felder von Apt über Sault bis zum Verdon.
Tipp
Die Blütezeit variiert stark: Sénanque und Sault blühen später (Juli–August), Valensole früher (Juni–Juli). Erkundige dich vorab beim Tourismusbüro. Bitte respektiere die Felder: NICHT in den Lavendel hineinlaufen oder Pflanzen ausreißen — das sind Anbauflächen, keine Fotostudios. Die beste Foto-Zeit ist die goldene Stunde morgens.
Gordes & Luberon-Dörfer★★★
Der Luberon ist der Traum jedes Provence-Reisenden: eine Kette von Hügeln zwischen Cavaillon und Manosque, bekannt durch Peter Mayles Buch „Ein Jahr in der Provence", gekrönt von den schönsten Dörfern Frankreichs (Villages les plus beaux de France). Honigfarbene Steinhäuser klammern sich an Felskuppen, enge Gassen winden sich um Brunnen und Kirchen, und der Blick schweift über Weinberge, Olivenhaine und Lavendelfelder.
Gordes ★★★
Gordes ist das Postkartendorf der Provence schlechthin: Ein kegelförmiger Hügel, von oben bis unten mit hellen Steinhäusern bedeckt, gekrönt von einer Renaissance-Burg (12.–16. Jh., heute Ausstellungsort). Der Blick vom Aussichtspunkt an der D15 auf das Dorf ist atemberaubend — besonders im Morgen- oder Abendlicht, wenn die Steine golden leuchten. Im Dorf selbst: verwinkelte Gassen, kleine Galerien, ein Wochenmarkt (Dienstag vormittags) mit lokalem Ziegenkäse und Olivenöl. Das Village des Bories (3,5 km südlich) ist ein Freilichtmuseum mit Trockensteinmauer-Hütten, die seit der Bronzezeit genutzt werden (6 €).
Roussillon ★★★
Das „Colorado der Provence": Roussillon leuchtet in allen Ocker-Tönen — von Zitronengelb über Feuerrot bis Rostbraun. Die Häuser sind mit dem lokalen Ocker-Pigment gestrichen, das hier seit dem 18. Jahrhundert abgebaut wurde. Der Sentier des Ocres (Ockerlehrpfad, 3,50 €) führt durch eine surreale Landschaft aus karminroten Felsnadeln und ockerfarbenen Klippen — wie ein Miniatur-Canyon in Arizona. Die Usine Mathieu (alte Ockerfabrik, 8 €) erklärt den Abbau und die Verarbeitung. Achtung: Keine weißen Schuhe tragen — der Ocker färbt ab!
Bonnieux, Ménerbes & Lacoste
Bonnieux: Auf einem Hügel thronend, mit Panoramablick auf das Luberon-Tal. Die alte Kirche (12. Jh.) an der Spitze, der neue Zedernwald am Nordhang. Ménerbes: Peter Mayles Dorf, deutlich ruhiger als Gordes. Das Maison de la Truffe et du Vin bietet Verkostungen von Luberon-Weinen und Trüffelprodukten (Degustationen ab 10 €). Lacoste: Überragt von der Ruine des Schlosses des Marquis de Sade, heute im Besitz von Pierre Cardin, der hier ein Kulturfestival veranstaltet.
Lourmarin
Das „Saint-Tropez des Luberon": Lourmarin ist das lebhafteste der Luberon-Dörfer, mit exzellenten Restaurants, Boutiquen, einem Renaissance-Schloss (5 €) und dem Grab von Albert Camus auf dem kleinen Friedhof. Freitagmorgens ist großer Markt.
Tipp
Ein Auto ist im Luberon fast unerlässlich — die Dörfer sind per Bus kaum erreichbar. Miete in Aix-en-Provence (ab 35 €/Tag). Eine ideale Rundroute: Gordes → Sénanque → Roussillon → Bonnieux → Lacoste → Ménerbes → Lourmarin (ca. 80 km, ganzer Tag). Übernachtung in einer Chambre d'hôte (Gästehaus) statt Hotel — persönlicher und oft mit Abendessen aus eigener Ernte.
Arles & Van Gogh★★★
Arles ist die Stadt, in der sich Antike und Kunst am eindrucksvollsten begegnen. Die Römer machten Arles zur Hauptstadt Galliens — ihr Amphitheater (Les Arènes, 1. Jh. n. Chr., noch heute für Stierkämpfe und Konzerte genutzt), das Théâtre Antique und die Überreste des Forum Romanum sind UNESCO-Welterbe. Und dann kam Vincent van Gogh.
Van Gogh lebte von Februar 1888 bis Mai 1889 in Arles — fünfzehn Monate, in denen er über 300 Werke schuf, darunter einige seiner berühmtesten: die Sternennacht über der Rhône, das Nachtcafé, das Schlafzimmer in Arles, die Sonnenblumen-Serie, die Zugbrücke von Langlois. Keines dieser Gemälde hängt heute in Arles (sie sind in Amsterdam, New York, London und Paris verstreut), aber die Originalschauplätze sind markiert: Die Fondation Vincent van Gogh (Eintritt 10 €) zeigt wechselnde Ausstellungen zeitgenössischer Kunst im Dialog mit Van Gogh. Ein markierter Van-Gogh-Rundweg (10 Stelen mit Reproduktionen) führt zu den Orten, die er malte — vom Place du Forum (das „Café de la Nuit", heute „Le Café Van Gogh" mit gelber Fassade) bis zum Rhône-Ufer.
Seit 2021 hat Arles einen neuen kulturellen Leuchtturm: die LUMA Arles, ein von Frank Gehry entworfener Turm aus 11.000 spiegelnden Aluminiumplatten, der wie ein verdrehter Kristall in der provenzalischen Landschaft steht. Das Kulturzentrum zeigt zeitgenössische Kunst, Fotografie und Design (Eintritt 16 €). In den ehemaligen Eisenbahnwerkstätten daneben finden die Rencontres d'Arles statt — das wichtigste Fotofestival der Welt (Juli–September).
Das Amphitheater (2.000 Jahre alt, 21.000 Plätze, kleiner als das Kolosseum, aber besser erhalten) kann besichtigt werden (9 €). Im Sommer finden hier Stierkämpfe (Courses camarguaises — unblutige provenzalische Tradition) und Konzerte statt.
Tipp
Das Kombi-Ticket „Arles Liberté" (12 €) gilt für 4 Monumente und Museen nach Wahl und spart gegenüber Einzeltickets erheblich. Samstag ist großer Markttag auf dem Boulevard des Lices — einer der schönsten Märkte der Provence.
Camargue★★
Die Camargue ist eine Welt für sich: ein 930 km² großes Flussdelta zwischen den beiden Rhône-Armen und dem Mittelmeer, eine flache, windgepeitschte Landschaft aus Salzlagunen, Schilfrohrfeldern, Reisfeldern und endlosen Stränden. Hier leben die berühmten weißen Camargue-Pferde (eine der ältesten Pferderassen Europas) halbwild in den Sümpfen, dazu schwarze Camargue-Stiere und über 400 Vogelarten, darunter Tausende rosa Flamingos.
Die Highlights
Saintes-Maries-de-la-Mer: Der einzige richtige Ort in der Camargue — ein Fischerdorf mit einer wehrkirchartigen romanischen Kirche (9. Jh.), von deren Dach man die Flamingos in der Lagune sehen kann. Jedes Jahr im Mai pilgern Roma aus ganz Europa hierher zum Fest der Schwarzen Sara, ihrer Schutzpatronin — eines der farbenprächtigsten religiösen Feste Europas. Der Strand ist endlos lang und am westlichen Ende fast menschenleer.
Parc Ornithologique du Pont de Gau: Der beste Ort, um Flamingos aus nächster Nähe zu sehen (buchstäblich 10 Meter Entfernung). 60 Hektar markierte Wege durch Lagunen und Sümpfe. Eintritt 8 €. Am schönsten am späten Nachmittag, wenn das Licht rosa wird — wie die Flamingos.
Ausritte: Die Camargue auf dem Rücken eines weißen Camargue-Pferdes zu erkunden ist das ikonischste Erlebnis. Zahlreiche Ranches bieten Ausritte an (1 Std. ab 25 €, 2 Std. ab 40 €, Halbtag ab 65 €). Auch für Anfänger geeignet — die Camargue-Pferde sind außerordentlich ruhig und trittsicher.
Salzgewinnung (Salins du Midi): Die Salinen bei Aigues-Mortes — einer vollständig ummauerten mittelalterlichen Stadt (13. Jh., von der Ludwig IX. zu den Kreuzzügen aufbrach) — sind riesige rosa-rote Salzbecken, in denen das berühmte Fleur de Sel geerntet wird. Führung per Zug oder zu Fuß (10,50 €). Aigues-Mortes selbst mit seinem Stadtrundgang auf den Mauern (8 €) ist einen Besuch wert.
Tipp
Die Camargue ist Mückengebiet — vor allem Mai bis Oktober. Insektenschutz ist Pflicht. Die besten Monate für Flamingos sind April bis Juni. Ein Fahrrad ist das ideale Fortbewegungsmittel: Verleih in Saintes-Maries (ab 15 €/Tag), dazu ein Netz flacher Radwege durch die Landschaft.
Verdon-Schlucht★★★
Die Gorges du Verdon sind der „Grand Canyon Europas" — eine 21 km lange, bis zu 700 Meter tiefe Schlucht, durch die sich der türkisgrüne Verdon-Fluss windet. Die Farbe des Wassers — ein unwirkliches, leuchtendes Türkis, das an die Karibik erinnert — entsteht durch im Kalkstein gelöste Fluor-Mineralien und Mikro-Algen. Es ist die spektakulärste Naturlandschaft Südfrankreichs und einer der beeindruckendsten Canyons weltweit.
Die zwei Uferstraßen
Die Schlucht kann auf zwei Panoramastraßen erfahren werden: Die Route des Crêtes (Nordufer, D23) bietet die dramatischsten Ausblicke von Felsvorsprüngen, die 700 Meter senkrecht über den Fluss ragen. Mehrere Belvédères (Aussichtspunkte) sind ausgeschildert — der Point Sublime und der Belvédère de l'Escalès sind die atemberaubendsten. Die Corniche Sublime (Südufer, D71) ist die kurvigere, wildere Route mit Tunneln und Felsbalkonen. Eine Umrundung beider Ufer (ca. 130 km) dauert mit Fotostopps einen ganzen Tag.
Aktivitäten
Kajak & Kanu: Die populärste Art, die Schlucht zu erleben. Am Lac de Sainte-Croix (dem türkisfarbenen Stausee am westlichen Schluchteingang) kann man Kajaks, Tretboote und Elektroboote mieten (Kajak ab 15 €/Std., Tretboot ab 18 €/Std.) und in die enge Schlucht hineinpaddeln — die hohen Felswände ragen links und rechts 300 Meter empor. Der Eingang zur Schlucht vom See aus ist eines der fotogensten Naturmotive Europas.
Wandern: Der berühmte Sentier Martel (15 km, 6–7 Std., anspruchsvoll) führt am Grund der Schlucht entlang — Leitern, Tunnel mit Taschenlampe, Flussdurchquerungen. Alternativ: der Sentier de l'Imbut (kürzer, aber technisch anspruchsvoller). Der Blanc-Martel-Trail (Variante, 13 km) ist die meist gewählte Route. Gute Schuhe, Stirnlampe und ausreichend Wasser sind Pflicht.
Moustiers-Sainte-Marie: Das „Tor zur Verdon-Schlucht" ist eines der schönsten Dörfer Frankreichs — in eine Felsspalte gebaut, mit einem goldenen Stern, der an einer Kette zwischen zwei Felstürmen 227 Meter über dem Dorf hängt (der Legende nach von einem Kreuzritter aufgehängt). Bekannt für seine Fayence-Keramik (handbemalte Teller und Vasen, Ateliers in den Gassen, ab 30 €). Exzellentes Restaurant: La Treille Muscate (provenzalische Küche, Hauptgericht 22–32 €).
Tipp
Die Verdon-Schlucht ist im Juli/August überlaufen — komme im Juni oder September. Für den Sentier Martel ist ein Shuttle-Bus nötig (man kommt nicht zum Ausgangspunkt zurück). In Castellane und La Palud-sur-Verdon gibt es organisierte Touren. Der Lac de Sainte-Croix ist zum Schwimmen herrlich — das Wasser ist klar, aber frisch (18–22°C).
Essen & Märkte der Provence
Die provenzalische Küche ist Sonnenlicht auf dem Teller: Olivenöl statt Butter, Tomaten, Knoblauch, Kräuter der Provence (Thymian, Rosmarin, Oregano, Bohnenkraut), Zucchini, Auberginen, Paprika und frischer Fisch. Hier wird nicht kompliziert gekocht — die Qualität der Zutaten spricht für sich. Die Provence ist zugleich eines der besten Weingebiete Frankreichs und das Herz der französischen Roséproduktion.
Die Klassiker
- Ratatouille — Das provenzalische Nationalgericht: geschmorte Auberginen, Zucchini, Paprika, Tomaten, Zwiebeln und Knoblauch, langsam in Olivenöl gegart. In der klassischen Version werden die Gemüse einzeln angebraten, dann gemeinsam geschmort — kein Eintopf, sondern ein raffiniertes Harmoniewerk. Am besten lauwarm oder kalt als Vorspeise.
- Bouillabaisse — Marseilles Königin: ein Fischeintopf, der ursprünglich das Essen der Fischer war und heute zu den teuersten Gerichten Südfrankreichs zählt. Traditionell mit mindestens vier Fischsorten (Drachenkopf, Seeteufel, Knurrhahn, Meeraal), serviert in zwei Gängen: erst die safrangelbe Brühe mit Croûtons und Rouille (Knoblauch-Safran-Mayonnaise), dann der Fisch. Eine echte Bouillabaisse kostet 45–80 € pro Person — und ist Pflicht bei einem Besuch an der Küste. In Marseille: Chez Fonfon (Vallon des Auffes, seit 1952, Bouillabaisse 72 €) oder Miramar (Vieux-Port, 69 €).
- Aïoli — Wörtlich „Knoblauch und Öl": eine dicke Knoblauchmayonnaise, serviert als Freitagsgericht mit pochiertem Kabeljau, hartgekochten Eiern, Kartoffeln, Karotten und grünen Bohnen. Das „Grand Aïoli" ist ein geselliges Festessen für die ganze Tafel.
- Daube provençale — Langsam geschmortes Rindfleisch in Rotwein, Oliven, Orangenschale und Kräutern. 4–6 Stunden Garzeit, am nächsten Tag noch besser.
- Tapenade — Paste aus schwarzen oder grünen Oliven, Kapern, Anchovis und Olivenöl. Auf geröstetem Brot als Apéro — dazu ein Pastis (Anislikör, 3 €).
- Pissaladière — Die „Pizza der Provence": Brotteig belegt mit karamellisierten Zwiebeln, Anchovis und Niçoise-Oliven. Auf jedem Markt erhältlich (Stück ab 4 €).
Die Märkte
Provenzalische Märkte sind keine Einkaufsgelegenheiten — sie sind ein Lebensgefühl. Jedes Dorf hat seinen Markttag, und die Stände biegen sich unter der Last von Tomaten in zehn Sorten, Melonen aus Cavaillon (die süßesten Frankreichs), Ziegenkäse in allen Reifegraden (frisch, affiné, sec), Oliven in zwanzig Marinaden, Lavendelsäckchen, Keramik und Stoffen.
- Aix-en-Provence — Samstag, Place Richelme & Cours Mirabeau. Der größte und schönste der Region.
- L'Isle-sur-la-Sorgue — Sonntag. Berühmt für den riesigen Antiquitätenmarkt (300 Händler) plus Lebensmittelmarkt. Zweimal im Jahr (Ostern & 15. August) die große Antik-Messe mit 800 Händlern.
- Apt — Samstag. Authentischer Bauernmarkt im Herzen des Luberon. Trüffel (November–März), kandiierte Früchte (Spezialität von Apt).
- Arles — Samstag, Boulevard des Lices. Bunt, laut, duftend — der Markt, der am meisten „Provence" verkörpert.
- Vaison-la-Romaine — Dienstag. Der wichtigste Markt des nördlichen Vaucluse, in der mittelalterlichen Oberstadt gelegen.
Rosé
Die Provence produziert 40 % des gesamten französischen Rosés — und er ist hier keine Kompromisslösung, sondern die Königsklasse. Heller, trockener und eleganter als anderswo. Die besten Appellationen: Bandol (kräftig, langlebig), Côtes de Provence (der Allrounder), Tavel (der einzige Rosé mit eigener AOC, dunkelrosa und gehaltvoll). Verkostungen auf den Weingütern sind oft kostenlos oder ab 5 €. Empfehlung: Château d'Esclans (Whispering Angel, der weltweit bekannteste Provence-Rosé) oder Domaines Ott (die Referenz seit 1912).
Tipp
Die goldene Regel provenzalischer Küche: Iss saisonal und lokal. Im Sommer: Tomaten, Zucchini, Melonen, Pfirsiche. Im Herbst: Trüffel, Pilze, Kürbis, Weintrauben. Im Winter: Daube, Aïoli, Bouillabaisse. Und zum Apéro: ein Pastis mit Eiswasser (das trübe Milchig-Werden heißt „louche") und eine Schale Oliven — so beginnt jeder Abend in der Provence.
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