🇫🇷
Regionen · Kapitel 8

Elsass & Lothringen

Frankreich Reiseführer

Übersicht|
RegionenKapitel 8: Elsass & Lothringen
Regionen · Kapitel 8

Elsass & Lothringen

Das Elsass ist eine der faszinierendsten Regionen Europas — ein schmaler Streifen zwischen Rhein und Vogesen, der über Jahrhunderte zwischen Frankreich und Deutschland hin- und herwechselte und dabei eine einzigartige Kulturmischung entwickelte. Fachwerkhäuser wie aus dem Bilderbuch, eine der schönsten Weinstraßen der Welt, Flammkuchen und Gewürztraminer, gotische Kathedralen und die magischsten Weihnachtsmärkte Frankreichs. Dazu das oft übersehene Lothringen mit der Jugendstil-Stadt Metz und dem Centre Pompidou.

Straßburg★★★

Straßburg ist die Hauptstadt des Elsass und inoffizielle Hauptstadt Europas — hier sitzen das Europäische Parlament, der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte und der Europarat. Doch jenseits der europäischen Institutionen ist Straßburg vor allem eines: eine der schönsten und lebendigsten Städte Frankreichs.

Die gesamte Grande Île — die historische Altstadt auf einer Insel im Fluss Ill — ist UNESCO-Welterbe. Hier stehen Fachwerkhäuser aus dem 16. und 17. Jahrhundert dicht an dicht, durchzogen von Kanälen und überragt vom rosafarbenen Sandstein des Münsters. Die Stadt hat 280.000 Einwohner, davon 50.000 Studierende, was ihr eine jugendliche Energie verleiht, die man in Touristenstädten selten findet.

Straßburg ist auch eine Fahrradstadt — über 600 Kilometer Radwege machen sie zur fahrradfreundlichsten Stadt Frankreichs. Die Innenstadt ist weitgehend autofrei und lässt sich perfekt zu Fuß und per Tram erkunden.

Straßburger Münster (Cathédrale Notre-Dame)★★★

Place de la Cathédrale, 67000 Strasbourg
Münster: täglich 7–11:15 & 12:40–19 Uhr. Plattform: April–Sept 9:30–20 Uhr, Okt–März 10–18 Uhr.
Münster frei. Plattform 8€. Astronomische Uhr 3€.

Das Straßburger Münster ist ein Meisterwerk der gotischen Architektur und war mit 142 Metern von 1647 bis 1874 das höchste Gebäude der Welt. Die Westfassade ist ein Wunder der Steinmetzkunst: Hunderte von Figuren, Szenen aus dem Alten und Neuen Testament, filigrane Rosetten und Maßwerk, alles aus rosa Vogesensandstein gehauen, der je nach Lichteinfall golden, rosa oder orangerot leuchtet.

Victor Hugo nannte das Münster ein „Wunder des Riesenhaften und des Zierlichen". Goethe bestieg als Student in Straßburg den Turm, um seine Höhenangst zu überwinden — und war überwältigt.

Im Inneren beeindrucken die Glasfenster aus dem 12.–14. Jahrhundert in leuchtenden Blau- und Rottönen. Die Astronomische Uhr (1838–1843) ist ein mechanisches Wunderwerk: Jeden Tag um 12:30 Uhr setzt sich ein Figurenspiel in Bewegung — die zwölf Apostel ziehen an Christus vorbei, ein Hahn kräht dreimal, und komplexe Räderwerke zeigen Sonnen- und Mondpositionen, Finsternisse und kirchliche Feiertage an.

Die Aussichtsplattform (66 m, 332 Stufen) bietet einen atemberaubenden Blick über die Altstadt, den Schwarzwald, die Vogesen und bei klarer Sicht bis zu den Alpen.

Tipp

Die Astronomische Uhr-Vorführung (täglich 12:30 Uhr) erfordert ein separates Ticket (3€), das ab 11:30 Uhr verkauft wird — komme spätestens um 11:45 Uhr, da der Andrang groß ist. Die Plattform-Besteigung lohnt sich besonders bei Sonnenuntergang (letzter Einlass 45 Min. vor Schließung). Eintritt Münster: frei. Plattform: 8€ (Erwachsene), 5€ (Kinder/Studierende).

Petite France★★★

Petite France ist das malerischste Viertel Straßburgs und eines der meistfotografierten Stadtbilder Europas. Das ehemalige Gerber- und Müllerviertel liegt auf einer Insel im Fluss Ill und besteht aus perfekt erhaltenen Fachwerkhäusern aus dem 16. und 17. Jahrhundert mit steilen Dächern, Blumenkästen an jedem Fenster und offenen Gerberlofts unter den Giebeln (die sogenannten „Trockenböden", auf denen einst Tierhäute trockneten).

Die Ponts Couverts (Gedeckte Brücken) — drei Brücken mit vier mittelalterlichen Wehrtürmen — markieren den westlichen Eingang des Viertels. Von der Barrage Vauban (Vauban-Wehr, frei zugänglich) aus bietet sich der beste Panoramablick über Petite France, die Ponts Couverts und das Münster im Hintergrund.

Die Gassen entlang der Kanäle — besonders die Rue du Bain-aux-Plantes — sind zu jeder Jahreszeit photogen: im Frühling mit blühenden Geranien, im Sommer mit Spiegelungen im Wasser, im Herbst mit buntem Laub und im Winter mit Weihnachtsbeleuchtung.

Trotz der Touristenströme ist Petite France kein Freilichtmuseum — Menschen leben hier, Wäsche hängt an den Fenstern, und morgens riecht es nach frischem Brot aus der Boulangerie. Wer früh kommt (vor 9 Uhr), hat die Gassen fast für sich allein.

Tipp

Eine Bootsfahrt auf der Ill durch Petite France und um die Grande Île ist die beste Art, Straßburg zu entdecken. „Batorama" bietet 70-minütige Fahrten mit Audioguide ab dem Palais Rohan (15,50€ Erwachsene, 9€ Kinder, unter 4 frei). In der Hochsaison alle 15 Minuten, Tickets vorab online buchen.

Essen & Trinken in Straßburg

Straßburg ist eine der kulinarischen Hauptstädte Frankreichs — mit einer einzigartigen Küche, die französische Raffinesse und elsässische Deftigkeit vereint.

Winstub S'Münsterstüwel · 8 Place du Marché-aux-Cochons-de-Lait
Die authentischste Winstub der Altstadt. Holzvertäfelte Gaststube aus dem 17. Jahrhundert. Flammkuchen (ab 10€), Choucroute garnie (Sauerkraut mit Wurst und Fleisch, 18€), Baeckeoffe (Schmortopf mit drei Fleischsorten, 22€). Elsässer Weine offen ab 4€/Glas.
€€ · Di–Sa 12–14 & 18:30–22 Uhr

Au Pont Saint-Martin · 13–15 Rue des Moulins (Petite France)
Traumhafte Terrasse am Kanal in Petite France. Regionale Küche auf hohem Niveau. Mittagsmenü 24€ (Vorspeise + Hauptgericht + Dessert). Preselkopf (Schweinskopfsülze), Coq au Riesling, Gugelhupf als Dessert. Abends à la carte Hauptgericht 20–30€.
€€ · Täglich 12–14:30 & 19–22:30 Uhr

La Cloche à Fromage · 27 Rue des Tonneliers
Das größte Käsebuffet Frankreichs — über 200 Käsesorten unter einer riesigen Glasglocke. Fondue ab 22€, Raclette ab 24€, Käseplatte für 2 ab 28€. Ein Paradies für Käseliebhaber.
€€€ · Mo–Sa 12–14 & 19–23 Uhr

Maison Kammerzell · 16 Place de la Cathédrale
Das berühmteste Fachwerkhaus Straßburgs (1427), direkt am Münsterplatz. Touristisch, aber das Gebäude mit seinen 75 geschnitzten Fensterpfosten ist ein Kunstwerk. Choucroute royale 26€, Foie gras maison 24€. Reservierung empfohlen.
€€€ · Täglich 12–14:30 & 19–23 Uhr

Colmar★★★

Colmar ist die malerischste Stadt im Elsass — und das will in einer Region voller Bilderbuchstädte etwas heißen. Die drittgrößte Stadt des Elsass (ca. 70.000 Einwohner) hat den Zweiten Weltkrieg nahezu unbeschadet überstanden und besitzt deshalb einen der besterhaltenen historischen Stadtkerne Europas: über 1.000 Fachwerkhäuser aus dem 13. bis 17. Jahrhundert in leuchtendem Rosa, Blau, Gelb und Grün.

Das Herz der Stadt ist „Klein-Venedig" (Petite Venise) — ein Viertel entlang des Kanals La Lauch mit pastellfarbenen Fachwerkhäusern, die sich im Wasser spiegeln, Blumenkästen an jedem Balkon und winzigen Brücken. Bootsfahrten durch Klein-Venedig (ca. 30 Min., 8€) sind kitschig-schön und lohnen sich trotzdem.

Colmar ist auch eine Kulturstadt ersten Ranges. Das Musée Unterlinden im ehemaligen Dominikanerkloster beherbergt den Isenheimer Altar von Matthias Grünewald (um 1512–1516) — eines der erschütterndsten und ausdrucksstärksten Kunstwerke der abendländischen Malerei. Die Kreuzigungsszene mit ihrem Realismus und ihrer emotionalen Wucht ist allein die Reise nach Colmar wert.

Tipp

Colmar hat eines der trockensten Klimata Frankreichs (weniger Regen als Nizza!) dank der Abschirmung durch die Vogesen. Die Stadt ist ideal als Basis für die Elsässer Weinstraße — alle Weindörfer liegen innerhalb von 30 Minuten Fahrzeit. Hotels in der Altstadt ab ca. 85€/Nacht.

Sehenswürdigkeiten in Colmar

Musée Unterlinden & Isenheimer Altar

Das wichtigste Museum des Elsass, erweitert 2015 durch einen modernen Anbau der Basler Architekten Herzog & de Meuron. Neben dem Isenheimer Altar — dessen aufklappbare Flügel drei verschiedene Bildprogramme zeigen — beherbergt das Museum eine exzellente Sammlung vom Mittelalter bis zur Moderne: Cranach, Holbein, Schongauer, Picasso, Monet.

13€ (Erwachsene), unter 18 frei. Mi–Mo 9–18 Uhr (Do bis 20 Uhr). Dienstags geschlossen.

Klein-Venedig (Petite Venise)

Das Gerberviertel entlang der Lauch: Quai de la Poissonnerie (ehemaliger Fischmarkt), die hübsche Rue des Tanneurs und der Blick von der Pont Saint-Pierre auf die Fachwerkhäuser-Reihe sind die Highlights. Bootsfahrt: 8€/Person, Abfahrt an der Rue de la Herse, März–Oktober.

Altstadt-Rundgang

Start am Place de la Cathédrale (Stiftskirche Saint-Martin, 13. Jh., mit glasierten Dachziegeln), weiter über das Koïfhus (Altes Zollhaus, 1480), das älteste öffentliche Gebäude der Stadt, zum Pfisterhaus (1537, prachtvolle Fassadenmalerei), dann durch die Rue des Marchands und die Rue des Têtes (mit dem berühmten Kopfhaus — 106 Masken und Köpfe an der Fassade). Dauer: ca. 2 Stunden.

Bartholdi-Museum

Colmar ist die Geburtsstadt von Frédéric Auguste Bartholdi, dem Schöpfer der Freiheitsstatue. Sein Geburtshaus (30 Rue des Marchands) ist heute ein Museum mit Modellen, Entwürfen und persönlichen Gegenständen. 6€.

Essen & Trinken in Colmar

Winstub Brenner · 1 Rue de Turenne
Gemütliche Winstub mit holzgetäfelter Stube. Flammkuchen „gratinée" (mit Munster-Käse) 12€, Coq au Riesling 19€, Tarte aux Myrtilles (Heidelbeertorte) 8€. Exzellente Elsässer Weine offen.
€€ · Do–Mo 12–14 & 18:30–21:30 Uhr

Chez Hansi · 23 Rue des Marchands
Benannt nach dem elsässischen Illustrator Hansi, dessen nostalgische Zeichnungen das Elsass-Bild geprägt haben. Traditionelle Küche: Presskopf 11€, Baeckeoffe 22€, Gugelhupf mit Sahne 9€. Touristisch, aber authentische Küche.
€€ · Täglich 12–14 & 19–22 Uhr

JY'S · 17 Rue de la Poissonnerie
Michelin-Stern-Restaurant von Jean-Yves Schillinger. Kreative französisch-elsässische Küche in modernem Ambiente direkt an Klein-Venedig. Mittagsmenü ab 45€, Abendmenü ab 85€. Reservierung unbedingt nötig.
€€€ · Di–Sa 12–13:30 & 19–21 Uhr

Marché couvert · Rue des Écoles
Überdachter Markt: Käse, Charcuterie, Bretzeln, Kougelhopf. Do 8–18 Uhr, Sa 7–17 Uhr. Perfekt für ein Picknick am Kanal.

Elsässer Weinstraße★★★

Die Route des Vins d'Alsace ist die älteste Weinstraße Frankreichs (seit 1953) und eine der schönsten der Welt. Auf 170 Kilometern schlängelt sie sich von Marlenheim bei Straßburg bis Thann bei Mulhouse am Fuß der Vogesen entlang — durch Weinberge, die wie ein Teppich die Hänge hinaufklettern, vorbei an über 70 Weindörfern mit Fachwerkhäusern, Burgruinen und Storchennestern auf den Dächern.

Das Elsass produziert fast ausschließlich Weißweine — und das auf Weltklasse-Niveau. Die sieben zugelassenen Rebsorten sind:

Riesling — der König der elsässischen Weine: trocken, mineralisch, langlebig. Ganz anders als der deutsche Riesling-Stil.

Gewürztraminer — aromatisch, blumig, mit Aromen von Litschi, Rose und Gewürzen. Perfekt zu würzigem Essen und Munster-Käse.

Pinot Gris — vollmundig, rauchig, mit Honig- und Nussaromen. Hervorragend zu Foie gras.

Muscat d'Alsace — trocken (anders als andere Muscats!), traubig-frisch, ideal als Apéritif.

Pinot Blanc — frisch, unkompliziert, der Alltagswein des Elsass.

Sylvaner — leicht, spritzig, im besten Fall mit feiner Kräuterwürze.

Pinot Noir — der einzige Rotwein des Elsass, meist leicht und fruchtig.

Die Spitzenweine tragen die Bezeichnung Grand Cru — es gibt 51 Grand-Cru-Lagen im Elsass, jede mit eigenem Terroir-Charakter. Vendanges Tardives (Spätlese) und Sélection de Grains Nobles (Beerenauslese) sind die süßen Kronjuwelen, die zu den größten Dessertweinen der Welt zählen.

Praktische Tipps: Die meisten Weingüter bieten kostenlose Verkostungen an (Dégustation gratuite) — einfach an der Tür klingeln. Kaufe mindestens eine Flasche als Dankeschön. Preise: guter Riesling ab 8€, Grand Cru ab 15€, Vendanges Tardives ab 25€/Flasche.

Tipp

Die schönste Teilstrecke der Weinstraße liegt zwischen Ribeauvillé und Colmar (ca. 30 km) — hier reihen sich die hübschesten Dörfer wie Perlen aneinander: Riquewihr, Hunawihr, Kaysersberg, Eguisheim. Diese Strecke lässt sich auch hervorragend per Fahrrad fahren (E-Bike empfohlen wegen der Hügel, Verleih in Colmar ab 25€/Tag).

Riquewihr & Kaysersberg★★★

Riquewihr und Kaysersberg sind die beiden schönsten Weindörfer des Elsass — und starke Anwärter auf die schönsten Dörfer Frankreichs überhaupt. Beide sind Mitglieder der Vereinigung „Les Plus Beaux Villages de France".

Riquewihr★★★

68340 Riquewihr

Riquewihr ist ein vollständig erhaltenes Weindorf aus dem 16. Jahrhundert, eingebettet in Weinberge und umgeben von einer mittelalterlichen Stadtmauer. Die einzige Hauptstraße — die Rue du Général de Gaulle — ist so malerisch, dass sie als Vorlage für das Dorf in Disneys „Die Schöne und das Biest" gedient haben soll.

Fachwerkhäuser in allen Farben, schmiedeeiserne Wirtshausschilder, gepflasterte Innenhöfe mit Weinreben, der Dolder (Torturm von 1291, heute Museum, 4€) und überall der Duft von frischem Kougelhopf. Riquewihr ist touristisch, ja — aber es ist einfach zu schön, um es auszulassen.

Weingüter in Riquewihr:

Hugel & Fils — Seit 1639 in Familienbesitz, eines der bekanntesten Elsässer Weinhäuser. Verkostung im historischen Keller (kostenlos), hervorragender Gewürztraminer und Riesling Grand Cru Schoenenbourg. Flasche ab 12€.

Domaine Dopff „Au Moulin" — Bekannt für Crémant d'Alsace (elsässischer Schaumwein, ab 9€/Flasche). Verkostung kostenlos, großer Verkaufsraum.

Tipp

Komme morgens vor 10 Uhr oder abends nach 17 Uhr — tagsüber schieben sich Reisebus-Gruppen durch die enge Hauptgasse. Die Weinberge direkt hinter dem Dorf sind frei zugänglich: der Sentier Viticole (Weinlehrpfad, 1,5 km, 45 Min.) bietet herrliche Ausblicke über das Dorf und die Rheinebene bis zum Schwarzwald.

Kaysersberg★★★

68240 Kaysersberg-Vignoble

Kaysersberg wurde 2017 zum beliebtesten Dorf Frankreichs gewählt (Émission „Le Village préféré des Français") — und das zu Recht. Das Städtchen am Fluss Weiss hat alles, was das Elsass ausmacht: eine Burgruine auf dem Hügel (frei zugänglich, fantastischer Blick), eine befestigte Brücke aus dem 15. Jahrhundert, Fachwerkhäuser mit Geranien, handwerkliche Bäckereien und exzellente Weingüter.

Kaysersberg ist auch die Geburtsstadt von Albert Schweitzer (1875–1965), dem Arzt, Theologen, Musiker und Friedensnobelpreisträger. Sein Geburtshaus in der Rue du Général de Gaulle 126 ist ein kleines Museum (2,50€).

Der Weihnachtsmarkt von Kaysersberg (letztes November-Wochenende bis kurz vor Weihnachten) gilt als einer der authentischsten im Elsass — kleiner und weniger kommerziell als Straßburg oder Colmar, mit handwerklichen Produkten und Vin chaud (Glühwein) aus lokalen Weinen.

Weingut-Tipp: Domaine Weinbach (ehemaliges Kapuzinerkloster, Grand-Cru-Lagen Schlossberg und Furstentum) — eines der besten Weingüter des Elsass. Verkostung nach Vereinbarung, 10€ für 6 Weine.

Metz & Centre Pompidou★★

Metz ist die Hauptstadt Lothringens und eine der am meisten unterschätzten Städte Frankreichs. Mit 3.000 Jahren Geschichte, einer spektakulären gotischen Kathedrale, dem futuristischen Centre Pompidou-Metz und einem der größten erhaltenen Jugendstilviertel Europas verdient die Stadt weit mehr als den Durchgangsverkehr auf dem Weg nach Paris.

Metz liegt am Zusammenfluss von Mosel und Seille und ist eine Stadt des Wassers — Kanäle, Inseln und Parks durchziehen das Zentrum. Die Altstadt auf der Île du Petit-Saulcy und rund um die Kathedrale hat einen ganz eigenen Charakter: heller Jaumont-Kalkstein (der „goldene Stein Lothringens") gibt den Gebäuden einen warmen, honigfarbenen Ton.

Kathedrale Saint-Étienne★★★

Place de la Cathédrale, 57000 Metz
Täglich 8–18 Uhr (Sommer bis 19 Uhr)
Frei

Die Kathedrale von Metz besitzt die größte Glasfensterfläche aller gotischen Kathedralen weltweit — 6.500 m² Glasmalerei, die ihr den Beinamen „Laterne Gottes" (Lanterne du Bon Dieu) eingebracht hat. Die Fenster stammen aus allen Epochen: vom 14. Jahrhundert bis zu Marc Chagall, der 1958–1968 mehrere Fenster gestaltete. Seine leuchtend blauen und roten Fenster im nördlichen Querschiff — Szenen aus dem Alten Testament — gehören zu den schönsten modernen Kirchenfenstern der Welt.

Das Kirchenschiff erreicht eine Höhe von 41,41 Metern — eines der höchsten Frankreichs. Der Gesamteindruck des Lichts, das durch die farbigen Fenster flutet, ist überwältigend.

Eintritt frei. Täglich 8–18 Uhr (Sommer bis 19 Uhr). Führungen auf Deutsch und Französisch über das Tourismusbüro (8€).

Centre Pompidou-Metz★★

1 Parvis des Droits de l'Homme, 57000 Metz
Mi–Mo 10–18 Uhr (Do bis 20 Uhr). Dienstags geschlossen.
12€ (Erwachsene), unter 26 frei. Donnerstag ab 17 Uhr: 8€.

Der erste „Ableger" des Pariser Centre Pompidou eröffnete 2010 in Metz — ein spektakulärer Bau der japanischen Architekten Shigeru Ban und Jean de Gastines. Das hexagonale Dach aus Holz und Teflon-Membran erinnert an einen chinesischen Bambushut und ist ein Meisterwerk der Ingenieurskunst.

Das Museum zeigt Wechselausstellungen mit Werken aus der Sammlung des Centre Pompidou (über 120.000 Werke, die größte Sammlung moderner Kunst in Europa). Drei große Galerieräume mit je 1.000 m² bieten Platz für ambitionierte Ausstellungen. Die Qualität variiert — informiere dich vorab über das aktuelle Programm.

Selbst wenn die aktuelle Ausstellung nicht überzeugt: Das Gebäude selbst lohnt den Besuch. Von der Dachterrasse (frei zugänglich) bietet sich ein schöner Blick über Metz und den Bahnhof.

Tipp

Der TGV-Bahnhof Metz ist direkt neben dem Centre Pompidou — ideal für einen Tagesausflug von Paris (1:25 Std., ab 29€) oder Straßburg (1:15 Std., ab 15€). Donnerstags ist das Museum bis 20 Uhr geöffnet und ab 17 Uhr günstiger (8€ statt 12€).

Quartier Impérial

Das Kaiserviertel (Quartier Impérial, UNESCO-Welterbe-Kandidat) wurde zwischen 1902 und 1918 erbaut, als Metz zum Deutschen Kaiserreich gehörte. Kaiser Wilhelm II. wollte die Stadt zur Vorzeigestadt des Reichslandes Elsass-Lothringen machen und beauftragte die besten Architekten mit repräsentativen Bauten.

Das Ergebnis ist ein einzigartiges Ensemble aus wilhelminischem Neobarock, Jugendstil und Neorenaissance: der monumentale Bahnhof Metz-Ville (1908, komplett aus Granit), die Hauptpost (Neoromanik), das Palais du Gouverneur und zahlreiche Wohnhäuser mit Jugendstil-Fassaden. Ein architekturgeschichtlicher Spaziergang durch das Viertel dauert ca. 1 Stunde.

Weihnachtsmärkte im Elsass★★★

Die elsässischen Weihnachtsmärkte gehören zu den ältesten und schönsten der Welt. Die Tradition reicht bis 1570 zurück, als in Straßburg der „Christkindelsmärik" erstmals urkundlich erwähnt wurde. Heute verwandelt sich das gesamte Elsass von Ende November bis Ende Dezember in ein Weihnachtswunderland — über 100 Orte veranstalten Märkte, von der Großstadt bis zum winzigen Weindorf.

Straßburg: Capitale de Noël

Straßburgs Weihnachtsmarkt ist der berühmteste Frankreichs und einer der größten Europas. Über 300 Chalets verteilen sich auf 12 Standorte in der Altstadt. Der Hauptmarkt auf der Place Broglie (seit 1570) bietet Kunsthandwerk und Glühwein, der Markt auf der Place de la Cathédrale erstrahlt unter dem riesigen Tannenbaum (über 30 m hoch), und der Place du Château beherbergt den „OFF"-Markt mit alternativem Kunsthandwerk und Bio-Produkten.

Letzter Freitag im November bis 24. Dezember. Täglich 11–20 Uhr (Fr–Sa bis 21 Uhr). Eintritt frei.

Colmar: Fünf Weihnachtsmärkte

Colmar verteilt seine Märkte auf fünf malerische Plätze: Place des Dominicains (Kunsthandwerk), Place de l'Ancienne Douane (kulinarisch), Place Jeanne d'Arc (Kindermarkt mit Eislaufbahn), Petite Venise (am Kanal, besonders stimmungsvoll) und Place de la Cathédrale (Gourmet-Markt).

Letzter Donnerstag im November bis 29. Dezember. Täglich 10–19 Uhr (Fr–Sa bis 21 Uhr). Eintritt frei.

Kaysersberg

Klein, authentisch, magisch. Der Markt findet nur an den vier Adventswochenenden statt (Fr–So), was ihn exklusiver und weniger überlaufen macht. Lokale Handwerker, echte Elsässer Produkte, Vin chaud aus eigenem Anbau. Die Burgruine über dem Dorf wird illuminiert.

Eguisheim

Das Kreisrunde Dorf (eines der schönsten Frankreichs) verwandelt seine konzentrischen Gassen in einen Weihnachtsmarkt, der wie eine Weihnachtskrippe wirkt. Fachwerkhäuser, Krippe mit lebenden Tieren, Bredle-Bäckereien (elsässische Weihnachtskekse). Drei Adventswochenenden.

Tipp

Die Weihnachtsmärkte sind am stimmungsvollsten unter der Woche und abends nach 17 Uhr, wenn die Lichter angehen und die Tagestouristen abreisen. Wochenenden (besonders der 2. und 3. Advent) sind extrem voll. Übernachte im Elsass statt als Tagesausflug — die beleuchteten Dörfer bei Nacht sind unvergleichlich. Hotels sind in der Weihnachtszeit stark nachgefragt: mindestens 2–3 Monate vorher buchen. Preise steigen um 30–50%.

Elsässische Küche★★★

Die elsässische Küche ist eine der eigenständigsten und deftigsten Regionalküchen Frankreichs — eine einzigartige Fusion aus französischer Raffinesse und germanischer Herzhaftigkeit. Hier wird nicht elegant genibbelt, hier wird gegessen. Die „Winstub" (elsässische Weinstube) ist die Institution: holzgetäfelte Gaststuben mit karierten Tischdecken, in denen Flammkuchen, Choucroute und Baeckeoffe serviert werden.

Die großen Klassiker

Flammkuchen (Tarte flambée)
Das Nationalgericht des Elsass: hauchdünner, knuspriger Teig belegt mit Crème fraîche, Zwiebeln und Speckwürfeln, im Holzofen gebacken. Die „nature" (klassisch) ist unübertrefflich, die „gratinée" (mit Munster-Käse) ein deftiges Upgrade, die „forestière" (mit Pilzen) herbstlich-aromatisch. In einer echten Winstub wird der Flammkuchen auf einem Holzbrett serviert und à discrétion gegessen — man bestellt so viele nach, wie man schafft. Preis: 10–14€/Stück.

Choucroute garnie (Sauerkraut)
Das vielleicht berühmteste elsässische Gericht: mildes, in Riesling geschmortes Sauerkraut, garniert mit einer opulenten Auswahl an Fleisch und Wurst: geräuchertes Schweinefleisch, Straßburger Knackwurst, Montbéliard-Wurst, Bauchspeck, Kasseler, Kartoffeln. Eine Portion Choucroute royale (die große Version) ist ein Berg auf dem Teller und sättigt zwei Personen. Dazu trinkt man Riesling oder Sylvaner. Preis: 18–26€.

Baeckeoffe
Der „Bäckerofen" — ein Eintopf aus drei Fleischsorten (Schwein, Rind, Lamm), Kartoffeln und Gemüse, mariniert in Weißwein und stundenlang im Tontopf geschmort. Traditionell brachten die Frauen den vorbereiteten Topf am Waschtag zum Bäcker, der ihn in seinem Ofen nach dem Brotbacken garte. Heute in jeder guten Winstub erhältlich (meist nur auf Vorbestellung). Preis: 20–28€.

Kougelhopf (Gugelhupf)
Der ikonische elsässische Hefekuchen in seiner charakteristischen gerillten Form: luftig, buttrig, leicht süß, mit Rosinen (in Kirschwasser eingelegt) und Mandeln. Jede Bäckerei hat ihr eigenes Rezept. Es gibt auch eine herzhafte Version mit Speck und Nüssen. Ein ganzer Kougelhopf kostet 8–14€ in der Boulangerie. Ohne Kougelhopf kein elsässisches Frühstück.

Gewürztraminer — der Wein zum Essen
Der aromatischste Wein des Elsass: intensiv blumig mit Aromen von Litschi, Rose, Mango und Gewürzen. Zu Munster-Käse ist er die perfekte Kombination — die Süße des Weins balanciert die Intensität des Käses. Auch hervorragend zu würziger asiatischer Küche, Foie gras und Desserts. Glas ab 5€ in der Winstub, Flasche ab 9€ im Weingut.

Weitere Spezialitäten

Munster-Käse — Weichkäse mit gewaschener Rinde, intensiv im Geruch, überraschend mild im Geschmack. Aus den Vogesen, zu Kümmel und Pellkartoffeln serviert. Ab 3€/Stück auf dem Markt.

Brezeln (Bretzels) — größer und weicher als bayerische Brezeln, mit grobem Salz. Frisch aus der Boulangerie ab 1€.

Spätzle — die elsässische Version der schwäbischen Eiernudeln, oft als Beilage zu Fleischgerichten.

Foie gras — Straßburg gilt als Geburtsstätte der Foie gras (Gänsestopfleber). Jean-Pierre Clause kreierte hier 1780 die berühmte „Pâté de foie gras en croûte". Ethisch umstritten, kulinarisch unbestreitbar exzellent. Dose ab 15€ auf dem Markt.

Bredle — elsässische Weihnachtskekse in Dutzenden Sorten: Butterbredele, Zimtsterne, Anisbredele, Spritzbredele. In der Adventszeit in jeder Bäckerei und auf jedem Weihnachtsmarkt. Tüte ab 5€.

Tipp

Die beste Art, die elsässische Küche zu erleben, ist ein Abend in einer echten Winstub — kein Sternerestaurant, sondern eine holzgetäfelte Weinstube mit karrierten Tischdecken und einer Speisekarte, die seit Jahrzehnten gleich ist. Bestelle Flammkuchen „à discrétion" (Flatrate, ca. 16€), dazu eine Karaffe Riesling (0,5l ab 9€). Reservierung am Wochenende unbedingt nötig, besonders in Straßburg und Colmar.

War dieses Kapitel hilfreich?