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Verstehen · Kapitel 13

Natur & Landschaft

Frankreich Reiseführer

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VerstehenKapitel 13: Natur & Landschaft
Verstehen · Kapitel 13

Natur & Landschaft

Frankreich ist das geographisch vielfältigste Land Europas: Mittelmeerstrände und Atlantikküsten, Alpen und Pyrenäen, vulkanisches Zentralmassiv und sanfte Flusstäler, tropische Überseegebiete und arktische Hochgebirgsgletscher — alles auf einem Territorium.

Mittelmeerküste

Von der spanischen Grenze bis zur italienischen Riviera erstreckt sich Frankreichs Mittelmeerküste über rund 900 Kilometer — und bietet auf dieser Strecke eine erstaunliche Vielfalt.

Die Côte d'Azur (Französische Riviera) ist der glamouröseste Küstenabschnitt Europas. Von Saint-Tropez über Cannes, Antibes und Nizza bis nach Monaco und Menton reihen sich Buchten mit türkisfarbenem Wasser, Pinienwälder auf roten Felsen und Bilderbuch-Dörfer in den Hügeln aneinander. Das Licht der Côte d'Azur — klar, intensiv, fast unwirklich — zog Maler wie Matisse, Picasso und Chagall magisch an.

Westlich der Rhône-Mündung liegt die Camargue — ein einzigartiges Feuchtgebiet, in dem weiße Pferde, schwarze Stiere und Flamingos in einer Steppenlandschaft aus Salzseen, Sümpfen und Reisfeldern leben. Es ist einer der wildesten Orte Frankreichs und Heimat einer Cowboy-Kultur, die an den amerikanischen Westen erinnert.

Noch weiter westlich erstreckt sich das Languedoc-Roussillon mit langen Sandstränden, mittelalterlichen Städten wie Carcassonne und wilden Küstenabschnitten wie der Côte Vermeille an der spanischen Grenze, wo die Pyrenäen direkt ins Meer stürzen.

Korsika verdient eine Sonderstellung: Die "Insel der Schönheit" (Île de Beauté) vereint auf 8.680 km² Hochgebirge (Monte Cinto, 2.706 m), Traumstrände (Palombaggia, Santa Giulia), dichte Macchia-Wälder und zerklüftete Küsten. Der GR 20 — Fernwanderweg quer über die Insel — gilt als einer der anspruchsvollsten und schönsten Fernwanderwege Europas.

Atlantikküste

Frankreichs Atlantikküste erstreckt sich über fast 2.000 Kilometer von der belgischen Grenze bis zum Baskenland — und ist das genaue Gegenteil der Côte d'Azur: rauer, wilder, weniger schick, aber gerade deshalb für viele der authentischere Küstenabschnitt.

Die Bretagne im Nordwesten ist die keltische Seele Frankreichs. Granit-Klippen stürzen ins stürmische Meer, Leuchttürme trotzen der Brandung, und die Gezeiten gehören zu den stärksten Europas — in der Bucht des Mont Saint-Michel beträgt der Tidenhub bis zu 15 Meter. Die Rosa Granitküste (Côte de Granit Rose) bei Ploumanac'h und die Pointe du Raz an der Westspitze sind Naturschauspiele ersten Ranges.

Weiter südlich liegt die Vendée mit ihren breiten Sandstränden und familienfreundlichen Badeorten. Die Île de Ré vor La Rochelle — verbunden durch eine elegante Brücke — ist mit ihren weißgetünchten Häusern, Salinen und Radwegen das Sylt der Franzosen.

Das Bassin d'Arcachon bei Bordeaux ist berühmt für seine Austern, die Dune du Pilat (mit 110 Metern die höchste Wanderdüne Europas) und die endlosen Pinienwälder der Landes — das größte zusammenhängende Waldgebiet Westeuropas, im 19. Jahrhundert künstlich angelegt, um die Sümpfe trockenzulegen.

Ganz im Süden trumpft die Baskische Küste auf: Biarritz ist die Surf-Hauptstadt Europas, das Fischerdorf Saint-Jean-de-Luz ein Bilderbuchort, und die Wellen von Anglet und Hossegor ziehen Surfer aus aller Welt an.

Tipp

Die Île de Ré und die Île d'Oléron lassen sich perfekt mit dem Fahrrad erkunden — flaches Terrain, autofreie Wege, Austern-Hütten am Weg. Räder kann man überall leihen.

Alpen & Pyrenäen

Frankreich besitzt die höchsten Gipfel Westeuropas und zwei der großen Gebirgsketten des Kontinents.

Französische Alpen

Der Mont Blanc (4.808 m) ist der höchste Berg Westeuropas und thront über Chamonix — einem der legendärsten Bergsteiger- und Skiortorte der Welt. Die Aiguille du Midi (3.842 m), per Seilbahn erreichbar, bietet einen Panoramablick, der sprachlos macht. Annecy, am gleichnamigen kristallklaren See gelegen, gilt als "Venedig der Alpen".

Die großen Skigebiete — Les Trois Vallées (größtes zusammenhängendes Skigebiet der Welt mit 600 km Pisten), Tignes/Val d'Isère, Alpe d'Huez, La Plagne — machen Frankreich zum beliebtesten Ski-Reiseziel der Welt. Im Sommer verwandeln sich die Alpen in ein Paradies für Wanderer, Mountainbiker und Kletterer. Der Tour du Mont Blanc — eine 170 km lange Umrundung des Massivs durch Frankreich, Italien und die Schweiz — ist eine der berühmtesten Trekking-Routen der Welt.

Die Route des Grandes Alpes von Genf nach Nizza über 16 Alpenpässe ist eine der spektakulärsten Straßen Europas — nur von Juni bis Oktober befahrbar.

Pyrenäen

Die Pyrenäen bilden die natürliche Grenze zu Spanien und sind wilder, weniger erschlossen und ursprünglicher als die Alpen. Der Nationalpark der Pyrenäen schützt eine einzigartige Tierwelt: Braunbären (seit 2000 wieder angesiedelt), Bartgeier (Gypaète barbu, Flügelspannweite 2,8 m), Gämsen (Isard) und Murmeltiere.

Der Cirque de Gavarnie — ein gewaltiges Felstheater mit dem höchsten Wasserfall Frankreichs (423 m) — gehört zum UNESCO-Welterbe und ist ein atemberaubendes Naturschauspiel. Wanderer lieben die Haute Route Pyrénéenne (HRP), die in 45 Tagen die gesamte Kette durchquert.

Ski in den Pyrenäen ist günstiger und familiärer als in den Alpen: Font-Romeu, Cauterets und Grand Tourmalet bieten solide Skigebiete ohne Alpen-Preise.

Zentralmassiv & Flusstäler

Das Massif Central im Herzen Frankreichs ist die große Unbekannte der französischen Landschaft — und genau deshalb so reizvoll. Dieses vulkanische Hochland, das etwa ein Sechstel der Landesfläche einnimmt, bietet eine Landschaft, die es in dieser Form nirgendwo sonst in Europa gibt.

Die Chaîne des Puys in der Auvergne — eine Kette von 80 erloschenen Vulkanen, die sich wie Perlen auf einer Schnur reihen — gehört seit 2018 zum UNESCO-Welterbe. Der Puy de Dôme (1.465 m) ist der bekannteste: Ein Zahnradzug fährt bis fast zum Gipfel, von wo aus man bei klarer Sicht ein Siebtel der Landesfläche überblicken kann. Die Vulkane sind "nur" 8.000 bis 95.000 Jahre alt — geologisch gesehen Babys.

Die Gorges du Tarn und Gorges de l'Ardèche sind tiefe Schluchten, die sich durch Kalkstein gegraben haben — atemberaubend für Kanufahrten, Klettern und Wanderungen. Der Pont d'Arc in der Ardèche, ein natürlicher Steinbogen über dem Fluss, ist eines der eindrucksvollsten Naturmonumente Frankreichs.

Die großen Flusstäler

  • Loire-Tal — der "Garten Frankreichs" mit über 300 Schlössern (Chambord, Chenonceau, Amboise, Villandry), sanften Weinbergen und der längsten Flusslandschaft Europas. UNESCO-Welterbe auf 280 km Länge
  • Dordogne — Flusstal mit mittelalterlichen Dörfern (Sarlat, Beynac, La Roque-Gageac), prähistorischen Höhlen (Lascaux) und einer der schönsten Kulturlandschaften Europas
  • Rhône-Tal — von Lyon bis zum Mittelmeer, Wiege großer Weine und Verbindungsachse zwischen Nord und Süd
  • Lot-Tal — weniger bekannt, aber spektakulär: Das Flusstal schlängelt sich in engen Mäandern durch Kalksteinfelsen. Cahors, die Hauptstadt des schwarzen Weins (Malbec), liegt an seinen Ufern

Tipp

Die Auvergne ist Frankreichs bestgehütetes Geheimnis: kaum Touristen, spektakuläre Vulkanlandschaften, hervorragender Käse (Saint-Nectaire, Cantal, Salers, Bleu d'Auvergne) und heiße Quellen. Ideal für alle, die das „andere" Frankreich suchen.

Überseegebiete

Frankreich ist nicht nur ein europäisches Land — es erstreckt sich dank seiner Territoires d'Outre-Mer über alle Ozeane und Kontinente. Diese Überseegebiete sind vollwertige Teile der Französischen Republik: Es gilt der Euro, man spricht Französisch (und Kreolisch), und es gelten französisches Recht und EU-Vorschriften.

Die Übersee-Départements (DROM)

  • Guadeloupe (Karibik) — schmetterlingsförmige Doppelinsel mit Vulkan (La Soufrière, 1.467 m), Tropenwald, Traumstränden und kreolischer Küche. Der Nationalpark ist UNESCO-Biosphärenreservat
  • Martinique (Karibik) — die "Blumeninsel" mit dem Mont Pelée (1.397 m, dessen Ausbruch 1902 die Stadt Saint-Pierre auslöschte), Rum-Destillerien und schwarzen Vulkanstränden
  • Französisch-Guayana (Südamerika) — 97 % tropischer Regenwald, Heimat des europäischen Weltraumbahnhofs Kourou, von wo Ariane-Raketen starten. Eines der artenreichsten Gebiete der Erde
  • Réunion (Indischer Ozean) — vulkanische Insel mit dem aktivsten Vulkan des Indischen Ozeans (Piton de la Fournaise), spektakulären Calderas (Cirques), Korallenriffen und einer Mischkultur aus afrikanischen, indischen, chinesischen und europäischen Einflüssen
  • Mayotte (Indischer Ozean) — die jüngste Region Frankreichs (2011), mit der größten Lagune der Welt und einzigartiger Meeresfauna (Buckelwale, Schildkröten, Delfine)

Weitere Territorien

  • Neukaledonien (Pazifik) — das größte Korallenriff der Welt nach dem Great Barrier Reef, endemische Tier- und Pflanzenarten, melanesische Kanak-Kultur
  • Französisch-Polynesien (Pazifik) — 118 Inseln, darunter Tahiti, Bora Bora und die Marquesas. Türkisblaue Lagunen, Overwater-Bungalows, die Gauguin inspirierten
  • Saint-Pierre-et-Miquelon (Nordatlantik) — winziger französischer Außenposten vor Neufundland, das letzte Überbleibsel von Neu-Frankreich
  • Terres australes et antarctiques françaises (TAAF) — unbewohnte Forschungsstationen in der Subantarktis und ein Sektor der Antarktis

Dank der Überseegebiete besitzt Frankreich die zweitgrößte Ausschließliche Wirtschaftszone (EEZ) der Welt — nach den USA. Frankreich ist, territorial betrachtet, ein globales Land.

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