Timple — Der Sound der Kanaren
Der Timple ist das Nationalinstrument der Kanarischen Inseln — eine kleine, fünfsaitige Gitarre mit einem unverwechselbaren, hellen, perkussiven Klang, der sofort Bilder von Fiestas, Romerías und Strandabenden heraufbeschwört.
Das Instrument ähnelt einer Ukulele, hat aber einen gewölbten Rücken (wie eine Laute) und einen kürzeren Hals. Traditionell aus dem Holz des Maulbeerbaums gebaut, mit einer Decke aus kanarischer Kiefer. Der Timple hat fünf Saiten, die traditionell alle in derselben Oktave gestimmt werden — das erzeugt den charakteristischen „klimpernden" Sound.
Die Rolle des Timple in der kanarischen Kultur:
- Folklore: Der Timple begleitet traditionelle Lieder (Folías, Isas, Malagueñas) und Tänze bei jeder Romería und Fiesta
- Parrandas: Spontane Straßenmusik-Gruppen, die mit Timple, Bandurria (Mandoline) und Gitarre von Bar zu Bar ziehen — besonders zu Weihnachten und Karneval
- Moderne Interpretation: Musiker wie Benito Cabrera und Germán López haben den Timple in Jazz, Klassik und Weltmusik eingeführt. Cabreras Album „Mestisay" ist ein Meilenstein der kanarischen Musik
- Grupo Taburiente: Die legendäre Band aus La Palma verbindet Timple mit politischen Texten — die „kanarischen Barden", vergleichbar mit den katalanischen Nova Cançó-Künstlern
Wer einen Timple kaufen möchte: Die Timple-Werkstätten in Teguise (Lanzarote) sind die bekanntesten. Antonio Lemes Hernández und seine Familie bauen seit Generationen handgefertigte Instrumente. Ein guter Timple kostet zwischen 200 und 800 €. Im Casa-Museo del Timple in Teguise (Lanzarote) kann man die Geschichte des Instruments erleben und verschiedene Modelle sehen und hören.
Silbo Gomero — Die Pfeifsprache
Kein Musikinstrument, aber ein akustisches Weltwunder: Die Silbo Gomero ist eine vollständige Pfeifsprache, mit der sich die Bewohner La Gomeras über die tiefen Schluchten hinweg verständigen — über Entfernungen von bis zu 5 Kilometern. Die Sprache wurde von den Guanchen entwickelt und nach der spanischen Eroberung ins Kastilische übertragen. Seit 2009 ist der Silbo Gomero UNESCO-Weltkulturerbe und wird auf La Gomera in der Schule unterrichtet. In manchen Restaurants auf La Gomera gibt es Vorführungen — ein absolut einzigartiges Erlebnis.
💡 Tipp
Im Restaurant Las Rosas (La Gomera) gibt es regelmäßig Vorführungen des Silbo Gomero — die Kellner „pfeifen" die Bestellungen über den Raum. Kitschig? Vielleicht. Aber die Pfeifsprache live zu erleben, ist definitiv ein Gänsehaut-Moment.