Laurissilva — Der Urwald Europas
Der Laurissilva-Lorbeerwald ist Madeiras grünes Juwel und seit 1999 UNESCO-Weltnaturerbe. Mit über 15.000 Hektar ist er der größte zusammenhängende Lorbeerwald der Welt — ein Relikt aus dem Tertiär, das vor 20 Millionen Jahren ganz Südeuropa bedeckte und heute nur noch auf den Atlantikinseln (Madeira, Azoren, Kanaren) in dieser Form existiert.
Der Wald ist ein lebendiges Fossil: Riesige Lorbeerbäume (Laurus azorica, Ocotea foetens) mit moosbewachsenen Stämmen, Baumfarne, Riesenheidekraut, fleischfressende Pflanzen und eine Stille, die nur vom Tropfen des Wassers und dem Ruf der Madeira-Sturmtaucherblindvögel (einer der seltensten Vögel der Welt) unterbrochen wird. An nebligen Tagen, wenn die Wolken durch die Baumkronen wabern, fühlt sich der Wald an wie ein Ort aus einer anderen Zeit.
Die besten Zugänge zum Lorbeerwald
- Levada do Caldeirão Verde: Die klassische Levada-Wanderung durch den Lorbeerwald (ab Queimadas Forestry Park, 13 km hin und zurück, siehe Levada-Kapitel).
- Vereda dos Balcões: Ein einfacher, kurzer Spazierweg (1,5 km, 30 Minuten) zum Aussichtspunkt Balcões — perfekt für alle, die den Lorbeerwald erleben wollen, ohne stundenlang zu wandern. Der Blick ins grüne Ribeira da Metade-Tal ist atemberaubend.
- Levada do Rei: Eine ruhige, wenig begangene Levada-Wanderung durch den Lorbeerwald ab São Jorge (10 km hin und zurück) — ideal für Vogelbeobachter.
- Fanal: Ein Hochplateau (1.150 m) mit uralten, knorrigen Lorbeerbäumen, die bei Nebel eine gespenstische Atmosphäre erzeugen. Einer der fotogensten Orte Madeiras — Fanal im Nebel sieht aus wie ein Ort aus „Herr der Ringe". Zufahrt per Auto, kurze Spazierwege.
Der Lorbeerwald ist nicht nur schön, sondern lebenswichtig: Er fungiert als natürlicher Schwamm, der die Feuchtigkeit der Passatwolken auffängt und in die Levadas speist — ohne den Wald wäre Madeiras Wasserversorgung zusammengebrochen. Die Aufforstung und der Schutz des Laurissilva sind eines der erfolgreichsten Naturschutzprojekte Europas.