Lissabon · Abschnitt 2/10

Baixa & Chiado

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Baixa & Chiado★★

Baixa-Chiado, Lissabon

Die Baixa (Unterstadt) ist das geometrische Herz Lissabons — und ein architektonisches Wunder der Aufklärung. Nach dem verheerenden Erdbeben von 1755, das die mittelalterliche Altstadt komplett zerstörte, ließ der Marquês de Pombal das Viertel im rationalen Schachbrettmuster neu errichten. Die breiten, schnurgeraden Straßen mit ihren eleganten Fassaden waren damals revolutionär: erdbebensichere Holzrahmenkonstruktionen (die „gaiola pombalina"), einheitliche Fassaden, ein durchdachtes Abwassersystem.

Das Zentrum bildet der Praça do Comércio (Terreiro do Paço), einer der grandiosesten Plätze Europas. Auf drei Seiten von gelben Arkaden umrahmt, öffnet er sich zur vierten Seite zum Tejo. Hier legten einst die Handelsschiffe an, hier residierten die Könige, und hier wurde 1908 König Carlos I. erschossen — das Attentat, das den Untergang der Monarchie einleitete. Heute ist der Platz ein beliebter Treffpunkt mit dem Lisboa Story Centre (Eintritt 7€), das die Stadtgeschichte multimedial erzählt, und zahlreichen Restaurants unter den Arkaden.

Von der Baixa führt die Rua Augusta — Lissabons eleganteste Fußgängerzone — unter dem triumphalen Arco da Rua Augusta hindurch (Aufstieg zur Aussichtsplattform: 3€, lohnt sich). Am anderen Ende der Baixa liegt der Rossio (Praça Dom Pedro IV), das pulsierende Zentrum seit dem Mittelalter, mit seinen wellenförmig gepflasterten Calçada-Böden, dem Nationaltheater und den legendären Cafés — allen voran das Café A Brasileira am benachbarten Chiado, wo eine Bronzestatue des Dichters Fernando Pessoa am Tisch sitzt.

Der Chiado, das elegante Viertel oberhalb der Baixa, ist Lissabons intellektuelles und kulturelles Zentrum. Hier schrieb Pessoa seine Gedichte, hier kaufte die Bourgeoisie in den Traditionsgeschäften ein, und hier brannte 1988 ein verheerendes Feuer, das den Stadtteil verwüstete. Der Wiederaufbau durch Stararchitekt Álvaro Siza Vieira hat dem Chiado neues Leben eingehaucht: Heute reihen sich Buchhandlungen (die wunderschöne Livraria Bertrand, die älteste noch aktive Buchhandlung der Welt seit 1732), Designshops, Theater und elegante Cafés aneinander.

Zwischen Baixa und Chiado steht Lissabons ikonischster Aufzug: der Elevador de Santa Justa (1902, entworfen von Raoul Mesnier du Ponsard, einem Schüler Gustave Eiffels). Der neugotische Eisenaufzug überwindet 32 Höhenmeter und bietet von der oberen Plattform einen spektakulären Rundblick. Der Aufzug kostet 5,30€ für Hin- und Rückfahrt — oder 1,65€ mit der Viva Viagem-Karte. Die Schlangen sind legendär; ein Geheimtipp ist der kostenlose Zugang zur oberen Plattform über die Rua do Carmo.

💡 Tipp

Die Ruine der Carmo-Kirche (Igreja do Carmo) im Chiado ist eine der eindrucksvollsten Sehenswürdigkeiten Lissabons: Das gotische Kirchenschiff steht ohne Dach — zerstört beim Erdbeben von 1755 und bewusst als Mahnmal so belassen. Im Inneren befindet sich ein kleines archäologisches Museum (Eintritt 5€). An sonnigen Tagen fällt das Licht durch die offenen Bögen — magisch.

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