Gesellschaft & Savoir-vivre · Abschnitt 2/5

Laizismus — Religion und Staat

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Laizismus — Religion und Staat

Frankreich ist das Land des Laizismus (laïcité) — der strikten Trennung von Kirche und Staat, verankert im Gesetz von 1905. Das klingt trocken, ist aber ein zentraler Pfeiler der französischen Identität und Quelle hitziger Debatten.

Konkret bedeutet Laizismus: Der Staat finanziert keine Religionsgemeinschaft, Religion ist Privatsache, und in öffentlichen Gebäuden, Schulen und staatlichen Einrichtungen gelten strenge Regeln zur religiösen Neutralität. Seit 2004 sind auffällige religiöse Symbole (Kopftuch, Kippa, großes Kreuz) in öffentlichen Schulen verboten. Seit 2010 ist die Vollverschleierung (Burka, Niqab) in der gesamten Öffentlichkeit untersagt.

Historisch ist der Laizismus eine Reaktion auf die enorme Macht der katholischen Kirche, die über Jahrhunderte in Staat, Bildung und Gesellschaft dominierte. Die Revolution von 1789 richtete sich auch gegen den Klerus. Heute ist Frankreich weitgehend säkularisiert: Nur noch etwa 5 % der getauften Katholiken gehen regelmäßig zur Messe. Gleichzeitig hat die Debatte um den Laizismus durch die wachsende muslimische Bevölkerung (ca. 5–6 Millionen, die größte in Westeuropa) eine neue Dimension erhalten.

Für Touristen ist das im Alltag kaum relevant — aber es erklärt, warum Weihnachtskrippen in Rathäusern Gerichtsprozesse auslösen und warum das Kopftuch-Thema in Frankreich so emotional diskutiert wird wie kaum ein anderes.

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