Mývatn — See der Mücken★★★
Ein geologisches Wunderland
Der Mývatn („Mückensee") und seine Umgebung sind das geologisch aktivste Gebiet Islands — ein Freilichtmuseum für Vulkanismus, das seinesgleichen sucht. Auf kleinstem Raum findest du hier Pseudokrater, Lavaformationen, dampfende Fumarolen, Schlammtöpfe und ein Thermalbad, das es mit der Blauen Lagune aufnimmt.
Der See selbst ist mit 37 km² Fläche der viertgrößte See Islands und überraschend flach (maximal 4,5 m). Er entstand bei einem Lavaausbruch vor etwa 2.300 Jahren und liegt in einer Zone extremer vulkanischer Aktivität — die Krafla-Feuer (1975–1984, neun Ausbrüche in neun Jahren) sind in lebendiger Erinnerung.
Mývatn ist auch ein Paradies für Ornithologen: Über 115 Vogelarten leben hier, darunter 15 Entenarten — mehr Entenarten als an jedem anderen Ort der Erde. Der See wurde unter den Ramsar-Konvention als international bedeutendes Feuchtgebiet geschützt.
Die Highlights im Uhrzeigersinn
Skútustaðagígar (Pseudokrater)
Am Südufer des Sees. Diese kraterförmigen Hügel sehen aus wie Vulkankrater, sind aber keine echten Vulkane. Sie entstanden vor ca. 2.300 Jahren, als glühende Lava über einen sumpfigen See floss: Das eingeschlossene Wasser verdampfte explosionsartig und sprengte die darüberliegende Lava nach oben, wobei diese Kraterformen entstanden. Ein gut markierter Rundweg (30 Min.) führt zwischen den grün bewachsenen Pseudokratern hindurch und bietet wunderbare Ausblicke über den See.
Dimmuborgir (Dunkle Burgen)
Am Ostufer des Sees: Ein surreales Labyrinth aus Lavasäulen, Bögen und Höhlen, das wie eine von Riesen erbaute Ruinenstadt aussieht. Die Formationen entstanden vor ca. 2.300 Jahren, als ein Lavasee über einem wasserreichen Gebiet lag: Der Dampf schoss durch die Lava nach oben und hinterließ beim Erstarren diese bizarren Säulen und Tunnel.
Laut Legende leben hier die 13 isländischen Weihnachtsmänner (Jólasveinar) — schelmische Trollkinder, die in den 13 Nächten vor Weihnachten einzeln ins Tal hinabsteigen und Schabernack treiben. Ihre Namen verraten ihren Charakter: Stekkjastaur (Schafstall-Pfähler), Giljagaur (Graben-Gaffer), Stúfur (Stumpi), Þvörusleikir (Löffelschlecker), Pottasleikir (Topfschlecker), Askasleikir (Schüsselschlecker), Hurðaskellir (Türschläger), Skyrgámur (Skyr-Gierig), Bjúgnakrækir (Würstchen-Stibitzer), Gluggagægir (Fenstergucker), Gáttaþefur (Türschnüffler), Ketkrókur (Fleischhaken) und Kertasníkir (Kerzenschnorrer).
Mehrere Wanderwege (30–60 Min.): Der Kirchenweg (Kirkjuhringur, 30 Min.) führt zur natürlichen Lava-Kathedrale „Kirkjan" — ein Bogen, der wie das Kirchenschiff einer gotischen Kathedrale aussieht.
Grjótagjá — Die Game-of-Thrones-Höhle
Eine kleine Lavahöhle mit einer heißen Quelle im Inneren — bekannt als Drehort für Game of Thrones (die romantische Szene zwischen Jon Snow und Ygritte in Staffel 3). Die Höhle liegt in einer Felsspalte der Krafla-Riftzone, und das türkisfarbene Wasser leuchtete früher magisch in der Dunkelheit der Höhle.
Baden leider verboten! Bis in die 1970er Jahre war Grjótagjá ein beliebter Badeort, aber die Krafla-Feuer (1975–1984) erhitzten das Wasser auf über 50°C — zu heiß zum Baden. Seitdem hat es sich auf ca. 43–46°C abgekühlt, aber das Baden bleibt aus Sicherheitsgründen verboten. Man kann aber die Höhle betreten und das leuchtende Wasser bewundern — der Anblick ist magisch, besonders wenn Sonnenstrahlen durch die Risse in der Decke fallen.
Námaskarð / Hverir — Der Mars auf Erden
Ein außerirdisch wirkendes Geothermalfeld am Fuß des Námafjall-Berges (482 m), direkt an der Ringstraße östlich des Mývatn. Die Landschaft ist so unwirklich, dass die NASA hier tatsächlich Marsrover getestet hat. Was du siehst:
- Schlammtöpfe (Solfataren): Graubrauner, kochender Schlamm blubbert und spritzt in regelmäßigen Intervallen nach oben — wie ein Topf Suppe auf dem Herd
- Fumarolen: Zischende Dampfsäulen, die mit Druck aus Rissen im Boden schießen — sie erreichen Temperaturen von über 200°C
- Schwefelablagerungen: Leuchtend gelbe, orange und weiße Kristalle überziehen die Felsen wie außerirdischer Frost
- Der Geruch: Intensiver Schwefelwasserstoff (H₂S) — „faule Eier" auf Steroiden. Du gewöhnst dich daran, aber die ersten Minuten sind heftig
Ein Rundweg (20–30 Min.) führt durch das Gebiet. Kostenlos und ganzjährig zugänglich. Der Boden ist an manchen Stellen heiß genug, um Schuhsohlen zu schmelzen — halte dich an die markierten Wege!
Krafla — Vulkanzone & Víti-Krater
Der Krafla-Vulkan (818 m) nordöstlich des Mývatn ist einer der aktivsten Vulkane Islands. Die letzte Eruptionsserie — die Krafla-Feuer (Mývatn-Feuer) — dauerte von 1975 bis 1984 mit neun einzelnen Ausbrüchen. Lavafontänen schossen bis zu 100 Meter in die Höhe, und Lavaströme bedrohten das Krafla-Geothermalkraftwerk (das trotzdem weiter betrieben wurde — isländische Gelassenheit!).
Das Highlight ist der Víti-Krater (isländisch für „Hölle"): Ein 320 Meter breiter Explosionskrater, der bei einem Ausbruch 1724 entstand und heute mit einem leuchtend milchig-grünen See gefüllt ist. Die Farbe variiert je nach Sonnenlicht und Jahreszeit von türkis bis smaragdgrün. Ein Wanderweg führt um den Kraterrand (20 Min.).
Auf dem Weg zum Krafla-Gipfel passierst du das Leirhnjúkur-Lavafeld — ein noch dampfendes, nur wenige Jahrzehnte altes Lavafeld mit bizarren Formen, heißen Quellen und einer Mars-ähnlichen Atmosphäre. Die Wanderung durch das Lavafeld (4 km, 1–1,5h) ist surreal: An manchen Stellen spürst du die Wärme durch die Schuhsohlen.
Mývatn Nature Baths
Das Naturbad Mývatn (Jarðböðin við Mývatn) ist die nordisländische Antwort auf die Blaue Lagune — nur ohne den Massentourismus und mit mehr Authentizität. Das milchig-blaue, mineralreiche Wasser (36–40°C) liegt in einem dampfenden Lavafeld mit Blick über den See und die umliegenden Berge.
Das Wasser enthält natürliche Mineralien und Schwefel, die wohltuend für die Haut sind. Es gibt zwei Becken (unterschiedliche Temperaturen), ein Dampfbad in einer natürlichen Höhle und eine Terrasse mit Getränkeservice.
Eintritt: 5.900 ISK (39€) — deutlich günstiger als die Blaue Lagune. Im Winter: Die Kombination aus heißem Wasser, Dampf und Nordlichtern über dem See ist eines der unvergesslichsten Erlebnisse auf Island.
Achtung
Der Name „Mückensee" kommt nicht von ungefähr! Von Juni bis August können die Mücken (kleine, nicht stechende Gnitzen) in Schwärmen auftreten. Ein Moskitonetz für den Kopf (in Akureyri kaufen, ca. 1.500 ISK) und insektenabweisende Kleidung helfen. Die Mücken sind lästig, aber harmlos — sie stechen nicht. An windigen Tagen verschwinden sie komplett.