🇦🇹
Verstehen · Kapitel 13

Kunst & Musik

Österreich Reiseführer

Übersicht|
VerstehenKapitel 13: Kunst & Musik
Verstehen · Kapitel 13

Kunst & Musik

Kein Land dieser Größe hat die europäische Kultur so geprägt wie Österreich: Mozart, Haydn, Schubert, Strauss, Mahler, Klimt, Schiele, Hundertwasser — und eine Festspiel- und Museumslandschaft, die weltweit einzigartig ist.

Mozart, Haydn, Schubert & die Wiener Klassik

Wolfgang Amadeus Mozart (1756–1791) — in Salzburg geboren, in Wien gestorben, in der ganzen Welt unsterblich. Mozart ist nicht nur Österreichs berühmtester Sohn, sondern einer der größten Komponisten der Menschheitsgeschichte. Bereits als Wunderkind reiste er mit seinem Vater Leopold durch die Höfe Europas, mit sechs Jahren spielte er vor Kaiserin Maria Theresia, mit zwölf hatte er seine erste Oper geschrieben.

Sein Werk — über 600 Kompositionen, darunter Die Zauberflöte, Don Giovanni, Eine kleine Nachtmusik, das Requiem — umspannt Oper, Sinfonie, Kammermusik und Kirchenmusik. Mozart starb mit nur 35 Jahren in Wien unter mysteriösen Umständen (Vergiftung? Nierenversagen? Überarbeitung?) und wurde in einem Schachtgrab am St. Marxer Friedhof beigesetzt — der genaue Ort ist unbekannt.

Joseph Haydn (1732–1809), der "Vater der Sinfonie", wirkte jahrzehntelang als Kapellmeister der Fürsten Esterházy im Burgenland und in Eisenstadt. Er schuf 104 Sinfonien, die Schöpfung und das Kaiserquartett, dessen Melodie zur deutschen (und bis 1938 zur österreichischen) Nationalhymne wurde.

Franz Schubert (1797–1828) — in Wien geboren, in Wien gestorben, in Wien verkannt. Über 600 Lieder, Sinfonien (die "Unvollendete"), Kammermusik von herzzerreißender Schönheit. Schubert lebte in Armut, seine Musik wurde erst nach seinem Tod mit 31 Jahren wirklich geschätzt. Die Schubertiade in Schwarzenberg und Hohenems (Vorarlberg) ist das weltweit wichtigste Festival für seine Musik.

Tipp

Mozarts Geburtshaus (Getreidegasse 9, Salzburg) ist ein Museum — informativ, aber im Sommer überlaufen. Weniger besucht und mindestens ebenso interessant: Mozarts Wohnhaus am Makartplatz und das Mozarteum mit der originalen "Zauberflötenhäuschen".

Die Strauss-Dynastie & der Wiener Walzer

Die Familie Strauss hat der Welt den Wiener Walzer geschenkt — und Wien seinen musikalischen Mythos. Johann Strauss Vater (1804–1849) schrieb den Radetzkymarsch, der bis heute jedes Neujahrskonzert beschließt. Sein Sohn Johann Strauss Sohn (1825–1899), der "Walzerkönig", komponierte über 500 Walzer, Polkas und Operetten — darunter An der schönen blauen Donau (die inoffizielle Hymne Wiens und Österreichs), die Fledermaus und den Zigeunerbaron.

Der Wiener Walzer war im 19. Jahrhundert revolutionär: Erstmals tanzten Paare eng umschlungen — ein Skandal für die damalige Gesellschaft. Der Dreivierteltakt, die Drehungen, die Eleganz — all das wurde zum Inbegriff der Wiener Kultur. Bis heute eröffnet jeder Ball mit einem Walzer, und die Fähigkeit, Wiener Walzer zu tanzen, gilt in Österreich als Grundkompetenz.

Das Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker im Goldenen Saal des Musikvereins wird jedes Jahr am 1. Jänner in über 90 Länder übertragen — es ist das meistgesehene klassische Konzert der Welt. Die Karten sind extrem begehrt: Man muss sich ein Jahr im Voraus für eine Verlosung anmelden. Aber: Die Generalprobe am 30. Dezember ist frei zugänglich (Anmeldung erforderlich).

Zeitgenossen und Nachfolger: Franz Lehár (Die lustige Witwe), Carl Michael Ziehrer und Robert Stolz setzten die Wiener Operetten-Tradition fort, die als eigenständiges Genre zwischen Oper und Musical steht.

Wiener Philharmoniker & Musikszene

Die Wiener Philharmoniker gelten als eines der besten Orchester der Welt — gegründet 1842, demokratisch selbstverwaltet (die Musiker wählen ihren Dirigenten), und mit einem unverwechselbaren Klang: warm, golden, mit dem berühmten "Wiener Legato". Ihr Stammhaus ist der Goldene Saal des Musikvereins (1870 eröffnet), dessen Akustik als die beste der Welt gilt.

Wien ist neben der Philharmoniker-Tradition Heimat der Wiener Symphoniker (das zweite Spitzenorchester), der Wiener Staatsoper (300 Vorstellungen pro Jahr, 60 verschiedene Opern pro Saison — kein Opernhaus weltweit bietet mehr), der Wiener Volksoper (Operette, Musical, Ballett) und der Wiener Sängerknaben (gegründet 1498, sonntags in der Hofburgkapelle zu hören).

Die Musikgeschichte Wiens ist beispiellos: Hier wirkten Beethoven (der die meiste Zeit seines Lebens in Wien verbrachte), Brahms, Bruckner, Mahler (als Direktor der Hofoper), Schönberg (der mit der Zwölftontechnik die Musik revolutionierte), Alban Berg und Anton Webern (die Zweite Wiener Schule).

Heute ist Wien auch für zeitgenössische Musik bedeutend: Die Donaueschinger Musiktage und das Wien Modern-Festival sind Plattformen für Neue Musik. Die elektronische Szene ist lebendig — Labels wie Mego und Künstler wie Christian Fennesz und Fennesz genießen internationales Ansehen. Die Pop- und Rockszene hat mit Falco ("Rock Me Amadeus", einziger deutschsprachiger Nr.-1-Hit in den USA), Bilderbuch, Wanda und Soap&Skin eigenwillige Stimmen hervorgebracht.

Tipp

Stehplätze in der Wiener Staatsoper kosten nur 4–15 € und sind ab 80 Minuten vor Vorstellungsbeginn erhältlich. In der Schlange stehen lohnt sich — du erlebst Weltklasse-Aufführungen zum Preis eines Kaffees. Tipp: Binde dein Halstuch an die Brüstung, um deinen Platz zu markieren, wenn du in der Pause gehst.

Klimt, Schiele & der Jugendstil

Um 1900 wurde Wien zum Epizentrum einer künstlerischen Revolution. Die Wiener Secession (gegründet 1897) brach mit dem akademischen Kunstestablishment — ihr Motto: "Der Zeit ihre Kunst, der Kunst ihre Freiheit", golden über dem Eingang des Secessionsgebäudes eingraviert.

Gustav Klimt (1862–1918) war der Anführer. Sein "Kuss" (1907/08) — das goldschimmernde Paar in der Umarmung — ist eines der ikonischsten Gemälde der Kunstgeschichte und hängt im Oberen Belvedere in Wien. Klimts "Goldene Phase" (Porträt Adele Bloch-Bauer I, das 2006 für 135 Millionen Dollar verkauft wurde — damals das teuerste Gemälde der Welt) verbindet byzantinische Pracht mit erotischer Spannung. Sein Beethovenfries in der Secession ist ein monumentaler Seitensprung zwischen Kunst und Musik.

Egon Schiele (1890–1918) war Klimts Schüler und radikaler Gegenpol: Wo Klimt Gold und Ornament setzte, malte Schiele nackte Körper in verrenkten Posen, dünn, verletzlich, brutal ehrlich. Seine Aktzeichnungen schockierten die Gesellschaft — er wurde sogar kurzzeitig inhaftiert. Das Leopold Museum im MuseumsQuartier besitzt die weltweit größte Schiele-Sammlung.

Oskar Kokoschka (1886–1980) komplettierte das Triumvirat: expressiv, wild, psychologisch — seine Porträts "häuteten" die Dargestellten förmlich. Die drei zusammen — Klimt, Schiele, Kokoschka — machen Wien zum wichtigsten Ort für Kunst der Jahrhundertwende weltweit.

Der Wiener Jugendstil (Sezessionsstil) prägte auch die Architektur: Otto Wagners Stadtbahnpavillons am Karlsplatz und an der Nussdorfer Straße, sein Postsparkassengebäude (ein Vorläufer der Moderne), Josef Hoffmanns Purkersdorfer Sanatorium und die Wiener Werkstätte (Kunsthandwerk auf höchstem Niveau) — all das ist in Wien erlebbar.

Tipp

Das Leopold Museum im MuseumsQuartier zeigt nicht nur Schiele und Klimt, sondern hat donnerstags bis 21 Uhr geöffnet — perfekt für einen Abendbesuch ohne Gedränge. Danach auf einen Drink in eines der Cafés im MQ-Hof.

Hundertwasser & moderne Architektur

Friedensreich Hundertwasser (1928–2000, geboren als Friedrich Stowasser) war Österreichs eigenwilligster Künstler — Maler, Architekt, Öko-Visionär und Feind der geraden Linie. Sein Credo: "Die gerade Linie ist gottlos." Er trug nie passende Socken, lebte zeitweise auf einem Segelboot und entwarf Häuser, die aussehen, als hätte ein Kind sie gezeichnet — mit bunten Fassaden, bewachsenen Dächern, unebenen Böden und Bäumen, die aus den Fenstern wachsen.

Seine wichtigsten Werke in Wien:

  • Hundertwasserhaus (Kegelgasse/Löwengasse, 3. Bezirk) — ein Gemeindebau (!), bunt, schief, begrünt. Von außen frei zu besichtigen, innen bewohnt. Gegenüber das Hundertwasser Village mit Shops
  • KunstHausWien (Untere Weißgerberstraße 13) — das Museum für Hundertwassers Werk: unebene Böden, keine geraden Wände, Bäume im Gebäude. Ständige Sammlung plus Fotografie-Ausstellungen
  • Müllverbrennungsanlage Spittelau — ja, eine Müllverbrennungsanlage als Kunstwerk. Goldene Kugel, bunte Keramik, begrünte Terrassen. Hundertwasser gestaltete die Fassade 1992 um — sie ist eines der meistfotografierten Gebäude Wiens

Jenseits von Hundertwasser hat Wien auch moderne architektonische Highlights: das MuseumsQuartier (eines der größten Kulturareale der Welt, barocke Fassade trifft zeitgenössische Architektur), das DC Tower von Dominique Perrault (250 m, Wiens höchstes Gebäude), die WU Wien am Campus mit Bauten von Zaha Hadid, das Haus der Musik (interaktives Klangmuseum) und das Grazer Kunsthaus (der "Friendly Alien" — ein blauer Blob-Bau, der wie ein Raumschiff auf der Altstadt gelandet zu sein scheint).

Museumslandschaft & Festspiele

Österreichs Museumslandschaft ist für ein Land dieser Größe außergewöhnlich dicht:

Wien

  • Kunsthistorisches Museum (KHM) — eine der größten Kunstsammlungen der Welt. Bruegel (die weltbeste Sammlung!), Vermeer, Caravaggio, Velázquez, Tizian, Rubens. Allein die Räume — die Kaiser hatten Geschmack — sind ein Erlebnis
  • Albertina — Dürers "Feldhase", Klimt, Monet, Picasso. Eine der größten grafischen Sammlungen weltweit, plus wechselnde Blockbuster-Ausstellungen
  • Belvedere — Klimts "Kuss" und die beste Sammlung österreichischer Kunst vom Mittelalter bis heute, im Barockschloss Prinz Eugens
  • MuseumsQuartier — Leopold Museum (Schiele, Klimt), mumok (Museum moderner Kunst), Kunsthalle Wien. Plus Cafés, Innenhöfe und Wiens kreativste Atmosphäre
  • Naturhistorisches Museum — die Venus von Willendorf (29.500 Jahre alt!), Dinosaurier, Edelsteinsammlung und ein planetariumsähnliches Digitales Planetarium

Außerhalb Wiens

  • Ars Electronica Center (Linz) — das weltweit führende Museum für Medienkunst, Technologie und Zukunftsvisionen
  • Museum der Moderne (Salzburg, Mönchsberg) — zeitgenössische Kunst mit Panoramablick über die Altstadt
  • Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum (Innsbruck) — von der Urgeschichte bis zur Gotik, herausragende Sammlung
  • Stift Admont (Steiermark) — die größte Klosterbibliothek der Welt, ein barockes Raumwunder

Festspiele

Österreich ist das Land der Festspiele — von Weltformat:

  • Salzburger Festspiele (Juli/August) — gegründet 1920, das prestigeträchtigste Musikfestival der Welt. Oper, Konzerte, Schauspiel (der "Jedermann" auf dem Domplatz!). Karten sind begehrt und teuer (50–450 €), aber es gibt Restkarten am Veranstaltungstag
  • Bregenzer Festspiele (Juli/August) — die legendäre Seebühne am Bodensee, die größte Freilichtbühne der Welt. Die Bühnenbilder (ein riesiges Auge für Tosca, ein chinesischer Drache für Turandot) sind spektakulär
  • Wiener Festwochen (Mai/Juni) — Theater, Musik, Performance. Avantgarde und Tradition, international und lokal
  • Schubertiade (Hohenems/Schwarzenberg, Vorarlberg) — das weltweit bedeutendste Festival für Lied und Kammermusik
  • Styriarte (Graz) — Nikolaus Harnoncourt gründete dieses Festival, Schwerpunkt Alte Musik und Barock

Tipp

Viele Wiener Museen bieten am ersten Sonntag des Monats freien Eintritt — das Kunsthistorische Museum, das Belvedere und die Albertina sind darunter. Früh kommen lohnt sich!

War dieses Kapitel hilfreich?