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Praktisch · Kapitel 15

Sprachführer Österreichisch

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PraktischKapitel 15: Sprachführer Österreichisch
Praktisch · Kapitel 15

Sprachführer Österreichisch

Österreichisch ist nicht einfach Deutsch mit Akzent — es ist eine eigene Sprachwelt mit hunderten Wörtern, die man in Deutschland nicht kennt, und Redewendungen, die selbst Norddeutsche ins Grübeln bringen. Hier die wichtigsten Vokabeln für deinen Aufenthalt.

Österreichisches Deutsch vs. Bundesdeutsch

Österreichisches Deutsch ist eine eigenständige Varietät der deutschen Sprache — nicht ein "Dialekt", sondern eine gleichberechtigte Standardsprache mit eigener Grammatik, eigenem Wortschatz und eigener Aussprache. Seit dem EU-Beitritt 1995 sind 23 österreichische Begriffe sogar im EU-Recht als offizielle Varianten anerkannt (das berühmte "Protokoll Nr. 10").

Die wichtigsten Wortunterschiede

ÖsterreichischBundesdeutsch
ErdäpfelKartoffel
ParadeiserTomate
KarfiolBlumenkohl
FisolenGrüne Bohnen
MarilleAprikose
RibiselJohannisbeere
ObersSahne
TopfenQuark
SchlagobersSchlagsahne
SemmelBrötchen
PalatschinkePfannkuchen
FaschiertesHackfleisch
StiegeTreppe
KastenSchrank
SesselStuhl
JännerJanuar
FeberFebruar
heuerdieses Jahr
BimStraßenbahn
TrafikKiosk / Tabakladen

Grammatik-Unterschiede: In Österreich ist die Kartoffel weiblich ("die Teller"... nein: "das E-Mail" statt "die E-Mail"), man sagt "bin gestanden" statt "habe gestanden", "bin gesessen" statt "habe gesessen". Und das Perfekt wird viel häufiger verwendet als das Präteritum — Österreicher sagen fast nie "ich ging", sondern "ich bin gegangen".

Tipp

Sag in Österreich niemals "Brötchen", "Quark" oder "Sahne" — du outest dich sofort als Piefke (österreichisch für: Deutscher, leicht abwertend). "Semmel", "Topfen" und "Obers" sind die richtigen Wörter. Und: Es heißt "Jänner", nicht "Januar"!

Wienerisch — Einführungskurs

Wienerisch ist mehr als ein Dialekt — es ist ein Lebensgefühl. Der Wiener Dialekt hat Einflüsse aus dem Tschechischen, Ungarischen, Jiddischen und Italienischen aufgesogen und daraus etwas ganz Eigenes gemacht. Hier die wichtigsten Ausdrücke:

WienerischBedeutung
BeislKleines Wirtshaus (aus dem Jiddischen)
GspusiLiebschaft, Affäre (aus dem Italienischen "sposo")
HabererKumpel, Freund
GrantlerGriesgrämiger Mensch (aber liebevoll gemeint)
BabaTschüss (informell)
HawaraFreund, Typ (neutral bis freundlich)
OidaAlter! (Universalwort: Erstaunen, Ärger, Zustimmung, Ablehnung — alles je nach Betonung)
LeiwandSuper, toll, großartig
Ur-Verstärkungs-Vorsilbe: "ur-leiwand" = besonders toll
GschissnMies, schlecht, blöd gelaufen
WurschtEgal ("Is ma wurscht" = ist mir egal)
ZwickenKneifen, aber auch: schwarzfahren ("zwicken" = ohne Fahrschein fahren)
TschickZigarette
GstättnBrachland, verlassenes Grundstück
HeislToilette (derb)
GfrastUngeziefer, übertragen: nervige Person
SandlerObdachloser (nicht abwertend gemeint, eher mitfühlend)

Das Wienerische zeichnet sich durch Vokaldehnung ("Wiiien"), Verschlucken von Endungen ("Hob i g'sogt" = "Habe ich gesagt") und eine charakteristische Melodie aus — singend, leicht klagend, nie hektisch. Wer es perfektioniert hören will: Filme von Josef Hader oder die Serie "Vorstadtweiber".

Grüße & Höflichkeit

Die richtige Begrüßung öffnet in Österreich Türen — und die falsche schließt sie. Hier die wichtigsten Formeln:

Begrüßung

AusdruckVerwendung
Grüß Gott!Standard-Begrüßung, überall passend, nicht religiös gemeint
Guten Morgen / Guten TagFormell, eher in geschäftlichem Kontext
Servus!Informell, unter Freunden und Bekannten. Kann zur Begrüßung UND zum Abschied verwendet werden
Hallo!Gilt als "bundesdeutsch", wird aber zunehmend akzeptiert
Griaß di! / Griaß eich!Dialektal für "Grüß dich / Grüß euch", freundlich-informell
Küss die Hand!Traditionell (Mann zu Frau), heute oft ironisch oder charmant-altmodisch
Mahlzeit!Begrüßung um die Mittagszeit (ca. 11:30–13:30 Uhr), besonders im Büro

Verabschiedung

AusdruckVerwendung
Auf Wiederschauen!Standard (NICHT "Auf Wiedersehen" — das klingt norddeutsch)
Baba!Informell, freundschaftlich (Wienerisch)
Pfiat di! / Pfiat eich!"Behüt dich Gott" — herzlich, ländlich, warmherzig
Servus!Geht immer — Begrüßung und Abschied in einem
Tschüss!Wird verstanden, gilt aber als norddeutsch

Höflichkeitsformeln

  • "Bitte" — hat in Österreich eine erweiterte Bedeutung: Es heißt nicht nur "bitte", sondern auch "hier, bitte" (beim Überreichen) und "bitte?" (wie "Entschuldigung, was haben Sie gesagt?")
  • "Dankeschön" / "Vergelt's Gott" — "Vergelt's Gott" ist die traditionelle, wärmere Form des Dankes
  • "Entschuldigung" / "Entschuldigen Sie" — höflich, universell einsetzbar
  • "Geh bitte!" — bedeutet NICHT "bitte geh weg", sondern drückt ungläubiges Staunen aus: "Ach komm!" / "Das gibt's doch nicht!"

Im Kaffeehaus bestellen

Das Kaffeehaus ist ein Ritual — und wie bei jedem Ritual gibt es Regeln. Hier die wichtigsten Begriffe, um stilsicher zu bestellen:

Kaffee-Vokabular

Bestelle...Du bekommst...
"Eine Melange, bitte"Espresso mit aufgeschäumter Milch (ähnlich Cappuccino)
"Einen Kleinen Braunen"Espresso mit einem Schuss Milch/Obers
"Einen Großen Braunen"Doppelter Espresso mit Milch/Obers
"Einen Kleinen Schwarzen"Einfacher Espresso, schwarz
"Einen Großen Schwarzen"Doppelter Espresso, schwarz
"Einen Verlängerten"Espresso mit heißem Wasser verlängert
"Einen Einspänner"Doppelter Mokka im Glas mit Schlagobers-Haube
"Eine Schale Gold"Kaffee mit viel Milch, hellgold
"Einen Kapuziner"Mokka mit wenig Obers, kapuzinerbraun
"Einen Fiaker"Großer Mokka mit Rum und Schlagobers

Wichtige Zusätze

  • "Mit Schlagobers" — mit Sahne (NICHT "Sahne" sagen!)
  • "Verkehrt" — mehr Milch als Kaffee
  • "Bitte ein Glas Wasser dazu" — wird normalerweise automatisch serviert, aber in touristischen Cafés manchmal vergessen

Verhalten im Kaffeehaus

  • Du darfst stundenlang sitzen — das ist Tradition, niemand drängt dich
  • Zeitungen liegen auf — nimm dir eine, das gehört dazu
  • Der Ober (Kellner) kommt zu dir — nicht umgekehrt. Rufe ihn diskret mit einer Handbewegung oder Blickkontakt
  • Sage "Zahlen, bitte" oder "Die Rechnung, bitte" — "Ich möchte zahlen" klingt zu direkt
  • Trinkgeld: Aufrunden oder 5–10 % auf den nächsten halben/vollen Euro

Im Restaurant

Österreichische Speisekarten stecken voller Begriffe, die selbst deutsche Muttersprachler ratlos lassen. Hier die Übersetzungshilfe:

Speisekarten-Decoder

Auf der KarteBedeutung
BeilagenBeilagen (Erdäpfel, Knödel, Salat etc.)
ErdäpfelsalatKartoffelsalat (warm, mit Essig-Öl-Dressing)
HäuptelsalatKopfsalat
VogerlsalatFeldsalat / Rapunzel
GrammelnGrieben (ausgelassene Speckwürfel)
GrammelschmalzSchweineschmalz mit Grieben (Brotaufstrich)
LiptauerGewürzter Topfen-Aufstrich (mit Paprika, Zwiebeln, Kümmel)
BrettljauseKalte Platte auf einem Holzbrett (Schinken, Käse, Aufstriche)
JauseBrotzeit / Zwischenmahlzeit
NockerlKleine Klößchen/Spätzle-Variante
SterzGerösteter Maisgries oder Buchweizenmehl
HeurigerJunger Wein des aktuellen Jahrgangs
GespritzterWeinschorle (Weißwein mit Soda)
KrügerlHalber Liter Bier
Seidel / SeiterlKleines Bier (0,3 Liter)
PfiffSehr kleines Bier (0,2 Liter)
StamperlSchnapsglas (2 cl)
Spritzer / G'spritzterWeißweinschorle
SturmTeilvergorener Traubenmost (nur Sept./Okt.)

Nützliche Sätze

  • "Haben Sie einen Tisch frei?" — Reservierung ist in gehobenen Restaurants empfehlenswert
  • "Was empfehlen Sie?" — Kellner in Österreich kennen die Karte und beraten gerne
  • "Die Rechnung, bitte" oder "Zahlen, bitte"
  • "Machen Sie [Betrag]" — beim Trinkgeld-Geben
  • "Getrennt, bitte" — jeder zahlt seinen Teil (weniger üblich als in Deutschland, bei Freunden aber akzeptabel)

Unterwegs

Wichtige Vokabeln für den Alltag unterwegs in Österreich:

Verkehr & Orientierung

ÖsterreichischBedeutung
BimStraßenbahn
ÖffisÖffentliche Verkehrsmittel
TrafikKiosk / Tabakladen (auch Fahrkarten, Zeitungen)
Einser, Zweier...Erster, zweiter... Bezirk in Wien
GasseStraße (in Wien heißen die meisten Straßen "Gasse")
Ringstraße / RingDie Prachtstraße um die Wiener Innenstadt
GürtelDie äußere Ringstraße Wiens (Verkehrsachse)
BankomatGeldautomat
GreißlerKleiner Lebensmittelladen (aussterbend, aber das Wort lebt)
BeislKleines, einfaches Wirtshaus
SchmankerlLeckerbissen, kulinarische Köstlichkeit

Beim Einkaufen

Du hörst...Bedeutung
"Bitte schön?""Was darf es sein?" / "Sie wünschen?"
"Darf's noch was sein?""Noch etwas?"
"Passt schon""Stimmt so" / "Ist in Ordnung"
"Habe die Ehre!"Altmodische, aber charmante Begrüßung (ironisch oder ernst)
"Sackerl"Plastik-/Papiertüte

Am Berg

AusdruckBedeutung
"Berg Heil!"Traditioneller Gipfelgruß (zunehmend durch "Hallo" ersetzt)
"Grüß Gott!" / "Servus!"Am Berg grüßt man JEDEN, der einem entgegenkommt — das ist Pflicht
JauseBrotzeit / Verpflegung für unterwegs
HütteBerghütte / Almhütte (bewirtschaftet)
AlmHochgelegene Bergweide
KlammEnge Felsschlucht
KarKesselförmige Einbuchtung in der Bergflanke (Gletscherform)
GratSchmaler Bergrücken
ScharteEinschnitt im Berggrat, Pass

Tipp

Am Berg grüßt man — immer. Wer schweigend an anderen Wanderern vorbeigeht, gilt als unhöflich. Ein freundliches "Grüß Gott!" oder "Servus!" reicht. In Tirol hörst du oft "Griaß enk!" (Grüß euch).

Nützliche Ausdrücke & Redewendungen

Wer diese Ausdrücke kennt, wird von Österreichern mit einem anerkennenden Lächeln belohnt:

Alltags-Ausdrücke

AusdruckBedeutung
"Des is leiwand!""Das ist super!" (Wienerisch)
"Na geh!""Ach was!" / "Nicht wirklich!" (Erstaunen)
"Geh bitte!""Ach komm!" / "Das meinst du nicht ernst!"
"Passt scho!""Ist in Ordnung" / "Schon gut"
"Is ma wurscht""Ist mir egal"
"Da schau her!""Sieh mal an!" / "Erstaunlich!"
"Mei, is des schön!""Ach, ist das schön!" (echte Bewunderung)
"Fix!""Verflixt!" / "Verdammt!" (abgemildert)
"Jo eh""Ja schon" / "Eh klar" (zustimmend, leicht genervt)
"Eh"Universalwort: "ohnehin", "sowieso", "natürlich", verstärkend
"A Wahnsinn!""Wahnsinn!" / "Unglaublich!" (positiv oder negativ)

Redewendungen

  • "Die Lage ist hoffnungslos, aber nicht ernst" — der Inbegriff des österreichischen Humors. Typische Gelassenheit im Angesicht des Chaos
  • "Da beißt die Maus keinen Faden ab" — daran lässt sich nichts ändern
  • "A jeder is seines Glückes Schmied" — jeder ist für sein Glück selbst verantwortlich
  • "Schau ma mal, dann seh ma schon" — warten wir ab, dann sehen wir weiter (typisch österreichisch: keine Entscheidung treffen, wenn man sie aufschieben kann)
  • "In Österreich muss man erst sterben, um berühmt zu werden — aber dann lebt man lang" — Sprichwort über den Umgang mit Künstlern
  • "Nur ned hudeln!" — "Nur nicht hetzen!" (die Aufforderung zur Gelassenheit)

Schimpfwörter (zur Kenntnis, nicht zur Nachahmung)

  • Piefke — Deutscher (leicht abwertend, aber manchmal auch freundschaftlich neckend)
  • Trottel — Dummkopf (in Österreich deutlich häufiger und weniger beleidigend als in Deutschland)
  • Depp — ähnlich wie Trottel, etwas stärker
  • Wappler — Taugenichts, Versager (wienerisch, derb)
  • Gfrast — nervige Person, Plage

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