Geschichte Portugals · Abschnitt 4/6

Das Erdbeben von 1755

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Das Erdbeben von 1755

Am 1. November 1755 — Allerheiligen, als die Kirchen voller Gläubiger waren — erschütterte eines der verheerendsten Erdbeben der Geschichte Lissabon. Was folgte, war eine dreifache Katastrophe:

  • Das Erdbeben selbst (geschätzte Stärke 8,5–9,0) zerstörte innerhalb von Minuten große Teile der Stadt
  • Der Tsunami — bis zu 15 Meter hohe Wellen überfluteten die Uferzone und rissen Tausende in den Tod
  • Das Feuer — die umgestürzten Allerheiligenkerzen setzten die Trümmer in Brand; Lissabon brannte fünf Tage lang

Zwischen 30.000 und 60.000 Menschen starben allein in Lissabon. Prächtige Paläste, Bibliotheken, Kirchen und Archive wurden vernichtet. Die königliche Bibliothek mit 70.000 Bänden, darunter Originalberichte der Entdecker, ging verloren.

Doch aus der Katastrophe entstand Neues. Der Marquês de Pombal, Premierminister unter König José I., organisierte den Wiederaufbau mit erstaunlicher Effizienz. Sein berühmter Ausspruch: „Begrabt die Toten, versorgt die Lebenden." Die Baixa Pombalina, das schachbrettartig angelegte Stadtzentrum Lissabons, war eines der ersten erdbebensicheren Bauprojekte der Welt — mit flexiblen Holzstrukturen (gaiola pombalina), die Erschütterungen abfedern konnten.

Das Erdbeben hatte auch philosophische Folgen: Es erschütterte den Glauben an eine von Gott gelenkte, gute Weltordnung. Voltaire verarbeitete die Katastrophe in „Candide" und stellte den Optimismus von Leibniz infrage. Das Erdbeben von Lissabon gilt als Geburtsstunde der modernen Seismologie und als Wendepunkt der europäischen Aufklärung.

💡 Tipp

Im Museu de Lisboa (Palácio Pimenta) gibt es eine beeindruckende Dauerausstellung zum Erdbeben von 1755 mit Modellen des Lissabons vor und nach der Katastrophe.

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