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Geschichte Portugals · Abschnitt 5/6

Estado Novo & Nelkenrevolution (1926–1974)

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Estado Novo & Nelkenrevolution (1926–1974)

1910 stürzte eine Revolution die Monarchie und rief die Republik aus. Doch die junge Demokratie war instabil — in 16 Jahren gab es 45 Regierungen und acht Staatspräsidenten. 1926 putschte das Militär.

Salazars Diktatur (1932–1968)

António de Oliveira Salazar, ein Wirtschaftsprofessor aus Coimbra, wurde 1932 Ministerpräsident und errichtete den Estado Novo — einen autoritären, korporatistischen Staat nach faschistischem Vorbild. Salazar regierte 36 Jahre lang mit eiserner Hand: politische Opposition wurde von der Geheimpolizei PIDE verfolgt, Pressefreiheit existierte nicht, Wahlen waren Farce.

Portugal blieb im Zweiten Weltkrieg offiziell neutral, profitierte wirtschaftlich aber von beiden Seiten. Lissabon wurde zur Drehscheibe für Spione, Flüchtlinge und Schmuggler — eine Atmosphäre, die Filme wie „Casablanca" inspirierte. Der portugiesische Konsul in Bordeaux, Aristides de Sousa Mendes, rettete 1940 entgegen Salazars Befehlen über 30.000 Menschen, darunter 10.000 Juden, durch die Ausstellung von Visa.

Während Westeuropa prosperierte, stagnierte Portugal unter Salazar. Das Land war das ärmste Westeuropas: Die Analphabetenrate lag bei über 30 %, die Infrastruktur war rückständig, und Millionen Portugiesen wanderten aus — nach Frankreich, Deutschland, Luxemburg und Brasilien. Noch heute leben mehr Portugiesen und ihre Nachkommen außerhalb Portugals als im Land selbst.

Der Kolonialkrieg (1961–1974)

Während andere europäische Mächte ihre Kolonien in den 1960ern aufgaben, klammerte sich Portugal an sein Kolonialreich in Afrika (Angola, Mosambik, Guinea-Bissau). Der daraus resultierende Kolonialkrieg verschlang bis zu 40 % des Staatshaushalts und kostete über 8.000 portugiesische Soldaten das Leben. Für eine ganze Generation junger Männer bedeutete der Krieg jahrelangen Militärdienst in Afrika.

Die Nelkenrevolution (25. April 1974)

Am 25. April 1974 putschten junge Offiziere der Movimento das Forças Armadas (MFA), die vom sinnlosen Kolonialkrieg desillusioniert waren. Der Putsch verlief nahezu unblutig — das Signal zum Losschlagen war das Lied „Grândola, Vila Morena" von José Afonso, das um 0:25 Uhr im Radio gespielt wurde. Als die Bevölkerung auf die Straße strömte und den Soldaten rote Nelken in die Gewehrläufe steckte, war die Diktatur nach 48 Jahren zu Ende.

Der 25. April ist Portugals wichtigster Feiertag — der „Tag der Freiheit" (Dia da Liberdade). Die Nelke wurde zum Symbol der friedlichen Revolution, und „Grândola, Vila Morena" wird noch heute bei jeder Gedenkfeier gesungen. In Lissabon erinnert das Museu do Aljube (im ehemaligen Gefängnis der PIDE) eindrucksvoll an die Diktatur und den Widerstand.

Achtung

Die Salazar-Ära ist in Portugal kein unumstrittenes Thema. Manche ältere Portugiesen sehen die Diktatur nostalgisch verklärt — „damals war Ordnung". Dieses Phänomen heißt „Saudosismo" und ist vergleichbar mit der Ostalgie in Deutschland. Respektiere unterschiedliche Perspektiven.

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