Goldenes Zeitalter & Niedergang (1495–1755)
Unter König Manuel I. (1495–1521) erreichte Portugal seinen Zenit. Die Gewürze aus Indien — Pfeffer, Zimt, Nelken, Muskat — machten Lissabon zur reichsten Stadt Europas. Der König ließ prächtige Bauwerke im einzigartigen manuelinischen Stil errichten: das Kloster der Jerónimos in Belém, den Torre de Belém und das Christuskloster in Tomar. Der manuelinische Stil verbindet Spätgotik mit maritimen Motiven — Seile, Anker, Korallen und exotische Pflanzen aus den Entdeckungen schmücken Portale und Fenster.
Der Reichtum lockte Neid. 1580 starb der letzte portugiesische König der Avis-Dynastie und Spaniens Philipp II. bestieg den portugiesischen Thron. 60 Jahre lang war Portugal in Personalunion mit Spanien vereint (1580–1640) — eine Zeit, die als nationale Demütigung empfunden wird. Erst am 1. Dezember 1640 erkämpfte Portugal in der „Restauration" unter dem Haus Bragança seine Unabhängigkeit zurück. Der 1. Dezember ist bis heute Nationalfeiertag.
Im 18. Jahrhundert brachte das Gold aus Brasilien erneut enormen Reichtum. König João V. ließ den gigantischen Palast-Kloster-Komplex von Mafra erbauen — ein barocker Größenwahn, der Versailles Konkurrenz machen sollte. José Saramagos Roman „Das Memorial" (Memorial do Convento) schildert den Bau meisterhaft.
Doch der Reichtum wurde kaum in Industrie oder Bildung investiert. Portugal blieb wirtschaftlich von seinen Kolonien abhängig — eine Schwäche, die sich rächen sollte, als das Kolonialreich zu bröckeln begann.