Von den Lusitanern zur Staatsgründung (bis 1249)
Portugal ist einer der ältesten Nationalstaaten Europas — seine Grenzen sind seit 1249 nahezu unverändert. Das allein ist bemerkenswert genug, doch die Geschichte des Landes reicht weit tiefer.
Die Lusitaner, ein keltisch-iberischer Stamm, gaben der Region ihren antiken Namen: Lusitanien. Ihr legendärer Anführer Viriathus leistete den Römern jahrzehntelang erbitterten Widerstand und wurde erst durch Verrat besiegt. Bis heute gilt er als erster Nationalheld Portugals. Die Römer prägten das Land nachhaltig: Straßen, Brücken (der Ponte Romana in Chaves steht noch), die lateinische Sprache (aus der sich das Portugiesische entwickelte) und den Weinbau — im Douro-Tal wird seit über 2.000 Jahren Wein angebaut.
Nach dem Zusammenbruch des Römischen Reiches folgten Westgoten und ab 711 die Mauren, die den Süden Portugals über 500 Jahre beherrschten. Die maurische Herrschaft hinterließ tiefe Spuren: Die Algarve trägt einen arabischen Namen (al-Gharb, „der Westen"), Ortsnamen wie Alfama, Alcobaça und Albufeira sind arabischen Ursprungs, und die berühmten Azulejos haben ihre Wurzeln in der islamischen Kachelkunst. Auch Mandelbäume, Feigen und Bewässerungssysteme brachten die Mauren mit.
Die Reconquista begann im Norden. 1139 erklärte sich Afonso Henriques nach der Schlacht von Ourique zum ersten König Portugals. Er eroberte Lissabon 1147 mit Hilfe nordeuropäischer Kreuzfahrer, die auf dem Weg ins Heilige Land waren. Die Reconquista Portugals endete 1249 mit der Eroberung der Algarve — fast 250 Jahre vor der spanischen. Damit war Portugal der erste Staat der Iberischen Halbinsel, der die maurische Herrschaft vollständig beendete.
💡 Tipp
Im Castelo de São Jorge in Lissabon und im Castelo de Guimarães (der „Wiege der Nation") lässt sich die Gründungsgeschichte Portugals hautnah erleben. Guimarães trägt an der alten Stadtmauer die Inschrift „Aqui nasceu Portugal" — Hier wurde Portugal geboren.