Palácio Nacional da Pena★★★
Der Palácio da Pena ist das ikonischste Bauwerk Portugals — und einer der verrücktesten Paläste Europas. Auf dem zweithöchsten Gipfel der Serra de Sintra (529 m) thront dieser Traum in Technicolor: knallgelbe Türme, rote Terrassen, blaue Azulejo-Kacheln, maurische Bögen, gotische Türmchen und eine manuelinische Kapelle — alles wild durcheinander, wie von einem fiebernden Romantiker geträumt. Genau das war er auch.
König Fernando II., ein deutscher Prinz aus dem Haus Sachsen-Coburg-Gotha (Cousin von Queen Victoria und Prinz Albert), ließ den Palast ab 1842 auf den Ruinen eines Hieronymitenklosters aus dem 15. Jahrhundert errichten. Fernando war Künstler, Romantiker und besessen von der Idee, alle Architekturstile der Welt in einem einzigen Gebäude zu vereinen. Das Ergebnis ist ein architektonischer Wahnsinn, der irgendwie funktioniert — Neuschwanstein trifft Alhambra trifft Kloster von Belém.
Das Innere ist ebenso faszinierend: Die Originaleinrichtung aus dem 19. Jahrhundert ist nahezu vollständig erhalten. Man durchschreitet königliche Gemächer mit Stuck und Wandmalereien, ein arabisches Zimmer mit Trompe-l'oeil-Wanddekoration, die Kapelle mit einem Alabaster-Altarbild von Nicolau Chanterene und die Küche mit dem Kupfergeschirr, in dem die letzten Mahlzeiten der portugiesischen Monarchie zubereitet wurden. Königin Amélia verließ den Palast 1910 in Eile — zwei Tage nach der Ausrufung der Republik.
Der Parque da Pena rund um den Palast ist selbst ein Meisterwerk: 200 Hektar mit über 2.000 Pflanzenarten aus allen Erdteilen — Riesenfarne aus Australien, japanische Kamelien, kalifornische Mammutbäume, brasilianische Baumfarne. Fernando II. ließ Pflanzen aus der ganzen Welt importieren und einen romantischen Landschaftspark anlegen, der sich heute wie ein verwunschener Urwald anfühlt.
An klaren Tagen reicht der Blick von der Terrasse des Palastes bis Lissabon und über den Tejo bis zur Serra da Arrábida. Bei typischem Sintra-Nebel schwebt der Palast surreal über den Wolken — ein unvergessliches Bild.
💡 Tipp
Sei um 9:00 Uhr am Eingang — ab 10:30 Uhr wird es unerträglich voll (bis zu 6.000 Besucher pro Tag im Sommer). Online-Tickets sind Pflicht und 1–2 Tage vorher buchen. Der Aufstieg vom Parkeingang zum Palast dauert 15 Min. zu Fuß (steil!) oder man nimmt den Shuttle-Bus (3€ hin und zurück). Wähle ein Ticket MIT Park — der Park allein ist die Reise wert.
Achtung
Im Sommer (Juni–September) Wartezeiten von 30–90 Minuten am Palasteingang, selbst mit Online-Ticket. Zeitfenster-Tickets (seit 2023) helfen, aber nicht komplett. Alternativ: Montag–Freitag kommen, Wochenende meiden.