Quimper & Finistère★★
Quimper (63.000 Einwohner) ist die kulturelle Hauptstadt der Bretagne — eine Stadt, die ihr keltisches Erbe mit Leidenschaft pflegt. Der Name kommt vom bretonischen „kemper" (Zusammenfluss), denn hier treffen die Flüsse Odet und Steir aufeinander. Die Altstadt mit ihren Fachwerkhäusern aus dem 15.–17. Jahrhundert, den blumengeschmückten Fußgängerbrücken und den kopfsteingepflasterten Gassen ist eine der besterhaltenen der Bretagne.
Die Cathédrale Saint-Corentin (13.–15. Jh.) dominiert die Stadt mit ihren 76 m hohen Doppeltürmen — ein Meisterwerk bretonischer Gotik. Besonderheit: Das Kirchenschiff knickt in der Mitte ab (man sieht es, wenn man vom Eingang zum Altar blickt). Die Glasfenster aus dem 15. Jahrhundert leuchten in unbeschreiblichen Farben.
Faïence de Quimper — seit 1690 wird in Quimper handbemalte Fayence-Keramik hergestellt, berühmt für ihre bretonischen Motive (Bauersfiguren, Blumen, Wappen). Die Manufaktur HB-Henriot bietet Führungen (6€, 45 Min.) und einen Fabrikverkauf — Teller ab 25€, Schüsseln ab 40€. Authentisches Kunsthandwerk, kein Touristenkitsch.
Das Musée Départemental Breton im ehemaligen Bischofspalast neben der Kathedrale zeigt bretonische Trachten, Möbel, archäologische Funde und die Geschichte der Region von der Vorgeschichte bis heute. Besonders die Sammlung bretonischer Hauben (Coiffes) ist faszinierend — jede Gemeinde hatte ihre eigene Form.
Festival de Cornouaille (Ende Juli, 4 Tage) — das größte keltische Festival der Bretagne. Über 200 Künstler, Festnoz (bretonische Tanzfeste), Bagadoù (bretonische Pipe-Bands), keltische Musik aus der Bretagne, Irland, Schottland und Wales. Tagesticket ab 12€.
Finistère — das Ende der Welt
Finistère (bretonisch: Penn-ar-Bed) bedeutet „Ende der Erde" — und genau so fühlt es sich an. Die westlichste Spitze des französischen Festlands, wo der Atlantik auf die Klippen donnert.
Pointe du Raz — Frankreichs westlichster Punkt (abgesehen von Inseln): eine schmale Felszunge, die 70 m über dem tosenden Meer in den Atlantik ragt. Bei Sturm ein apokalyptisches Schauspiel. Blick auf die Île de Sein und den Leuchtturm Phare de la Vieille. Parkplatz 7€, sonst frei.
Locronan — eines der „Plus Beaux Villages de France": ein perfekt erhaltenes bretonisches Dorf aus Granit (500 Einwohner), das seit dem 16. Jahrhundert nahezu unverändert ist. Der Dorfplatz diente als Filmkulisse für Polanskis „Tess" (1979).
Concarneau — Fischerstädtchen mit einer ummauerten Altstadt auf einer Insel im Hafen (Ville Close). Heute Cafés und Galerien, aber der Fischereihafen ist der drittgrößte Frankreichs — morgens um 6 Uhr die Fischanlandung beobachten.
💡 Tipp
In Quimper unbedingt eine Crêperie besuchen — die Stadt gilt als Crêpe-Hauptstadt der Bretagne. Empfehlung: Crêperie de Vieux Quimper (Rue Verdelet 20, Galette Complète 8€, Crêpe au Caramel au Beurre Salé 6€). Dazu: Cidre brut aus der Bolée (Keramikschale, 3,50€).