Die Große Hungersnot (1845–1852)
Die Great Famine (An Gorta Mór, „Der Große Hunger") ist das traumatischste Ereignis der irischen Geschichte. Zwischen 1845 und 1852 vernichtete die Kartoffelfäule die Kartoffelernte — das Grundnahrungsmittel einer Bevölkerung, die unter der britischen Landbesitzordnung kaum andere Nahrung hatte.
Die Folgen waren katastrophal: Eine Million Menschen verhungerten, eine weitere Million wanderte in „Coffin Ships" nach Amerika aus. Irlands Bevölkerung sank von 8,4 Millionen (1844) auf 6,6 Millionen (1851). Die Emigration hörte nie auf — bis 1961 lebten nur noch 2,8 Millionen auf der Insel. Heute hat die Republik 5,1 Millionen Einwohner — immer noch weniger als vor der Hungersnot.
Während die Iren verhungerten, wurden weiterhin Lebensmittel aus Irland nach England exportiert. Dieses Versagen wird bis heute als bewusste Gleichgültigkeit oder gar Genozid diskutiert. Das Famine Memorial am Custom House Quay in Dublin — ausgemergelte Bronzefiguren, die zum Emigrantenschiff wanken — ist eines der erschütterndsten Denkmäler Europas.
💡 Tipp
Das EPIC Museum in Dublin und das Dunbrody Famine Ship in New Ross (Co. Wexford) vermitteln die Geschichte der Hungersnot und Emigration auf ergreifende Weise. Das National Famine Museum in Strokestown Park (Co. Roscommon) zeigt Originaldokumente.