Handelsrouten & Emigration (16.–20. Jh.)
Die strategische Lage der Kanaren — letzte Station vor Amerika, erste nach der Rückkehr — machte den Archipel zu einem der wichtigsten Handelsknotenpunkte des Atlantiks. Die wirtschaftlichen Zyklen der Inseln lesen sich wie eine Weltwirtschaftsgeschichte im Kleinen:
- Zucker (15.–16. Jh.): Die ersten Zuckerrohrplantagen machten die Kanaren reich — bis die Karibik billiger produzierte
- Wein (16.–18. Jh.): Kanarischer Malvasía-Wein war in ganz Europa berühmt. Shakespeare erwähnt ihn mehrfach; der englische Adel trank „Canary Wine" als Statussymbol. Der Handelshafen Garachico auf Teneriffa war das Zentrum — bis ein Vulkanausbruch 1706 den Hafen unter Lava begrub
- Cochenille (19. Jh.): Die Schildlaus, die karminroten Farbstoff liefert, wurde auf Opuntien-Kakteen gezüchtet. Lanzarote und Fuerteventura waren Hauptproduzenten, bis synthetische Farbstoffe das Geschäft ruinierten
- Bananen (ab 1880): Der Bananenanbau, vor allem auf Teneriffa und La Palma, wurde zum wirtschaftlichen Rückgrat — und ist es teilweise noch heute
Die wirtschaftlichen Krisen führten zu massiver Emigration: Hunderttausende Kanarier wanderten nach Kuba, Venezuela und Uruguay aus. In Havanna gibt es ein ganzes Viertel ehemaliger kanarischer Einwanderer, und der venezolanische Akzent ähnelt dem kanarischen Spanisch verblüffend. Viele Kanarier haben heute noch Verwandte in Lateinamerika, und die Rückwanderer brachten Traditionen mit — das kanarische Karneval hat deutliche kubanische Einflüsse.