K.u.K.-Monarchie & das lange 19. Jahrhundert
Unter Maria Theresia (1740–1780) und ihrem Sohn Joseph II. wurde Österreich modernisiert: Schulpflicht, Abschaffung der Leibeigenschaft, Toleranzpatent für Protestanten und Juden. Maria Theresia — Mutter von 16 Kindern, darunter die unglückliche Marie Antoinette — regierte 40 Jahre lang mit einer Mischung aus Härte und Pragmatismus, die sie zur vielleicht bedeutendsten Herrscherin Europas machte.
Die Napoleonischen Kriege demütigten Österreich mehrfach. Nach der Niederlage von Austerlitz (1805) löste Franz II. das Heilige Römische Reich auf und wurde als Franz I. Kaiser des neuen Kaisertums Österreich. Sein Kanzler Metternich orchestrierte den Wiener Kongress (1814/15), der Europa nach Napoleon neu ordnete — und Wien zum Zentrum der europäischen Diplomatie machte. Die berühmte Formel: "Der Kongress tanzt, aber er kommt nicht voran."
Die Revolution von 1848 erschütterte die Monarchie. In Wien, Budapest und Prag forderten Bürger Verfassung, Pressefreiheit und nationale Selbstbestimmung. Kaiser Ferdinand I. dankte ab, der erst 18-jährige Franz Joseph I. bestieg den Thron — und sollte 68 Jahre lang regieren, bis 1916.
Nach der Niederlage gegen Preußen bei Königgrätz (1866) musste Franz Joseph den Ungarn weitgehende Autonomie zugestehen: Der Ausgleich von 1867 schuf die Österreichisch-Ungarische Doppelmonarchie (K.u.K.). Dieses Vielvölkerreich — mit Deutschen, Ungarn, Tschechen, Slowaken, Polen, Kroaten, Slowenen, Serben, Rumänen, Italienern und Ukrainern — war ein faszinierendes Experiment multikultureller Koexistenz, das kulturell brillierte, aber politisch unter wachsendem Nationalismus litt.
Das Wien der Jahrhundertwende wurde zu einem der kreativsten Orte der Menschheitsgeschichte: Freud begründete die Psychoanalyse, Klimt und Schiele revolutionierten die Kunst, Mahler und Schönberg die Musik, Wittgenstein die Philosophie, Loos die Architektur. In den Kaffeehäusern saßen Genies Tisch an Tisch — eine kulturelle Dichte, die es so nie wieder gab.
💡 Tipp
Das Wiener Heeresgeschichtliche Museum zeigt den Wagen, in dem Thronfolger Franz Ferdinand 1914 in Sarajevo erschossen wurde — Einschusslöcher inklusive. Ein erschütterndes Stück Geschichte.