Klimt, Schiele & der Jugendstil
Um 1900 wurde Wien zum Epizentrum einer künstlerischen Revolution. Die Wiener Secession (gegründet 1897) brach mit dem akademischen Kunstestablishment — ihr Motto: "Der Zeit ihre Kunst, der Kunst ihre Freiheit", golden über dem Eingang des Secessionsgebäudes eingraviert.
Gustav Klimt (1862–1918) war der Anführer. Sein "Kuss" (1907/08) — das goldschimmernde Paar in der Umarmung — ist eines der ikonischsten Gemälde der Kunstgeschichte und hängt im Oberen Belvedere in Wien. Klimts "Goldene Phase" (Porträt Adele Bloch-Bauer I, das 2006 für 135 Millionen Dollar verkauft wurde — damals das teuerste Gemälde der Welt) verbindet byzantinische Pracht mit erotischer Spannung. Sein Beethovenfries in der Secession ist ein monumentaler Seitensprung zwischen Kunst und Musik.
Egon Schiele (1890–1918) war Klimts Schüler und radikaler Gegenpol: Wo Klimt Gold und Ornament setzte, malte Schiele nackte Körper in verrenkten Posen, dünn, verletzlich, brutal ehrlich. Seine Aktzeichnungen schockierten die Gesellschaft — er wurde sogar kurzzeitig inhaftiert. Das Leopold Museum im MuseumsQuartier besitzt die weltweit größte Schiele-Sammlung.
Oskar Kokoschka (1886–1980) komplettierte das Triumvirat: expressiv, wild, psychologisch — seine Porträts "häuteten" die Dargestellten förmlich. Die drei zusammen — Klimt, Schiele, Kokoschka — machen Wien zum wichtigsten Ort für Kunst der Jahrhundertwende weltweit.
Der Wiener Jugendstil (Sezessionsstil) prägte auch die Architektur: Otto Wagners Stadtbahnpavillons am Karlsplatz und an der Nussdorfer Straße, sein Postsparkassengebäude (ein Vorläufer der Moderne), Josef Hoffmanns Purkersdorfer Sanatorium und die Wiener Werkstätte (Kunsthandwerk auf höchstem Niveau) — all das ist in Wien erlebbar.
💡 Tipp
Das Leopold Museum im MuseumsQuartier zeigt nicht nur Schiele und Klimt, sondern hat donnerstags bis 21 Uhr geöffnet — perfekt für einen Abendbesuch ohne Gedränge. Danach auf einen Drink in eines der Cafés im MQ-Hof.