Sherry — das unterschätzte Meisterwerk
Kein Getränk wird so unterschätzt wie Sherry (Jerez). In Deutschland gilt er als verstaubter Oma-Likör, in Spanien erlebt er eine Renaissance als hip-modernes Genussgetränk. Die besten Sommeliers der Welt schwören auf Sherry als vielseitigsten Speisebegleiter überhaupt.
Das Sherry-Dreieck
Sherry wird ausschließlich in einem winzigen Gebiet in Andalusien produziert: dem Dreieck zwischen Jerez de la Frontera, El Puerto de Santa María und Sanlúcar de Barrameda. Die Rebsorte ist Palomino Fino. Die einzigartige Solera-Methode — ein Fasssystem, bei dem junger Wein mit älterem verschnitten wird — erzeugt eine Komplexität, die kein anderes Weinbauverfahren erreicht.
Die Stile
- Fino: Trocken, leicht, salzig — unter Florhefedecke gereift. Perfekt zu Tapas, Oliven, Mandeln. Kalt servieren!
- Manzanilla: Wie Fino, aber nur aus Sanlúcar. Noch leichter, mit jodigem Meerhauch. Der ideale Sommeraperitif
- Amontillado: Beginnt als Fino, wird dann oxidativ ausgebaut. Bernsteinfarben, nussig, komplex. Hemingways Lieblings-Sherry
- Oloroso: Kräftig, dunkel, trocken — trotz Fülle nicht süß! Zum Schmoren von Fleisch oder zu Käse
- Palo Cortado: Der seltenste Stil — beginnt als Fino, entwickelt sich überraschend zum Oloroso. Nur 1–2% der Produktion
- Pedro Ximénez (PX): Süßer Dessertsherry aus getrockneten Pedro-Ximénez-Trauben. Sirupartig, mit Aromen von Rosinen, Datteln und Schokolade. Über Vanilleeis gegossen ein Traum
💡 Tipp
In Jerez und Sanlúcar bekommst du ein Glas exzellenten Fino oder Manzanilla für 1,50–2 € in jeder Bar. Die Bodegas (González Byass/Tío Pepe, Lustau, Barbadillo) bieten Führungen mit Verkostung ab 15 € — besser als jede Weinprobe in der Toskana.