Kanarisch vs. Spanisch — Eine besondere Identität
Sage niemals zu einem Kanarier, er sei „Spanier vom Festland" — der Begriff „Peninsular" (Festlandspanier) wird klar von „Canario" unterschieden, und die meisten Kanarier definieren sich zuallererst über ihre Inselzugehörigkeit. Man ist Tinerfeño (Teneriffa), Grancanario (Gran Canaria), Conejero (Lanzarote — wörtlich „Kaninchenzüchter") oder Majorero (Fuerteventura) — und erst dann Canario und Spanier.
Die kanarische Identität speist sich aus mehreren Quellen:
- Geographische Isolation: Über 1.000 km vom spanischen Festland entfernt, nur 100 km vor der Küste Afrikas — die Kanaren sind Europas abgelegenste Region
- Guanchen-Erbe: Ein wachsender Stolz auf die prähispanischen Wurzeln. Guanchen-Namen (Tanausú, Gara, Acerina, Beneharo) sind als Vornamen beliebt, und archäologische Stätten werden zunehmend als Identitätsanker gefeiert
- Lateinamerikanische Verbindung: Durch Jahrhunderte der Emigration nach Kuba, Venezuela und Uruguay fühlen sich viele Kanarier Lateinamerika näher als Madrid. Der kanarische Akzent klingt für Festlandspanier „südamerikanisch"
- Afrikanische Nähe: Die geographische Lage und die Guanchen-Herkunft aus Nordafrika schaffen ein Bewusstsein dafür, dass man am Rande zweier Kontinente lebt
Die Rivalität zwischen Teneriffa und Gran Canaria (Pleito Insular) ist legendär und durchdringt alles: Politik, Fußball, Infrastruktur. Beide Inseln beanspruchen die Führungsrolle im Archipel, und die Lösung der zwei Hauptstädte zeigt, wie ernst diese Rivalität genommen wird.