Titel & Förmlichkeit
Österreich ist eine Titelnation. Nirgendwo in Europa wird so viel Wert auf korrekte Anrede gelegt wie hier. Was in Deutschland belächelt würde, ist in Österreich todernst: Der akademische Grad gehört zum Namen wie der Vorname — und ihn wegzulassen ist ein Affront.
Die wichtigsten Titel in der Praxis:
- Herr/Frau Magister (Mag.) — Universitätsabschluss, sehr verbreitet
- Herr/Frau Doktor (Dr.) — Promotion, wird im Alltag fast immer verwendet
- Herr/Frau Diplom-Ingenieur (DI oder Dipl.-Ing.) — Technikabschluss
- Herr/Frau Professor — nicht nur Universitätsprofessoren, sondern auch Gymnasiallehrer und als Berufstitel verliehene Ehrung
- Hofrat, Ministerialrat, Sektionschef — Beamtentitel, die bis heute gepflegt werden
In Briefen und E-Mails steht der Titel im vollen Wortlaut: "Sehr geehrter Herr Mag. Dr. Müller". Auf Visitenkarten stehen sämtliche Titel. Im Telefonbuch (ja, es gibt noch eines) werden Titel aufgeführt. Und in der Todesanzeige stehen sie definitiv — in Österreich hat der Titel Ewigkeitswert.
Im Alltag duzen sich Österreicher untereinander relativ schnell — schneller als viele Deutsche erwarten. Aber: Das "Du" muss angeboten werden, idealerweise vom Älteren oder Ranghöheren. Unaufgefordert zu duzen gilt als unhöflich. In Wien sagt man beim Anbieten des Du oft: "Sagen wir Du?" — ein ritueller Moment.
Die Begrüßung ist wichtig: "Grüß Gott!" ist der Standard in ganz Österreich (kein religiöses Bekenntnis, sondern Höflichkeit). "Hallo" gilt als eher norddeutsch/bundesdeutsch. "Servus" ist freundschaftlich und informell. In Wien hört man oft "Küss die Hand" (von Männern gegenüber Frauen, zunehmend ironisch).
💡 Tipp
In Restaurants, Hotels und beim Einkaufen wirst du fast immer gesiezt. "Grüß Gott" zum Betreten, "Auf Wiederschauen" beim Gehen — und du wirst als höflicher Gast wahrgenommen. Das "Servus" hebst du dir für Leute auf, die dir das Du angeboten haben.