Essen: Schnitzel, Tafelspitz & Sachertorte
Die Wiener Küche ist keine Diätküche — sie ist kaiserlich, deftig und süß. Sie vereint Einflüsse aus dem gesamten Habsburgerreich: böhmische Knödel, ungarischen Gulasch, italienische Einflüsse und die hohe französische Kochkunst. Drei Gerichte sind heilig — das Schnitzel, der Tafelspitz und die Sachertorte. Wer Wien verlässt, ohne alle drei probiert zu haben, war nicht wirklich da.
Das Wiener Schnitzel
Das echte Wiener Schnitzel ist immer aus Kalbfleisch (Schwein heißt „Schnitzel Wiener Art" — ein himmelweiter Unterschied). Es wird dünn geklopft, in Mehl, Ei und Semmelbröseln paniert und in Butterschmalz schwimmend herausgebacken. Die Panier muss wellig aufgehen und sich soufflé-artig vom Fleisch lösen — flach anliegende Panier ist ein Zeichen von Pfusch. Serviert wird es mit Preiselbeeren, Erdäpfelsalat und einer Zitronenspalte. Ketchup ist ein Verbrechen.
Figlmüller · Wollzeile 5 · €€
Wiens berühmtestes Schnitzel — seit 1905. Das Schnitzel ragt über den Tellerrand hinaus (30+ cm Durchmesser), die Panier ist perfekt, das Fleisch zart. Touristisch? Ja. Trotzdem großartig? Ja. Schnitzel 19,90 €. Reservierung zwingend, sonst 45+ Min. Wartezeit.
Täglich 11–22 Uhr. Zweite Filiale: Bäckerstraße 6 (oft kürzer Warteschlange).
Meissl & Schadn · Schubertring 10–12 · €€€
Die moderne Schnitzel-Kathedrale am Ring: elegantes Interieur, das Schnitzel-Menü bietet verschiedene Fleischsorten (Kalb, Huhn, Schwein) und Panierungen. Das klassische Kalbsschnitzel (24 €) ist makellos. Dazu exzellenter österreichischer Wein. Hauptgerichte 18–35 €.
Mo–Sa 12–23 Uhr, So 12–21 Uhr
Gasthaus Pöschl · Weihburggasse 17 · €€
Altwiener Gasthaus abseits der Touristenströme: ehrliches Handwerk, perfektes Schnitzel (17,50 €), gute Beilagen, faire Preise. Hier essen Wiener — und das ist das beste Qualitätsmerkmal.
Mo–Sa 11–23 Uhr
Der Tafelspitz
Kaiser Franz Josephs Lieblingsgericht: gekochtes Rindfleisch (Tafelspitz ist der Schnitt) in klarer Rindssuppe, serviert mit Apfelkren (Meerrettich), Schnittlauchsoße und Rösterdäpfeln. Ein Gericht von schlichter Eleganz, das die Qualität des Fleisches in den Mittelpunkt stellt.
Plachutta · Wollzeile 38 · €€€
DAS Tafelspitz-Restaurant Wiens — eine Institution seit 1986. Der Tafelspitz wird im Kupfertopf am Tisch serviert, dazu Markknödel in der Brühe und die klassischen Beilagen. Tafelspitz 32,90 €. Teuer, aber perfekt. Reservierung empfohlen.
Täglich 11:30–23 Uhr
Die Sachertorte
Der berühmteste Kuchen der Welt: zwei Schichten dunkler Schokoladenbiskuit, dazwischen Marillenmarmelade, überzogen mit Schokoladenglasur. Erfunden 1832 vom 16-jährigen Lehrling Franz Sacher für Fürst Metternich. Die Torte löste einen legendären Rechtsstreit zwischen dem Hotel Sacher und der Konditorei Demel aus — beide beanspruchen das Originalrezept.
Café Sacher · Philharmonikerstraße 4 · €€€
Die „Original Sacher-Torte": dichter, dunkler, üppiger. Ein Stück 9,50 €, dazu eine Melange 6,50 €. Die Atmosphäre im roten Salon ist opulent. Warteschlange oft 20+ Minuten — komme vor 14 Uhr.
Täglich 8–24 Uhr
Konditorei Demel · Kohlmarkt 14 · €€€
Die „Demels Sachertorte": leichter, feiner, eleganter. Ein Stück 7,50 €. Die Schaufensterkonditorei ist ein Erlebnis — man sieht den Konditoren durch die Glasscheibe beim Arbeiten zu. Wer hat die bessere Torte? Probiere beide und entscheide selbst.
Täglich 9–19 Uhr
Weitere Wiener Klassiker
Gulasch — Ungarisch inspiriert, in Wien perfektioniert: zarter Rindergulasch mit Paprika, Zwiebeln und Semmelknödel. Am besten im Gulaschmuseum (Schulerstraße 20, Gulasch ab 14 €) oder bei Zum Schwarzen Kameel (Bognergasse 5, Gulasch 18 €).
Kaiserschmarrn — Zerrissener Palatschinken mit Rosinen und Zwetschgenröster. Im Café Diglas (Wollzeile 10, 13,50 €) oder im Gasthaus Reinthaler (Gluckgasse 5, 11 €).
Würstelstand — Wiens demokratischster Ort: Um 2 Uhr nachts stehen Opernbesucher im Smoking neben Taxifahrern beim Bitzinger (Albertinaplatz) und essen Käsekrainer (Käsewurst, 5,50 €) mit scharfem Senf. Der Würstelstand am Hohen Markt ist ebenfalls legendär.
💡 Tipp
Wiener Geheimtipp für Schnitzel: Gehe nicht zum Figlmüller (zu voll), sondern ins Gasthaus Pöschl oder ins Schnitzelwirt (Neubaugürtel 52, 7. Bezirk) — dort bekommst du ein riesiges Schweineschnitzel für 10 € in einem Wirtshaus, in dem seit 1862 gebrutzelt wird.